Es war Mittwoch, kurz vor 9 Uhr und für Rechtsanwalt Michael Linke tauchte eine Frage auf: „Wo ist mein Mandant?“ Dann, wenige Minuten später ließ etwas aufhorchen. „Da, es klappert“, so Linke, der darum aus dem Saal 14 des Amtsgerichts in den Flur hinaustrat.

Dort wurde sein Mandant vorgeführt und was das Klappern verursachte, waren die Fußfesseln des derzeit in der Bayreuther Justizvollzugsanstalt einsitzenden Mannes. Er hatte noch ein Betrugsverfahren offen. Es ging um den 10. Januar 2020. Aus einer Wohnung in Hochstadt am Main sicherte ein 27-jähriger Mann auf der Verkaufsplattform Ebay einer anderen Person in Deutschland zu, ihr ein Handy verkaufen zu wollen. Kostenpunkt: 525 Euro.

Eindeutiger Fall von Betrug

Doch obwohl das Geld bei dem Hochstadter einging, hatte er nicht mal ansatzweise die Absicht, dem Überweiser das Handy zuzusenden. Für Angelina Gebhardt, die als Rechtsreferendarin die Staatsanwaltschaft vertrat, war dies ein eindeutiger Fall von Betrug . „Sie täuschten vor zu liefern“, erklärte die junge Frau, den Angeklagten dabei anblickend. Der zeigte sich nicht aufgeregt, sondern gefasst. „Ich kam damals aus der Haft und bin rückfällig geworden“, entgegnete er und was er damit meinte, war nicht ein Rückfälligwerden in Bezug auf Straftaten , sondern in Bezug auf seinen Drogenkonsum . Es war also Beschaffungskriminalität, die er ausübte. Tatsächlich entsprach das einem bei ihm bekannten Muster. Insgesamt zwölf Einträge standen zu ihm im Bundeszentralregister zu Buche, stets wegen Diebstahls , Betrug , Veruntreuung oder Wohnungseinbruchsdiebstahl. Gewalttätig wurde er allerdings nie und von Körperverletzungsvergehen ist sein Register frei. Welche Drogen er zu konsumieren pflegte, kam nicht zur Sprache. Sehr wohl aber der Umstand, dass er im Januar 2020 unter Bewährung stand und doch den Betrug beging. Da sei „Besserung kaum anzunehmen“, sollte Gebhardt später in ihrem Plädoyer nicht unbemerkt lassen. Doch der ruhig wirkende Angeklagte hatte auch etwas vorzuweisen. So gelang es ihm in der Haft, eine Ausbildung zu ergreifen und abzuschließen. Linke bat Richter Matthias Huber darum, auf den Umstand Rücksicht zu nehmen, dass sein Mandant wegen seiner Sucht fehlging. Gleichwohl erklärte er, dass auch dieser wisse, „dass wir nicht mehr über eine Geldstrafe reden“. Es sei dem 27-Jährigen absolut klar, dass er mit einer abermaligen Haftstrafe ohne Bewährung zu rechnen habe. Jedoch möge die nicht, wie von Gebhardt gefordert, auf neun Monate ausfallen, sondern auf fünf Monate. Es sollten 14 Monate werden, die Huber verhängte. Allerdings bezog er darin die derzeitige zehnmonatige Haftstrafe des Mannes ein. Dieser nahm das Urteil ruhig an und versprach, seiner „ Drogensucht ein Ende bereiten“ zu wollen. Dann wurde er von den beiden Beamten, die ihn begleitet hatten, wieder zurück ins Gefängnis gebracht.