Später, nach der Urteilsverkündung und beim Gang hinaus vom Amtsgericht, sollte der Mann aus dem westlichen Landkreis tief durchatmen. Es stand Spitz auf Knopf in seiner Verhandlung und Staatsanwältin Dominique Amend sprach davon, dass "irgendwann der Schacht halt zu ist", es nun also an der Zeit sei, ihn einzusperren. Doch Richter Matthias Huber sollte auch Rücksicht auf die Familie des 35-jährigen Handwerkers nehmen. Die brauche einen Vater und Verdiener in Freiheit, also mit Bewährung.

Es war der 15. April des vergangenen Jahres, als der Mann kurz nach 20 Uhr mit seinem Roller auf der Langheimer Straße unterwegs war. Was er hatte, war ein Promille. Was er nicht hatte, war ein Führerschein. Somit kamen zwei Tatbestände zusammen und von denen schien der Angeklagte rückblickend selbst nicht viel zu halten.

"Das war nicht die klügste Idee", so der Angeklagte gegenüber dem Gericht. Zu sich selbst hielt er auch Rückschau und erzählte von einem Leben, in dem Drogen eine Bedeutung beikam. " Drogen , Alkohol , ich habe viel Mist gebaut - jahrzehntelang eigentlich." Früher, zu seinen Hochzeiten, habe er sogar Crystal zu sich genommen und einen Kasten Bier am Tag getrunken. Doch bald sollte der Mittdreißiger auch auf das zu sprechen kommen, was das Gericht ihm zugutehalten könnte. Er habe seinen Wohnort gewechselt, sei in die Nähe der etwas abgelegenen Arbeitsstelle gezogen, um auf diese Weise der Verführung aus dem Weg zu gehen.

Einem Gutachter gegenüber, dem psychiatrischen Arzt Michael Zappe, gab er zu, während eines schon länger zurückliegenden Gesprächs alkoholisiert gewesen zu sein. Das provozierte die Frage der Staatsanwältin , wie viele Biere der Mittdreißiger dann und wann "zum Wohlfühlen" brauche. "Drei zum Frühstück", so die Antwort. Das aber habe auch mit seinem Chef zu tun gehabt, weil ihn dieser auch ab und zu mal mit "trink fei was" animierte. Was Crystal anbelangt, so sei er seit 2016 abstinent. Diese an sich gute Nachricht ist nur bedingt gut, denn es sei ja zu einer "Suchtverlagerung" gekommen - weg vom Crystal und hin zum Alkohol .

20 Einträge in seinem Bundeszentralregister erinnerten an Vorfälle wie Sachbeschädigung , Körperverletzung , Fahren ohne Fahrerlaubnis oder dem Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Doch das Fahren ohne Fahrerlaubnis sollte mit zwölf Einträgen die häufigste Straftat sein. Zum Zeitpunkt des 15. April hatte die Sache mit der Fahrt nach Langheim aber so seine Tücken, denn die beging der Angeklagte unter doppelter Bewährung. Eben darum hielt Amend fest, "keine Bewährung geben zu können (...) und jetzt fällt das Kartenhaus zusammen". Acht Monate Haft forderte sie ein, zudem eine vierjährige Sperrfrist für die Neuerteilung eines Führerscheins.

Rechtsanwalt Peter Christ hatte keine großen Forderungen für seinen Mandanten, denn ihm sollte es schon genügen, wenn der Urteilsspruch auf Bewährung lautete. Dass es in diesem Fall zu Auflagen kommen muss, stellte er nicht in Abrede, dafür aber bezüglich ihrer Höhe "ins Ermessen des Gerichts". In den ihm zustehenden letzten Worten vor Urteilsverkündung fiel dem Angeklagten zu sich selbst nichts ein. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", erklärte er und führte dann doch noch aus, dass er sich an dem Aprilabend einen "riesigen Bockschuss" geleistet habe.

Klare Warnung

Es folgten bange Momente. Dann erhob man sich zur Urteilsverkündung von den Sitzen. Auf neun Monate Haft zur Bewährung lautete der Verfahrensausgang und der Grund, weshalb er es nicht zu einem abermaligen Gefängnisaufenthalt kommen lassen wollte, sei in dem Umstand begründet, wonach sich der Verurteilte vorherige Haftstrafen nicht zur Abschreckung dienen ließ. Doch Huber betonte auch: "irgendwann machen wir uns ja lächerlich, wenn wir Bewährung auf Bewährung stapeln" - eine klare Warnung an den Verurteilten.