Sie hatten es nur gut gemeint, die beiden Polizeibeamten . Doch der Hausfrau aus dem östlichen Landkreis war nur schwer zu helfen. Und nicht leicht beizukommen. Denn als sie völlig betrunken vorgefunden wurde, leistete sie gegen Hilfe erbitterten Widerstand. Am Dienstag sah man sich bei Gericht wieder. Anklagepunkt: Tätlicher Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung .

Es war von zwei Promille die Rede, welche die 37-jährige Hausfrau im Blut hatte. Am 16. Januar dieses Jahres wurde sie von zwei Polizisten vorgefunden. „Es gab eine Mitteilung über eine stark betrunkene Frau “, erklärte der 24-jährige Beamte gegenüber Richter Matthias Huber. Auf dem Boden einer Straße habe die Frau gesessen und behauptet, sie wohne nebenan. Ein Blick in ihren Ausweis ergab aber, dass sie ganz woanders wohnte. Während sich die Beamten sorgten, hörten sie von der Frau , was diese von ihnen hielt: „Missgeburten“ war noch eine der freundlicheren Umschreibungen. Deshalb und weil sie orientierungslos war, erklärten die Polizisten ihr die Gewahrsamnahme, verbunden mit einem Alkoholtest im Klinikum sowie einer dortigen Haftfähigkeitsprüfung.

Das erzürnte die Frau noch mehr. Eine ganze Reihe unflätigster Schimpfwörter prasselte auf die Beamten ein, verbunden mit einer drohenden Geste. Mit geballter Faust ging die Frau auf die beiden Männer zu und ließ sich nicht beruhigen. Bei der Verbringung ins Polizeiauto und während der Fahrt selbst gebärdete sich die Hausfrau noch uneinsichtiger. Tritte gegen das Schienbein eines Beamten , ein versuchter Tritt ins Gesicht, der Versuch, sich aus Griffen herauszuwinden, und weitere Beleidigungen folgten. Die Angeklagte selbst hielt sich zu dem Vorfall bedeckt. „Ich möchte nichts dazu sagen, ich möchte mich nur in aller Form entschuldigen“, so die Frau , die gegenüber von Staatsanwalt Johannes Tränkle saß und fast ein wenig verhuscht wirkte.

„Haben Sie ein Alkoholproblem?“, wurde sie von Richter Huber gefragt und sie verneinte. Sie habe an dem Tag lediglich Geburtstag und ein Problem gehabt, erklärte die Frau hernach. Doch offenbar hatte die Frau schon öfter ein Problem und nicht immer dabei Geburtstag. Ihr Bundeszentralregister wies sieben Einträge auf und zweimal davon lautete der Eintrag auf Trunkenheit im Verkehr. Die weiteren Einträge sprachen von Leistungserschleichung, Beleidigungen oder falscher uneidlicher Aussage.

Der zweite Polizeibeamte sprach im Zusammenhang mit der Angeklagten eindeutig von einer damals „hilflosen Person“, die eine Gefahr für sich und andere darstellte und um die herum überall ihre Sachen verstreut waren. Auch habe sie „die ganze Zeit rumgeschrien“ und zu einem späteren Zeitpunkt habe auch der Ehemann der Frau den Beamten gegenüber geschildert, dass die Kinder Angst vor ihr gehabt haben.

Staatsanwalt Tränkle forderte in seinem Plädoyer eine neunmonatige Haft zur vierjährigen Bewährung. Außerdem müsse ein Bewährungshelfer bestellt und eine Suchtberatung verbindlich werden. „Ich werde das machen, was der Herr Staatsanwalt möchte (…) und dann werde ich das hinnehmen“, erklärte die Angeklagte in den ihr zustehenden letzten Worten dazu.

Das Urteil fiel nahezu umgehend: neun Monate Haft auf Bewährung, drei Jahre Bewährungshilfe , eine verpflichtende Teilnahme zur Suchtberatung, sechs Monate davon ambulant und auf eigene Kosten. „Aus meiner Sicht besteht bei Ihnen Therapiebedarf“, so Huber abschließend.