Wie kann man Menschen mit Handicap am ersten Arbeitsmarkt integrieren? Um diese Frage ging es bei einer Besprechung zwischen Landrat Christian Meißner und dem Leitungsteam der Werkstätten St. Joseph am Standort Lichtenfels . Zu der Besprechung hatten Thomas Neugeboren, Geschäftsführer und Werkstattleiter der Standorte Burgkunstadt und Neuensee, und Nicole Metze, Prokuristin und stellvertretende Werkstattleitung für Lichtenfels , auf Initiative der Psychologin Barbara Püls, Master of Science, eingeladen.

In den Werkstätten St. Joseph an den Standorten Lichtenfels , Burgkunstadt und Michelau würden von rund 100 Mitarbeitern 410 Menschen mit Handicap betreut und gefördert, führte Thomas Neugeboren aus. „Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter mit Behinderung selbst entscheiden, wo sie arbeiten und welche Tätigkeiten sie ausüben.

Recht auf freie Arbeitsplatzwahl

Inklusionsbegleiterin Barbara Püls ist seit April für die betriebsintegrierten Arbeitsplätze zuständig. „Wer den Schutzraum Werkstatt verlassen möchte, soll eine Chance dazu haben, denn die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) sind laut Gesetz eigentlich Rehabilitationsstätten, um Menschen wieder fit zu machen für den Arbeitsmarkt. Auch Menschen mit Handicap haben ein Recht auf freie Arbeitsplatzwahl. Deshalb sind wir stetig auf der Suche nach Arbeitgebern , die Gehandicapte im ersten Arbeitsmarkt beschäftigen“, erklärte sie.

Als sehr erfreulich wurde die Resonanz bei den Betrieben beschrieben. Im Moment haben die Werkstätten acht Partnerfirmen, bei denen betriebsintegrierte Arbeitsplätze angesiedelt wurden. Genannt wurden Koinor Polstermöbel , Fischer Projekt, Christa Gartengestaltung, MK-Bau Neuses, Caritas Lichtenfels und die Obermain-Therme . Neu hinzugekommen sind die Kindergärten St. Anna Weismain und Mainleus; hier unterstützen zwei Mitarbeiterinnen das Personal in der Hauswirtschaft .

Welche Möglichkeiten gibt es?

Es sind viele Modelle möglich, wie man einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz anbieten kann: Das können Ganztagesangebote sein, Saisonarbeiten im Sommer und im Winter oder nur zwei bis drei Tage in der Woche. Die Menschen mit Behinderung arbeiten außerhalb der WfbM in einem Betrieb ihrer Wahl, behalten dabei aber ihren Werkstattstatus, sind dort auch sozial- und unfallversichert und bekommen ihren Lohn. Der Patenbetrieb wird durch die Inklusionsbegleitung der WfbM unterstützt und beraten und entrichtet ein Entgelt für die erbrachte Arbeitsleistung an die WfbM.

Barbara Püls sprach auch das Modell „Integra Mensch“ in Bamberg an, das von der dortigen Universität unterstützt wird. Nach der Gründung einer eigenen Werkstatt „Integra Mensch“ ist es gelungen, dass im Augenblick circa 140 Menschen an einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz betreut werden. Sie appellierte an Landrat Meißner, die verschiedenen Beschäftigungsmöglichkeiten im Landkreis bekanntzumachen. Meißner versprach als Erstmaßnahme, im Landratsamt nach Möglichkeiten zur Beschäftigung von Menschen mit Handicap zu suchen. Als weiteres Ziel nannte er die Vorstellung der Modelle bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung.

„Nur Vorteile für die Unternehmer“

„Die hohe Flexibilität in der Gestaltung der Beschäftigungsverhältnisse bringt eigentlich nur Vorteile für die Unternehmer “, meinte Meißner. Interessierte Arbeitgeber können sich schon jetzt bei Barbara Püls per E-Mail an b.puels@wstj.de über dieses Projekt erkundigen.