Wie können wir das Sprachverhalten unserer Kinder verbessern? Diese Frage stellte sich einmal mehr in der evangelischen Kindergarteneinrichtung in Burgkunstadt . „30 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund wachsen zweisprachig bei uns auf“, erklärt die Sprachfachkraft der Einrichtung, Katrin Zalesky-Gick.

Bessere Kommunikation wichtig

Es sind nicht nur Flüchtlinge, sondern beispielsweise auch Aus- oder Umsiedlerfamilien, in denen Kinder mehrsprachig aufwachsen. Deshalb ist es immer wieder wichtig, dass Kinder für eine bessere Kommunikation sprachlich fit gemacht werden, was automatisch auch zu besseren Bildungsmöglichkeiten führt. Tätig in diesem so wichtigen Bereich ist man im Kindergarten der evangelischen Christuskirche schon länger.

Auf die Situation von mangelndem gegenseitigen sprachlichen Austausch hat der Philosoph Paul Watzlawek schon 1969 hingewiesen. „Wir können nicht nicht kommunizieren“ war dessen Aussage. „Seit über zehn Jahren haben wir deshalb am Bundesprogramm ,Sprachberatung‘ teilgenommen“, berichtet Kindergartenleiterin Ute Seelmann. Es handelt sich dabei um ein Projekt, das vom Sozialministerium gefördert wurde. „Mit Christa Stelter hatten wir damals eine Sprachfachkraft, die uns coachte“, erinnert sie sich. Unter dem Thema „Offensive Frühe Chancen“ führte Angelika Geyer das Ganze weiter. „Daraufhin haben wir uns zum Weitermachen entschieden“, so Ute Seelmann und man bewarb sich als „Sprachkita“. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten zur Mehrsprachigkeit und Inklusion erleichtere den Umgang mit den Eltern , die nicht Deutsch sprächen. „Unter dem Motto , Sprache ist der Schlüssel zur Welt“, konnten wir seit Januar 2016 unsere Sprachfachkraft Katrin Zalesky-Gick gewinnen. Dieses Projekt wird bis Ende 2022 gefördert.“

Dies wurde nun mit der Teilnahmeurkunde des Bundesprogramms „Sprach-Kitas“ zertifiziert. Mit dem Bundesprogramm „Weil Sprache der Schlüssel zu Welt ist“ stärkt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend alltagsintegrierte sprachlich Bildung, inklusive Pädagogik sowie die Zusammenarbeit mit Familien in Kindertageseinrichtungen. Seit Januar 2016 stellt der Bund Fördermittel zu Verfügung, mit denen zusätzliche Stellen für Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen und für die Fachberatung geschaffen werden. Die zusätzlichen Fachkräfte „Sprach-Kitas“ und die Leitungskräfte der Kindertageseinrichtungen wurden zusätzlich von Angela Birkner während der Programmlaufzeit fachlich begleitet.

Zusammenarbeit mit Familien

Ute Seelmann erzählt, dass sie als Leitung der Kindertagesstätte „Christuskirche“ Burgkunstadt , an acht von neun angebotenen Arbeitstreffen sowie an verschiedenen Verständigungstagen teilgenommen habe. Und hier konnte festgestellt werden, was wichtig ist: Alltagsintegrierte sprachlich Bildung, inklusive Pädagogik und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit Familien sind die Schwerpunkte im Bereich Sprachförderung .

Und hier scheint auch der Schlüssel zur Verbesserung der Kommunikation über richtige Sprache von Kindesbeinen an zu liegen: „Ohne Eltern geht gar nichts“, weiß Sprachfachkraft Katrin Zalesky-Gick. „Wir begleiten Kinder in ihren Interessen und regen so die natürliche Sprachentwicklung an. Wir thematisieren einen wertschätzenden Umgang mit Sprache und Vielfalt. Wir arbeiten vertrauens- und respektvoll mit den Familien zusammen. Hier ist das Café Dialog in der evangelischen Einrichtung schon sehr wichtig, um die Eltern zu erreichen. Ganz wichtig ist es auch, dass das Thema digitale Medien mit ihren weiten Umgangsformen einfließt.“

Schon die Grundsatzfrage „Wie wird überhaupt mit Kindern gesprochen?“ werfe Fragen auf. So sollte darauf geachtet werden, wie die Ansprache sein kann. Wenn ein Kind nach einem kleinen Disput weine, sollte man es nicht danach fragen, warum das so sei, sondern es damit konfrontieren „Du bist aber traurig“ – so komme man viel leichter in eine Kommunikation. Verneinungen sollten dabei vermieden werden. Offene Fragen weckten auch sprachlich die natürliche Neugier von Kindern . So könne man das Thema Sprache nicht nur vom Reden , sondern vom Ausdruck besser reflektieren. Auch trage das miteinander Sprechen zu Konfliktlösungen bei. Damit werde sprachlich sensibilisiert, was geschehen ist und dies sei für Kinder ungemein wichtig.

Entstanden ist auch eine richtige kleine Fachbibliothek, die von Eltern , Kindern und auch allen im Haus genutzt werden kann. Bei einem kleinen Rundgang durchs Haus stellt man fest, dass Singen ein Schwerpunkt bei sprachlicher Förderung sein kann. „Gesungen wird bei uns jeden Tag, und alle sind mit großer Freude dabei“, sagt Ute Seelmann und weist schon auf das Singen im Atrium am 19. Juli mit verschiedenen Gruppen hin. Religiöse Lieder, Jahreszeiten, ja sogar moderne Lieder kämen bei den Kinder sehr gut an. Dass die Pädagoginnen die Programme um das Thema Sprache vorleben müssen, verstehe sich von selbst, meint Zalesky-Gick.