Bei einer Alpakawanderung durch den Itzgrund führten sechs Jugendliche die sanften Tiere durch die Natur, lernten sie kennen und erfuhren allerlei Wissenswertes. Als Ferienangebot der Aktion „Unser Landkreis Lichtenfels – gemeinsam gegen Drogen“ der Kommunalen Jugendarbeit des Landkreises Lichtenfels soll das kostenlose, erlebnispädagogische Angebot neue Erlebnisse, Sozialkontakte und eine sinnvolle Freizeitgestaltung fördern.

Dem Regen getrotzt

Ohne Eile, dafür mit ganz viel Aufmerksamkeit: Eine kleine Gruppe aus Mensch und Tier trotzte dem Regen bei Schottenstein im Itzgrund und erlebte dabei neue Eindrücke und Entspannung. Die Rede ist von der Alpakawanderung für Jugendliche mit den Tieren von Daniela Präcklein und Andy Schmidt, veranstaltet von der Kommunalen Jugendarbeit des Landratsamtes Lichtenfels . Zwar waren die vier Alpakas zum Start der Wanderung schnell vergeben, doch zeigten sich die vier Mädchen und zwei Jungen noch etwas zögerlich. „Wenn ihr stehenbleibt, verstehen die Alpakas das als Einladung zum Fressen“, betont Andy Schmidt, der die Wanderung leitet. Tatsächlich begannen die flauschigen Tiere bei kurzer Unachtsamkeit am Wegesrand Gras zu fressen.

Vier Wallache auf dem Hof

Doch die Jugendlichen ab zehn Jahren hatten keine Eile. Viel zu interessant und sanftmütig waren ihre Begleiter, die zur Gattung der Kamele gehören und sich scheinbar durch nichts aus der Ruhe bringen ließen. Abseits des Verkehrs , an Obstbäumen entlang und zwischen Feldern hindurch würdigten Romeo, Cookie, Wolfie und Toni nicht einmal den vorbeifahrenden Traktor eines Blickes. Die vier Wallache wohnen seit April bzw. November 2020 auf dem familiengeführten Bauernhof der beiden Besitzer in Schottenstein. Nach einer Eingewöhnungszeit und dem Training mit den Tieren bieten sie seitdem Alpakawanderungen an.

„Alpakas strahlen eine herrliche Ruhe aus und sind sehr friedliche Tiere “, verrät Andy Schmidt, der unterwegs immer wieder interessierte Fragen der Jugendlichen , die sich beim Führen abwechselten, beantwortete: Alpakas sind Herdentiere.

Spucken ist kein Mythos

Das Streicheln erdulden sie nur, angenehm sei es für die Fluchttiere nicht. Sie sind Pflanzenfresser , haben nur im Unterkiefer Zähne und mögen besonders Blätter von Obstbäumen. Und bei aller Sanftmütigkeit: Das „Spucken“ der Tiere sei nicht nur ein Mythos: „Sie spucken tatsächlich, meist aber nur, wenn sie Angst haben oder sich ärgern, und dann meist untereinander.“

Doch eine Kostprobe davon erleben die Mädchen und Jungen an diesem Vormittag nicht, dafür ein summendes Geräusch, das die wenigsten bei ihrem Alpaka verorten. Doch es ist tatsächlich das Mittel der tierischen Verständigung.

Haben die Jugendlichen am Anfang noch Fotos von den Tieren und sich selbst geknipst, stellte sich bald eine wohlige Entspanntheit ein: Mensch und Tier beobachten sich gegenseitig, scheinen vollends im Hier und Jetzt angekommen. Ohne Alltagsstress, Erwartungen und Druck. „Die Seele baumeln lassen“, nennen es Andy Schmidt und Daniela Präcklein auf ihrer Hompage. „Es ist echt schön“, „es macht voll Spaß“ und „Sowas könnte ich jeden Tag machen, so gechillt sind die und ich auch“, formuliert die Gruppe ihre Eindrücke. Andy Schmidt weiß aus Erfahrung mit solchen Wanderungen und seiner Menschenkenntnis als Lehrer: „Viele sind nach der Rückkehr zufrieden und fahren runter. Das können Erwachsene und Kinder sein, Menschen mit Beeinträchtigungen oder mit viel Stress.“

Der Terminkalender der Schotten-Alpakas sei voll, derzeit begleiten sie in der Woche bis zu fünf Wanderungen. Begleitet haben die Wanderung auch Josepha Lieb und Hanna Dörfler, ehrenamtliche Betreuerinnen der Kommunalen Jugendarbeit des Landratsamtes Lichtenfels . Die tiergestützte Aktion soll – wie bei allen Aktionen des Ferienprogramms – den Kindern ermöglichen, „während der Ferien eine gute Zeit zu haben, gleichzeitig neue Dinge zu erleben und gerade nach dem herausfordernden letzten Jahr auch wieder Sozialkontakte zu pflegen“, erklärt Kreisjugendpflegerin Alexandra Stammberger. Für diese und andere Veranstaltungen sei zudem besonders, dass sie zu der Aktion „Unser Landkreis Lichtenfels – gemeinsam gegen Drogen“ gehört und somit für die Kinder kostenlos gehalten wurde. Unter diesem Motto gibt es seit einigen Jahren dank der Förderung durch die Sparkasse Coburg-Lichtenfels kostenfreie Angebote für eine sinnvolle Freizeitgestaltung.

Nächsten Termine ausgebucht

Ziel sei es, Möglichkeiten aufzuzeigen und durch erlebnispädagogische – in diesem Fall tiergestützte Angebote – präventiv tätig zu sein. Die nächsten beiden Termine der „Alpaka-Wanderung“ sind bereits ausgebucht. Das Team der Kommunalen Jugendarbeit möchte aber am Ende der Sommerferien auf Basis des Resümees und des Feedbacks zu den durchgeführten Veranstaltungen über zukünftige Angebote neu entscheiden: „Bei der Planung im nächsten Jahr wird dann auch der finanzielle Aspekt mit berücksichtigt und wenn das alles passt, werden wir es sehr gern wieder anfragen. Es ist also noch nicht festgelegt, aber aufgrund der positiven Rückmeldungen und der vielen Anmeldungen ist es gut möglich, dass wir dies im nächsten Jahr wieder ins Programm aufnehmen“, so Alexandra Stammberger.