Er war im richtigen Moment am richtigen Ort und hatte auch noch eine gute Kamera dabei: Ein Bürger aus einem Ortsteil der Marktgemeinde Ebensfeld (der Mann möchte namentlich nicht genannt werden) machte bei einem Spaziergang mit seinen Hunden um die Mittagszeit mehrere außergewöhnliche Tieraufnahmen. Zwei große Raubvögel, einer war deutlich größer als der andere, zogen gemeinsam ihre Kreise am strahlend blauen Himmel und verschwanden dann in Richtung Draisdorf.

Dem Leser gelang es zwar, drei gute Aufnahmen mit seiner Spiegelreflexkamera zu machen, dennoch konnte er nicht mit Sicherheit sagen, welche Tiere er da vor der Linse hatte. Deshalb sandte er das Fotomaterial erst an den Naturschutzbund (NaBu), dann an die Redaktion des Fränkischen Tages. Laut Auskunft des NaBu handelte es sich bei dem größeren Vogel um einen jungen Seeadler, ließ der Hobbyfotograf wissen.

Adler öfter auf der Durchreise

Die Recherche beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) ergab Folgendes: „Es kommt immer wieder vor, dass ein Seeadler gesichtet wird. Bei den Vögeln auf dem Foto handelt es sich um einen Mäusebussard und um einen jungen Seeadler. Ich gehe nicht davon aus, dass der irgendwo ausgebüchst ist. Er scheint wohl auf Reviersuche zu sein“, erklärte Bernd Flieger. Dass Seeadler und auch Fischadler durch das Obermaintal ziehen, sei nicht ungewöhnlich, fügte er an. Vor einiger Zeit seien durchreisende Adler auch am Trieber Baggersee gesichtet worden.

Ob es sich nicht vielleicht doch um ein ausgebüxtes Tier handelt? Ein Anruf im Wildpark Tambach ergab Klarheit. Bettina Siegelin vom Büro der Gräflich Ortenburg’schen Verwaltung des Wildparks sagte dazu: „Unsere Tiere sind derzeit nicht im Freien. Es herrscht Vogelgrippe und somit Stallpflicht.“

Seeadler erlebt derzeit einen Aufschwung

Also doch ein „Neubürger“? Wie der LBV in seiner aktuellen Pressemitteilung informiert, seien Seeadler immer häufiger am bayerischen Himmel zu sehen. Während der derzeitigen Balz seien die majestätischen Greifvögel besonders gut zu beobachten. Ursprünglich weit verbreitet, aber vom Menschen fast an den Rand seiner Ausrottung gebracht, erlebe der Seeadler bundesweit einen beeindruckenden Aufschwung und sei seit der Jahrtausendwende auch wieder ein Brutvogel im Freistaat. 16 bayerische Seeadlerpaare hätten im vergangenen Jahr erfolgreich ihren Nachwuchs großgezogen.

Der LBV möchte sich ein genaueres Bild über das Vorkommen der beeindruckenden Adler in Bayern machen und bittet deshalb um Mithilfe. Jeder könne dem Landesbund für Vogelschutz seine Adlersichtungen per E-Mail an adlermeldung@lbv.de schicken. Gerade jetzt könnten Naturfreunde ihn besonders gut beobachten, denn die Seeadlerbalz sei in vollem Gang.

Der majestätische Seeadler zählt laut LBV mit einer Flügelspannweite von 200 bis 250 Zentimetern zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Nur Bart-, Mönchs- und Gänsegeier seien größer.

Die besten Chancen, die imposanten Greifvögel zu beobachten, gebe es an den Gewässern Nordbayerns, vor allem in der Oberpfalz und in Teilen Frankens. Von den derzeit 23 bekannten bayerischen Revieren lägen einige auch südlich der Donau in Ober- und Niederbayern.

Was er frisst und wo er brütet

Der Seeadler fühle sich in verschiedenen Landschaften des Tieflandes wohl, sofern es nährstoff-, fisch- und vogelreiche Gewässer in der Nähe gebe. Dort hole er sich seine Hauptnahrung: Fisch. Aber er ernähre sich gerade auch im Winter gern von Wasservögeln und verschmähe auch kein Aas.

Seinen Horst baue der Seeadler am liebsten in großen und ruhigen Altholzbeständen. Wo vorhanden, bevorzuge er besonders alte Laubbäume für den Neststandort, schreibt der Landesbund für Vogelschutz . Seeadler seien Standvögel; nur die Jungvögel könnten über mehrere Hundert Kilometer herumstreifen.