Die Franziskaner, die für das geistliche Leben in der Basilika zuständig sind, haben sich bewusst gegen Streaming-Gottesdienste entschieden, weil das öffentliche Fernsehen bereits qualitativ hochwertige und abwechslungsreiche Sonntagsgottesdienste anbietet. Wie überall, so musste im Herbst auch in Vierzehnheiligen zu den Sonntagsgottesdiensten die Anmeldepflicht eingeführt werden, um notfalls eine Kontaktpersonen-Nachverfolgung zu gewährleisten. Zum anderen sollte damit Ärger an der Kirchentür vermieden werden werden, falls bei zu hoher Nachfrage jemand abgewiesen werden müsste.

Insgesamt stehen in der Basilika bis zu 160 Sitzplätze für die Gottesdienstbesucher unter Corona-Bedingungen bereit. Der neue Guardian, Pater Maximilian Wagner, sagt dazu: "Inzwischen ist die Zahl der Gottesdienstbesucher so überschaubar geworden, dass wir von einer Anmeldung bis auf Weiteres absehen. Vor der Karwoche und Ostern werden wir neu überlegen müssen, eventuell wieder über ein Anmeldesystem die Besucherzahlen zu regeln, um die zur Verfügung stehenden Plätze der Basilika in allen Gottesdiensten gleichmäßig zu verteilen."

Soziale Kontakte stark eingeschränkt

Der Lockdown und dessen Auswirkungen verändern natürlich auch das Leben der Franziskanerpatres im "fränkischen Bethlehem". "Seelsorge lebt ganz wesentlich von sozialen Kontakten, die wie überall stark eingeschränkt sind. Auf Provinzebene kommunizieren wir mit unseren Mitbrüdern in Konferenzen digital über die sozialen Medien. Unsere Gottesdienste sind bedeutend schwächer besucht als bisher, doch mit Orgel und Vorsänger weiter liebevoll und attraktiv gestaltet", berichtet Pater Maximilian. Und er fügt hinzu: "Klostergäste fallen derzeit wegen Infektionsschutz weg. Im Winter ist es hier immer etwas ruhiger und beschaulicher. Kirchenführungen sind aktuell nicht angefragt. Trotzdem geht die Seelsorge hier weiter, wenn auch in kleineren Zahlen."

Der Infektionsschutz und die Einhaltung der Corona-Regeln würden sowohl in der Hausgemeinschaft der Franziskaner als auch in der Basilika beachtet, ergänzt der Guardian. Die meisten Brüder im Haus gehörten schon wegen ihres Alters - vier sind über 80 Jahre alt - oder bestimmter Vorerkrankungen einer Risikogruppe an. Vorsicht und Rücksicht seien also geboten, auch wenn die Patres spirituell gelassen mit der Gefahr umgehen und sich nicht aus Angst ganz zurückziehen und verschanzen. "Wir haben das Glück, dass wir noch Gottesdienste anbieten können, in manchen Bundesländern und Klöstern ist und war das lange nicht möglich aufgrund des Infektionsgeschehens."

Das Kloster biete aber auch einen gewissen Schutz. "Wir sind an unserer Arbeitsstelle daheim und haben daher schon Erfahrungen mit Homeoffice. Durch den Wegfall von Terminen entstehen Freiräume, die wir als Gemeinschaft nutzen füreinander und für Gartenarbeit, Studium und Gebet", fährt der Guardian fort.

Mehr Aufwand bei der Verwaltung

"Die ständig neue Corona-Situation mit den wechselnden Regeln und Herausforderungen lässt bisweilen den Eindruck entstehen, dass man für die Hälfte des - unter normalen Bedingungen - Geschafften jetzt oft die doppelte Zeit benötigt. Corona macht was mit uns und zwingt uns zur Konzentration auf das Wesentliche", sagt der Geistliche. Der Mehraufwand liege in der Verwaltung der Strukturen und in der Umsetzung und Anpassung von Schutzkonzepten sowie der Entwicklung von alternativen Möglichkeiten.

Das anstehende Wallfahrtsjahr sei geplant, als ob es Corona nicht gäbe. Trotzdem werde die nahe Zukunft zeigen, was geht und was nicht. Die Wallfahrer fehlten dem Gnadenort sehr, sagt Pater Maximilian, aber zumindest Einzelpilger und kleinere Wallfahrtsgruppen kamen im Sommer. " Gottesdienste in einer vollen Kirche mit Blaskapelle und freudigem Volksgesang - beides geht derzeit nicht - und das jährliche Treffen der Pilger , die in Scharen seit Jahren treu kommen und von ihren Wegerfahrungen berichten, fehlen uns sehr", bedauert der Franziskanerpater.

Wie kann Wallfahrt ermöglicht werden?

Mit den Wallfahrtsführern bestehe weiterhin ein reger Kontakt. Sie überlegten selber aktiv, wie trotz der Corona-Einschränkungen zunächst " Wallfahrten light" möglich seien. Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten müssten gegeben sein, wenn sich Pilger wieder in größerer Zahl auf den Weg machen, fügt er an. "Wir planen die Wallfahrt 2021 optimistisch und hoffen, dass durch die Impfungen im Sommer schon eine gewisse Entspannung der Situation eintritt. Corona hat uns gelehrt, dass langfristige Planungen derzeit nicht möglich sind. Aber wir werden das Wallfahrtsjahr wie gewohnt am Sonntag, 25. April, eröffnen."

Das Leitwort für das kommende Wallfahrtsjahr laute "Gott gab uns Atem, damit wir leben." Corona lehre uns, einen langen Atem für anstehende Projekte zu haben. "Der Atem ist ja unser göttlicher Begleiter im Leben, was uns oft erst bewusst wird, wenn uns mal die Puste ausgeht oder die Luft wegbleibt. Davon können Wallfahrer, die nach einem langen Pilgerweg den Endspurt auf den heiligen Berg vor oder hinter sich haben, ein Lied singen", sagt Pater Maximilian.

Die Franziskaner hätten auf dem Kreuzberg in der Rhön und auf dem Engelberg (Spessart) Wirtschaftsbetriebe sowie etliche Bildungs- und Meditationshäuser vorübergehend schließen müssen. "Da fehlen uns Einnahmen, viele Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit. In Vierzehnheiligen entbehren wir Einnahmen durch nicht stattfindende Kirchenführungen, fehlende Seelsorge-Aushilfen, Klostergäste, Spenden und Gelder in den Opferstöcken, mit denen die Kirchenstiftung ja auch laufende Betriebskosten bezahlt", so der Geistliche. Die Spendenfreudigkeit der Leute halte sich in unsicheren Zeiten nachvollziehbar in Grenzen.

"Wegen der noch offenen Rechnungen des Glockenprojekts im fünfstelligen Euro-Bereich musste die Kirchenstiftung jetzt einen Kredit aufnehmen. In normalen Zeiten hätten die Wallfahrer und die Basilikabesucher das Glockenprojekt engagiert mitfinanziert, so dass es inzwischen wohl nahezu abbezahlt wäre", so der Guardian.