Brennholz , Papier , Baumaterial – Bäume lassen sich für unsere Zwecke vielseitig nutzen. Am meisten profitiert die Natur und damit letztlich auch der Mensch von Bäumen, die stehen gelassen werden. Diese Erkenntnis führte Hermann Hacker zehn Teilnehmern seiner Exkursion „Faszination alter Bäume“ durch den Banzer Wald vor Augen.

„Heute geht es natürlich um Bäume, aber vor allem auch um unser Verhältnis zur Natur.“ Mit diesen Worten begrüßte der pensionierte Förster und heutige Leiter der Kulturinitiative Bad Staffelstein die Teilnehmerschar. Als die nach einiger Zeit vor einer 250 Jahre alten mächtigen Buche stand, kam ein Gefühl der Ehrfurcht auf. „Diese hier steht unter Vertragsnaturschutz. Die Waldbesitzer bekommen also Geld dafür, dass sie den Baum stehen lassen“, erklärte Hacker . Das sei einer der wenigen guten Ansätze, ergänzte er. Im selben Atemzug übte er jedoch Kritik: Bäume würden oft ausschließlich nach ihrem wirtschaftlichen Wert bemessen. Sie dürften meist nur 80 bis 100 Jahre alt werden, bis sie hiebsreif sind. „Dann sind sie ausgewachsen – und ihnen ergeht es wie den Hähnchen“, zog Hacker einen bildhaften Vergleich.

Totholz als Lebensraum

Wenig später wies Hacker auf eine alte Buche hin, die offenbar schon ihre besten Jahre hinter sich hat – aber gerade deswegen als sogenanntes Totholz wertvoll ist, beispielsweise als Lebensraum für viele Kleinstlebewesen.„Der Mensch hat heute die Vorstellung, dass man die Landschaft herrichten muss, damit sie wie Natur aussieht. Das ist die völlig falsche Sichtweise: Wenn der Mensch nichts macht, dann ist es Natur“, betonte Hacker . Aus jeder Silbe seiner Ausführungen erkannten die Zuhörer, dass er den Wald und die Natur als Partner sieht – und den Banzer Wald als wahren Schatz.

Natur recycelt alles zu 100 Prozent

Früher gab es hierzulande keine Nadelbäume , alles war Buchenwald. Der Banzer Wald gehört – im Gegensatz zu den unzähligen Wirtschaftswäldern – zu den wenigen naturnahen Wäldern . „Ich finde es stark, dass es so etwas noch gibt“, ging Hacker während seiner Exkursion das Herz auf.

In vielerlei Hinsicht diene die Natur dem Menschen gar als Vorbild. Ein Beispiel Hackers : An einem alten Eichenstock – der hölzerne Riese, der hier einst gen Himmel wuchs, maß rund einen Meter im Durchmesser – nahm er ein wenig zersetztes Holz in die Hand, als Indiz dafür, dass die Natur alles zu 100 Prozent recycelt. Der Mensch sollte sich wieder bewusst machen, was Natur bedeutet und was nicht.

Die Unterteilung in Kraut und „Unkraut“ prangerte Hacker ebenso an wie das alles dominierende Besitzdenken des Homo Sapiens ohne Rücksicht auf Verluste: „Die ganze Welt ist in Flurnummern eingeteilt. Und der Mensch sagt einfach: Das gehört alles mir. Bei uns gibt’s 45 000 Tierarten und 9000 Pflanzenarten – aber die haben keine Rechte.“ Mehr als ein halbes Dutzend mächtiger Baumriesen konnten die Teilnehmer bewundern.

Alles hat eine gewisse Bedeutung

Für den Forstfachmann und Naturfreund Hacker gibt es im Wald kein „wichtig“ oder „weniger wichtig“. Alles hat für ihn eine gewisse Bedeutung, und selbst in Unscheinbarem sieht Hacker das Faszinierende und teilt seine Begeisterung. So machte er bewusst Halt bei einem Kleinstgewässer, das sich im Wurzelgeflecht eines Baumes gebildet hatte, eine sogenannte Pythothelme. Auch Giersch, Waldmeister und Wiesenlabkraut, alles am Wegesrand zu finden, ließ Hacker während seiner Exkursion keineswegs links liegen.

Und dann ließ er die Teilnehmer noch an einer wahren Besonderheit in fränkischen Breitengraden teilhaben: „Hier haben wir die Pimpernuss, deren Samen die Banzer Mönche einst für die Fertigung von Rosenkränzen verwendeten.“ Sogar Likör lasse sich aus der Pimpernuss herstellen, war zu erfahren. „Der Samen ist aber schwer zum Keimen zu bringen“, gab Hacker zu bedenken.

Der Exkursionsleiter gab zwischendurch auch Gelegenheit, in stillen Passagen sich auf die einzigartige und den Alltag fast zum Vergessen bringende Atmosphäre des Waldes einzulassen. Bei passender Gelegenheit gab er auch Einblick in historische Besonderheiten und Relikte. So bildeten neben Ehrfurcht einflößenden Baum-Senioren eine an den dramatischen Erdrutsch anno 1911 erinnernde Hangkante, ein altes Brunnenhaus oder ein früheres Steinbruchgelände weitere Stationen auf der Exkursionsroute. Dann sagte man dem Banzer Wald wieder Adieu.

Die wichtigste Botschaft …

„Es ist wichtig, dass man zwischendurch wieder eingenordet wird. Vielen ist die richtige Einstellung zur Natur verlorengegangen“, meinte Hacker zum Abschluss, bedankte sich bei den Teilnehmer und freute sich, bescheiden lächelnd, dass die Exkursion nach wie vor gut ankomme – und mit dieser auch die wichtigste Botschaft: Wer beim Betrachten einer mächtigen Eiche gleich mit dem Umrechnen in Festmeter beginnt, hat überhaupt nichts verstanden.