„Servus“, sagte der Angeklagte freundlich und gut gelaunt in die Runde grüßend, als er am Dienstag mit fünf Minuten Verspätung den Saal 14 des Amtsgerichts betrat. Doch wie mochte es in dem 21-Jährigen aussehen? Immerhin wurde gegen ihn ein Verfahren eröffnet, das von Beleidigung und Körperverletzung sprach, und noch dazu war der Lichtenfelser kein gänzlich unbeschriebenes Blatt.

Um 9 Uhr war das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Matthias Huber vollständig versammelt. Um diese Zeit stand der Angeklagte noch bei der Sicherheitsschleuse, sollte aber sogleich im Saal erscheinen. Als er neben seinem Rechtsanwalt Jan Hofer Platz nahm, erhob sich ihm gegenüber bald Staatsanwalt Johannes Tränkle. Was er verlas, klang nach reichlich Ärger für den jungen Mann. Im Blickpunkt dabei: der 23. April vor einem Jahr.

Damals soll der Twen, der in der Gastronomie tätig ist, am frühen Abend eine junge Frau unflätig und mit sexueller Anspielung beleidigt haben. Kurz darauf, so führte Tränkle aus, habe er einen Mann angesprungen, so dass dieser über eine Mauer fiel. Zusammengenommen lautete die Anklage auf Beleidigung und Körperverletzung , und dazu wollte Huber Genaueres wissen.

Flasche Wein getrunken

Dann erfuhr er von einer Art Gartenveranstaltung. „Mit einem Freund habe ich eine Flasche Wein gemütlich getrunken“, begann der junge Mann und schilderte, wie sich der Nachbar auf eine Mauer gesetzt und dort ein Weizenbier getrunken habe. Dabei habe er für die Jugend keine freundlichen Worte übrig gehabt. Diese würde „doch nix auf die Reihe bekommen“ und dann habe sich bald alles in die Höhe geschaukelt.

Eine junge Frau aus dem Haushalt des Nachbars habe dabei triumphierend geschaut und überhaupt habe die ganze nachbarschaftliche Familie „gestichelt“. So sei es zur Beleidigung und hernach auch zur Handgreiflichkeit gekommen, wobei wohl „der Alkohol aus mir gesprochen hat“, wie der 21-Jährige zugab. All die Nachbarschaftsstreitigkeiten seien zu diesem Zeitpunkt schon längst Tradition gewesen. Nun aber sei Ruhe eingekehrt, denn er sei ausgezogen.

Seitens der Jugendgerichtshilfe gab es auch eine Einschätzung zu Wesen und Person des Angeklagten . Dass eine solche nötig wurde, hing mit einem interessanten Umstand zusammen, auf den auch Huber später eingehen sollte. Da war die Rede von versuchter gemeinschaftlicher Sachbeschädigung , vom Missbrauch von Ausweispapieren und zweimal auch von einer gefährlichen Körperverletzung . Alles Taten, in die der junge Mann hineingezogen wurde oder die er begangen hatte. Für die Jugendgerichtshilfe noch Anlass, darauf hinzuweisen, dass jugendtypisches Verhalten vorliegen könnte und Einzelgespräche zur Persönlichkeitsentwicklung denkbar wären.

Huber zeigte sich weniger entgegenkommend. „So, das Thema Körperverletzung und Beleidigung zieht sich ja doch so ein bisschen durch Ihr Leben“, hielt er dem Angeklagten vor. Zu diesem Zeitpunkt zeigte Tränkle durchaus schon Wohlwollen für den 21-Jährigen. Auch darum, weil er einräumte, dass sich bei der Angelegenheit „auch die Erwachsenen nicht ganz erwachsen verhalten haben“. Darum beließ es Tränkle dabei, sich noch einmal für Jugendstrafrecht auszusprechen. Doch er warnte auch: „Das nächste Mal, wenn wir uns wegen so was begegnen, haben Sie ganz andere Probleme.“ Tränkle plädierte, dass der 21-Jährige verbindlich an einem Anti-Aggressionstraining teilzunehmen und überdies eine Geldstrafe in Höhe von 250 Euro zu bezahlen habe. Das Urteil sollte nach nur wenigen Momenten der Beratung ergehen und nimmt nun den jungen Mann für ein halbes Jahr in die Pflicht. Eben für diese Dauer hat er an einem Kurs teilzunehmen, welcher auch eine Lebensführung ohne Alkohol zum Inhalt hat. „Mit Alkohol sind Sie leicht reizbar “, so Huber zur Begründung. Eine bei 250 Euro liegende Geldstrafe wurde zudem ausgesprochen. In der Stimmung, in welcher der Angeklagte kam, verließ er als Verurteilter auch wieder das Gericht.