Mit dem Interesse von Philippe Frenck aus Paris (Frankreich) an den Schießauszeichnungen der STK Lettenreuth begann eine interessante Geschichte, die das Zusammenwachsen Europas eindrucksvoll verdeutlicht.

Der an Militärgeschichte interessierte Philippe Frenck nahm Kontakt zu Sven Dietel, dem Schriftführer der Soldaten- und Traditionskameradschaft Lettenreuth auf und stieß hier auf einen ebenso interessierten und belesenen Gegenpart. Beide sind seit Jahrzehnten in Traditionsverbänden aktiv und verwurzelt und pflegen aktiv die Erinnerung an die gefallenen Soldaten, egal welcher Nation.

Internationale Mitgliedschaft

Nach Mail-Korrespondenzen war es für Frenck klar, dass er die STK Lettenreuth und damit den Bayerischen Soldatenbund 1874 e. V. als Mitglied unterstützen möchte, und ebenso klar war für ihn, dass er sich um das Schicksal des 1870 im Deutsch-Französischen Krieg gefallenen Soldaten Georg Rebhan aus Lettenreuth kümmern will.

Aber alles der Reihe nach. Sven Dietel übermittelte dem französischen Kameraden sämtliche verfügbare Informationen und Unterlagen über Georg Rebhan und auch ein Foto der restaurierten Ehrentafel an der Kirche von Lettenreuth . Diese Ehrentafel konnte auf Initiative des Vereins mit der Unterstützung etlicher Spender 2017 renoviert werden und ist heute wieder ein Schmuckstück an der Kirche von Lettenreuth . Die Tafel erinnert an den Soldaten Georg Rebhan aus Lettenreuth . Er ist als junger Soldat des 7. kgl. Bayerischen Infanterieregimentes in den Deutsch-Französischen Krieg gezogen und wurde am 19. September 1870 bei dem Gefecht um Sceaux schwer verwundet.

Das 7. Infanterie-Regiment „Prinz Leopold“ war ein Verband der bayerischen Armee. Der Friedensstandort des Regiments war Bayreuth.

Nach Kämpfen bei Weißenburg, Wörth, Bitsch, Sedan nahm das Regiment vom 19. September 1870 bis 28. Januar 1871 an der Einschließung von Paris teil.

Die Stadt Sceaux liegt im Südwesten von Paris etwa zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Während der Belagerung von Paris fand hier der einzige französische Versuch statt, die Einschließung der Stadt zu verhindern. Im Ortsgebiet liegt die Anhöhe von Plessis-Piquet, die das Ziel des Ausfalls darstellte.

Zwei preußische Regimenter hatten sich im Wald verschanzt und erwarteten hier den Angriff der Franzosen. Die französischen Truppen wurden in einen verlustreichen Nahkampf verwickelt und zogen sich schließlich zurück. Die Preußen erhielten Verstärkung durch zwei bayerische Regimenter und konnten die Stellung halten. Schließlich wurde die Schlacht auch aufgrund der überlegenen Waffentechnik der deutschen Truppen zu deren Gunsten entschieden.

In Frankreich gestorben

Auf der Tafel an der Kirche zu Lettenreuth ist zu lesen, dass Georg Rebhan „nach 11 tägigen schmerzvollen Leiden im Schlosslazareth zu Versailles seinen guten Geist aushauchte allwo auch im dortigen Friedhof seine irdische Hülle ruht“.

Georg Rebhan ist am 30. September 1870 an seinen Verwundungen verstorben und wurde in Paris beigesetzt. Der genaue Ort seiner Beisetzung konnte trotz umfassender Recherchen auch in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge von Sven Dietel nicht ermittelt werden.

Mit diesem Wissen machte sich Frenck auf die Suche nach dem Kameraden aus Lettenreuth . Frenck hat auf Friedhöfen im Umfeld von Versailles gezielt nach Rebhan gesucht.

Im Frühjahr 2021 stand fest, dass Georg Rebhan auf dem Friedhof Notre Dame in der Rue des Missionnaires in Versailles bestattet wurde.

Im französisch-preußischen Gräberfeld sind 545 (meist unbekannte) deutsche Soldaten beigesetzt. Im Bestattungsregister von 1870 bis 1871 ist der Name von Georg Rebhan nicht eingetragen. Es gibt viele unbekannte deutsche Soldaten (Preußen genannt), die aus dem Schloss Versailles und der Bibliothek kamen. Philippe Frenck stellte damit fest, dass Georg Rebhan zu den 545 Soldaten auf dem Friedhof Notre-Dame gehört. Auf dem Friedhof Notre Dame gibt es etliche Gedenksteine und Tafeln für gefallene deutsche Soldaten aus dem Kriege von 1870/1871, aber nicht für Georg Rebhan aus Lettenreuth .

Spontan bot sich Frenck an, eine Gedenktafel für Georg Rebhan fertigen zu lassen und diese auf dem Friedhof aufzustellen. Die Idee wurde mit großer Begeisterung in Oberfranken aufgenommen.

Auf Eigeninitiative

Frenck hat sämtliche Genehmigungen bei den französischen Behörden eingeholt, eine Tafel fertigen lassen und sie aufgestellt. Zudem hat er auch die Kosten uneigennützig übernommen. Nach 150 Jahren hat der Soldat Georg Rebhan eine Ruhestätte mit seinem Namen versehen.

Philippe Frenck hat in einer E-Mail geschrieben: „Jetzt ist unser Kamerad Georg Rebhan auf dem Friedhof nicht mehr unbekannt.“ Dies ist Philippe Frenck, dem Nachkommen von den einstigen Kriegsgegnern, zu verdanken. Wahrlich eine versöhnliche und noble Geste.