Markus Häggberg

„Tschüss, schönen Tag noch“, entbot ein 34-jähriger Mann aus dem Landkreis höflich den beiden Polizisten, die offenbar sicherstellten, dass er zu seiner eigenen Gerichtsverhandlung kam. Dann setzte er sich auf die Anklagebank und hörte zu, was Staatsanwalt Johannes Tränkle zu sagen hatte.

Es sollte vorrangig um einen Einkauf und das Staubsaugen in einem Auto gehen. Im ersten Fall bezahlte der Mann nichts und im zweiten nahm er noch Geld an sich. Am 20. August des vergangenen Jahres trat der Mittdreißiger gegen 8.33 Uhr in Lichtenfels an einen Staubsaugerautomaten heran, doch statt Geld in ihn einzuwerfen, entnahm er diesem sechs Euro und fuhr davon. Das an sich würde vielleicht eine Lappalie darstellen, wenn da nicht der folgende 31. Dezember gewesen wäre.

Von Lachs bis Hundefutter

Ob der Mann eine Einkaufsliste hatte, kam nicht zur Sprache, aber dass er ordentlich einpackte, das wohl: Lachs, Fischfilets, Oliven, Smoothies, Hundefutter, Katzennahrung, Wurst, Gemüse, Käse, Pizza und mehr. Vor allem aber auch, ohne das alles zu bezahlen, ging er aus einem Lichtenfelser Supermarkt hinaus und hinterließ eine unbezahlte Rechnung in Höhe von 40,88 Euro. Dazu stand der Mann. „Ja, das stimmt so“, sagte er und suchte nichts schönzureden. Was die Sache mit dem Staubsaugerautomaten anbelangte, so hielt er sich aber zugute, „sehr betrunken“ gewesen zu sein. Die entwendeten Münzen habe er dann jedenfalls nachgekauft und ersetzt. Lange Zeit mochte man den Eindruck haben, hier sitzt ein junger Mann vor Gericht, der eben mal aus Launenhaftigkeit über die Stränge schlug, der ansonsten höflich, zuvorkommend und einsichtig ist. Dann aber verlas Richter Matthias Huber die Einträge, die das Bundeszentralregister zum Vorleben des Angeklagten sammelte und plötzlich war die Rede von Hausfriedensbruch , gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung , von Sachbeschädigung , Leistungserschleichung, Diebstahl und diversen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Sogar eine Freiheitsstrafe wurde schon mal gegen den Mann ausgesprochen, der jahrelang im Handwerk arbeitete und derzeit arbeitslos ist.

„Sie haben Vorstrafen wie Sand am Meer“, befand Tränkle zum Vorleben. Dass er eine Haftstrafe fordern würde, kam nicht infrage. Umso mehr aber eine Geldstrafe , die sich in der Größenordnung um 90 Tagessätze aufhielt, also schmerzhaft wäre. An dieser Stelle setzte ein witziger Dialog zwischen Richter Huber und dem Angeklagten ein. „Dann haben Sie jetzt auch das letzte Wort“, so Huber. „Auf Nimmerwiedersehen?“, antwortete der Angesprochene mit unsicherem Unterton. Huber wiederum entgegnete, dass dies im Hinblick auf zu hoffende künftige Straffreiheit „doch ein ganz vernünftiges“ letztes Wort sei. Wenig später fiel das Urteil und es lautete auf Diebstahl in zwei Fällen und eine Geldstrafe in Höhe von 1350 Euro, also 90 Tagessätze zu je 15 Euro. Höflich grüßend verabschiedete sich der Verurteilte.