Ein Staffelsteiner tickte aus – wegen einer Nichtigkeit. Plötzlich, so legte ihm die Staatsanwaltschaft zur Last, soll er seine Lebensgefährtin massiv geschlagen haben. Wieso und weshalb, das galt es am Dienstag am Amtsgericht in Lichtenfels zu ergründen. Auf „gefährliche Körperverletzung “ lautete die Anklage.

Es sollte nicht wirklich eine plausible Erklärung geben. Nicht für das Gericht und nicht für Rechtsreferendar Sebastian Wittorek, der die Staatsanwaltschaft vertrat. Was sich am 2. März 2020 gegen 20 Uhr in einer Wohnung im Staffelsteiner Stadtgebiet zutrug, war ein schmerzliches Abendbrot: Auf jeden Fall wurde der 24-jährigen Frau, Mutter zweier Kinder, mit einem Teller ins Gesicht geschlagen. Dann soll ihr 41-jähriger Lebensgefährte zu einem Puppenkinderwagen gegriffen und mit diesem auf die Frau eingedroschen haben.

Der Angeklagte führte an, dass sich die Angelegenheit darum zugetragen habe, weil seine Frau „gleich zu schreien angefangen“ habe, nachdem er das Essen von sich gewiesen hätte. Später habe sie ihn sogar am Kragen gepackt und er habe sich dem entwunden.

„Aber sonst ist nix passiert?“, fragte Richter Matthias Huber nach. Das Nein des Angeklagten fiel vehement aus. Für Rechtsreferendar Wittorek waren aber noch jede Menge Fragen offen. Beispielsweise diese: „Wie erklären Sie sich denn die Verletzungen der Frau?“ Diese Verletzungen waren offensichtlich und auch auf Fotografien festgehalten. Es ging um blutende Wunden am Mund, Schmerzen und Prellungen am Oberkörper und Kopf. Erklären, so der Angeklagte , könne er dies alles nicht. „Ich weiß es nicht, ich habe sie nicht geschlagen (…), ich habe nur versucht, ihre Hände von mir wegzunehmen.“

Kein Zeugnisverweigerungsrecht

Die Fotos wogen schwer, aber auch die Aussage der Frau. Diese sagte: „Ich möchte nicht gegen ihn aussagen, weil er der Vater meiner zwei Kinder ist.“ Dieser Umstand zeigte dem Gericht, dass kein Belastungseifer vorlag. Jedoch machte Richter Huber der Frau deutlich, dass sie, da sie nicht im Rang einer Ehefrau oder Verlobten steht, kein Zeugnisverweigerungsrecht habe. So sprach sie dann doch über den Vorfall und davon, wie der Mann den Teller genommen und auf ihren Kopf geschlagen habe. „Ich weiß nicht, warum“, sagte sie.

Und dann kristallisierte sich noch der Umstand heraus, dass der Mann wohl auch in dem Moment in Richtung der Frau geschlagen hatte, in dem sie ihr Kleinkind eng bei sich trug. Auch war der Mann damals alkoholisiert. Ein Wert von 0,62 Promille lag gesichert vor.

Von Interesse war auch die Beschaffenheit des Puppenkinderwagens. Zu ihm berichtete das Opfer, dass er aus Aluminium und Messing bestehe. In Wittoreks Plädoyer hieß es so: „Aufgrund konkreter Verwendung und objektiver Beschaffenheit waren der Teller und der Puppenkinderwagen absolut der Grund, den Tatbestand nicht nur als Körperverletzung , sondern als gefährliche Körperverletzung zu verhandeln.“ Die Tat selbst sah Wittorek als in vollem Umfang bestätigt an. Er sprach von einer Überführung des Angeklagten und von einem „schweren Fall von häuslicher Gewalt “. Und das noch aus einem weiteren Grund: „Er hat sich auch nicht davon abbringen lassen, gegen die Frau vorzugehen, während diese ihren Sohn im Arm hielt.“ Der Rechtsreferendar plädierte auf 15 Monate Haft zur Bewährung, drei Jahre Bewährungszeit, die Beistellung eines Bewährungshelfers und eine Geldauflage von 2000 Euro.

Rechtsanwalt Manfred Glöckner plädierte dafür, dass es mit einer Geldstrafe sein Bewenden haben sollte. Er hob hervor, dass sich das einstige Paar zumindest soweit zusammengerauft habe, dass es über Probleme spreche und sich gegenseitig helfe.

Das Urteil sollte dann auch eher im Sinne Glöckners ausfallen, denn Huber nahm von einer Haftstrafe Abstand. Allerdings fällte er ein Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Körperverletzung , durch das der 41-Jährige 3000 Euro zu zahlen haben wird.