Markus Häggberg

Ich möchte es mir nicht zur Gewohnheit machen, von Träumen zu erzählen. Aber ich führe ein Tagebuch und das hat jetzt ein Geschwisterchen in Form eines Traumtagebuchs bekommen. In das hinein kommt all das, was mir gleich nach dem Aufwachen noch erinnerlich ist. Hinter dieser Maßnahme steht die leise Hoffnung, mich selbst ein bisschen besser kennenzulernen, und ob ich mit der Bilanz daraus leben kann, muss ich halt erst noch sehen.

Es begann damit, dass ich vor Tagen davon träumte, mit braun gewordenen Beinen im Krankenhaus zu liegen und dem großen Adieu entgegenzublicken. Die Frage, die mich dabei umtrieb, war, ob ich wegen der braunen Beine womöglich nicht politisch korrekt geträumt haben könnte, aber dann kam ich mit mir überein, dass Tod und die Farbe Braun ja keinen Anstoß zu irgendwas geben sollten. Vor allem aber kam ich mit mir überein, meine künftigen Träume ein bisschen im Blick zu behalten, und so kaufte ich mir ein schönes gebundenes Heft, auf dem in goldenen Lettern Journal steht.

Schon am ersten Tag nach dem Kauf konnte ich einen Traum vorweisen, und in ihm tauchte mein alter Kumpel Dieter auf. Wir spielten Blitzschach und hinter Dieters Rücken befand sich auf einem Regal eine Anthony-Hopkins-Büste aus Obsidian. Dieter war sehr stolz darauf, eine Büste aus Vulkanglas zu besitzen, und irgendwie musste auch Anthony Hopkins von der Sache Wind bekommen haben, denn wenig später stand er mitsamt seiner Entourage im Zimmer und besah sich munter seine Büste.

Ich muss sagen, dass Anthony Hopkins ein sehr freundlicher Mensch ist und sich auch nicht weiter aufdrängt. Er stellte die Büste wieder ins Regal, verabschiedete sich und ging.

Von gestern auf heute träumte ich, dass ich Paul Gardener kennenlernen durfte. Dieser Paul Gardener ist Kalifornier und eine wirklich interessante Type. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist er ein Wrestler , der sich darauf spezialisiert hat, weltweit auf Korbmärkten zu ringen. Man kann sich vorstellen, dass er, will er davon leben, schon sehr gut sein muss.

Ich habe das Geschwisterchen meines üblichen Tagebuchs schon fast so lieb, wie das Tagebuch selbst, und ich glaube, die beiden werden sich gut verstehen. Immerhin ist das, was man träumt, und das, was wirklich geschieht, in seiner Idiotie oft nicht allzu verschieden. Ach ja, was ich noch zu erwähnen vergaß: Paul Gardener gibt es natürlich nicht wirklich, aber dafür kommen seine Vorfahren aus der Eifel und nächste Woche heiratet sein Schwager. Hat er mir jedenfalls selbst erzählt. Ich bilde mir ein, in der Wirklichkeit schon dümmere Geschichten gehört zu haben.