Wenn das Buch des Erdendaseins zugeklappt wird, so ist es deshalb noch längst nicht ausgelesen. Nicht nur für Menschen christlichen Glaubens gilt die Überzeugung, dass dann das erste Kapitel eines ewigen Lebens aufgeschlagen wird. Insofern sind Sterben und Tod, Zurückbleiben und Trauern ganz individuelle Grenzerfahrungen, für die wir Menschen nur in bescheidenem Umfang allgemeine Handreichungen zur Verfügung haben. Dass es die gibt, und das schon seit Jahrtausenden , zeigen die Zeugnisse der Bestattungskultur aus der Frühgeschichte der Menschheit ebenso wie die Friedhöfe unserer Tage. Auch deshalb hat die Kultusministerkonferenz im vergangenen Jahr die Friedhofskultur in Deutschland zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes beschlossen.

In Gundelsheim gibt es schon einige Jahre eine sogenannte Steuerungsgruppe Friedhof , die die Sanierung , Um- und Neugestaltung des örtlichen Friedhofs plant, weil man vor Ort längst erkannt hat, dass Friedhöfe immaterielles Kulturerbe, also das in Stein gemeißelte Gedächtnis einer Gemeinschaft und das Spiegelbild ihres Umgangs miteinander im Leben sind.

Vertreter der Bürgerschaft waren dann auch zahlreich zur Ratssitzung im Juni gekommen, als Bürgermeister Jonas Merzbacher das Thema „ Sanierung Friedhof – Raum für Leben“ ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Zum Vortrag eingeladen hatte man die Bamberger Landschaftsarchitektin Sonja Pelz-Lindner, die der professionelle Anker der Steuerungsgruppe Friedhof ist und als Planerin aus den Ideen, Wünschen und unterschiedlichen Vorstellungen der Beteiligten ein Konzept entwickelt hat, das im Ratsgremium sogleich auf große Zustimmung stieß.

Baumtore und Blickachsen

Der Friedhof in Gundelsheim soll demnach als Ort des Gedenkens und Friedens moderne Anforderungen an eine Ruhestätte erfüllen und wieder ein sanfter Aufenthaltsraum zum Trauern und Besinnen werden. Das Friedhofsgelände soll vor der Aussegnungshalle, die friedlich-grün eingewachsen ist, einen zeichenhaften Auftakt bekommen, der den Ort des Friedens in Gundelsheim prominenter sichtbar macht. Im Rücken der Aussegnungshalle ist eine Art Aussichtspunkt geplant, der von Urnenmauern gefasst wird, die in der Höhenentwicklung diskret bleiben. Von dort weg soll dann das Besucherauge entlang der historischen Blickachse bis zum großen Friedhofskreuz des alten Friedhofs geleitet werden. Die kreuzenden Achsen werden durch Baumtore pointiert und die Treppenanlagen werden, wo immer das Gelände es zulässt, durch sanft ansteigende Rampen ersetzt.

Im alten Friedhof soll es aber in jedem Fall mehr Grün geben. Denn die augenblicklich bestehende Schotter- und Splittebene kann nach den Vorstellungen aller Beteiligter so nicht bestehen bleiben.

Kunstwerk aus Cortenstahl

Spannend dürfte im Herbst die Diskussion über ein Kunstwerk von Bernd Wagenhäuser werden. Er will im neu gestalteten Friedhof ein Zeichen aus Cortenstahl aufrichten, das alleine schon wegen des Materials Verwesungscharakter haben dürfte. Denn künstlich angerosteter Cortenstahl ist vielleicht eines der intensivsten Bilder für das ewige Verrinnen und Nagen der Zeit, die sich Menschen je auszudenken vermochten.

Zu einem zuletzt in der regen Diskussion des Ratsgremiums angesprochenen Wiederbelegungsverbot für aufgegebene Grabstellen im alten Friedhof konnte man sich nicht entschließen. Denn, so die Auffassung, einen toten Friedhof wolle man ja gerade nicht.

Die einschlägigen Beschlüsse zur Friedhofssanierung und -neugestaltung fielen dann in größtem Einvernehmen. Im Herbst des Jahres sollen die Ausschreibungen erfolgen, so dass es im Frühjahr 2022 losgehen kann.

Kita-Neubau St. Marien kommt

Die nachfolgenden Punkte auf der Tagesordnung widmeten sich dann in der Hauptsache den Lebenden in der Gemeinde. Um den Betrieb der Spezerei Gundelsheim ging es da, um den Bedarf bei der Kinderbetreuung in der munter weiterwachsenden Gemeinde und um den vom Architekturbüro Fritz Hofmann geplanten Erweiterungs- beziehungsweise Neubau für die Kindertagesstätte St. Marien. Und dann noch um eine schier endlose Litanei von Befreiungsanträgen privater Bauherren.