Das dürfte eine interessante Zweitauflage werden, was am Dienstag am Amtsgericht vorerst ausgesetzt wurde. Es ging um einen Mann aus dem östlichen Landkreis und darum, ob er wissentlich kinderpornografische Bilder aus dem Internet angesteuert hat.

Solche fanden sich auf seinem Computer . Aber es sollte auch um eine weitere Frage gehen: Hatte er ein achtjähriges Mädchen minutenlang im Genitalbereich berührt? Doch die Beantwortung dieser Frage stand am Dienstag hintan. Er schien ruhig und sortiert, der 60-jährige Pädagoge , zu dessen Verfahren sich zwei Zuschauer im Saal 14 einfanden. Neben seinem Rechtsanwalt Stefan Walder sitzend, folgte er der Anklageverlesung durch Staatsanwalt Mario Geyer und die enthielt gewichtige Vorwürfe. Am 23. Juni 2018 soll er ein Mädchen zehn Minuten lang auf einer Liege unsittlich berührt haben. Irgendwann soll das Kind in Richtung einer Toilette geflüchtet sein.

Doch was an diesem Prozesstag wirklich Raum einnehmen sollte, war der Vorfall vom 26. März 2020. Dass da nämlich auf dem PC des Angeklagten 173 Bilddateien mit sexuellen Handlungen an Kindern gespeichert waren, war unstrittig. Sexueller Übergriff und Abruf kinderpornografischer Inhalte also?

Für Walder war das mitnichten so einfach. Es ging um den sogenannten Cache-Speicher, in den hinein sein Mandant diese Bilder nicht getan habe. Doch wie kamen sie dahin, ohne aus dem Internet aufgerufen worden zu sein? Walder argumentierte, dass sich sein Mandant „mit den Funktionen am PC nicht so gut auskenne, dass er das runtergeladen hätte“. Darüber hinaus gab er zu bedenken, dass in der Familie seines Klienten noch weitere Personen Zugriff auf eben diesen Computer gehabt haben. Eigener Einlassung zufolge habe der Angeklagte im Internet Recherchen zu selbstschädigem Verhalten bei Jugendlichen und Kindern angestrengt, wobei es namentlich ums Ritzen ging. Dann hätten sich ihm unter den insgesamt über 3000 Bildern dazu auch 173 unerwünschte Motive geboten.

Woher kamen die Bilder?

Aufgefallen sei es ihm vor allem anderntags, als er seinen PC einschaltete und sich diese Seite „von selbst entfaltete“. Richter Matthias Huber streute ein, dass er noch nicht ganz verstehe, „woher die Bilder gekommen sein sollen, wenn sie nicht heruntergeladen worden sind“. Dem hielt Walder entgegen, dass eine technische Möglichkeit bestehe, wonach ein Browser Motive vorladen könne, die nicht gewollt seien. Er zitierte hierzu Entscheidungen eines Amts- und eines Oberlandesgerichts und sollte bei der nun folgenden Aussage eines sachverständigen Polizeibeamten , der den PC des Angeklagten einst untersuchte, auch hinnehmen, dass dieser über den Suchverlauf im Computer nichts mehr sagen konnte. Diesen fand er damals als gelöscht vor.

Von dieser Seite aus wird sich kaum klären lassen, ob der Angeklagte entsprechende kinderpornografische Seiten ansteuerte. Allerdings dürfte auch offen bleiben, ob darin überhaupt ein entlastender Umstand besteht. Für seinen Klienten, der auf dem pädagogischen Feld arbeitet und Familienvater ist, forderte Walder weitere Zeugen vor Gericht ein sowie einen sachverständigen Gutachter für Browserverläufe.

Es soll die Frage geklärt werden, ob man unwissentlich und unwillentlich auf manchen Seiten unerwartet auf kinderpornografische Abbildungen stoßen kann, auf denen man es nicht vermutet. Der Anfrage nach einem Gutachter wurde stattgegeben, das Verfahren ist nun vorläufig ausgesetzt. Der Frage danach, ob der Mann dem kleinen Mädchen auch zugesetzt habe, muss dann vermutlich an dem kommenden zweiten Verhandlungstag nachgegangen werden.