Viele Jahre beschäftigte und beschäftigt noch immer ein heute 40-jähriger Mann aus dem Landkreis Lichtenfels die Polizei und die Justiz. Er verzeichnete eine rekordverdächtige Anzahl an Straftaten . Fast zwei Jahrzehnte arbeitete er sich quer durch das Gesetzbuch und gestaltete somit seine lebenslange, kriminelle Karriere. Erneut muss sich der arbeitslose Ex-Häftling, der inzwischen wieder im Gefängnis sitzt, seit Mittwoch vor dem Kronacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Claudia Weilmünster verantworten. Denn: Nach einer nur kurzen Zeit in Freiheit kam er im Jahr 2020 wieder heftig mit dem Gesetz in Konflikt und das fast monatlich.

Kunden bedroht

Zwischen Mai und Oktober vergangenen Jahres hatte sich der Angeklagte wieder einiges zuschulden kommen lassen. Im Mai soll er in eine Discounter Waren von geringem Wert mitgenommen haben. Später wurde er in zwei Elektromärkten zum Dieb mit weniger Erfolg. Zwei Kunden, die ihn damals ertappten, soll er massiv verbal bedroht haben. Einmal wurde in seinem Handgepäck bei der Festnahme durch die Polizei ein Messer gefunden, was den Tatbestand des räuberischen Diebstahls erfüllt.

Mitarbeiter beleidigt

Spektakulär war fast immer die Einweisung des Angeklagten in die Gefängniszelle durch Beamte der Polizeiinspektion Lichtenfels . Einmal soll er dort die Toilette des Haftraums vorsätzlich geflutet, die dortigen Mitarbeiter massiv beleidigt und sich mit Gewalt gegen sie gewehrt haben. Im Juni soll er gemeinsam mit einer Frau einen Bekannten mitten auf dem Lichtenfelser Marktplatz getreten und mit den Füßen malträtiert haben.

Randale im Zug

Dem nicht genug: Im Oktober soll er in der Bahn randaliert und Fahrgäste beleidigt haben. Nach der Ergreifung des Angeklagten , soll dieser wieder seine gewaltsame Strategie der Gegenwehr gegen die Polizei praktiziert haben. Er musste geknebelt werden. Ein Beamter wurde dabei verletzt.

Die vier Anklagen von Staatsanwalt Joachim Tränkle reichten deshalb am Mittwoch unter anderem von den Strafbeständen räuberischer Diebstahl und Bedrohung über Beleidigung und gefährliche Körperverletzung bis hin zu Widerstand gegen Vollstreckungsbeamten, die meisten Fälle davon mehrfach.

In seiner Vernehmung gab der Angeklagte am Mittwoch nur einen Teil seiner Taten zu, einige verharmloste er, an andere konnte oder wollte er sich nicht mehr erinnern. Er begründete, dass er meist unter Drogeneinfluss gestanden und alles eingenommen habe, was die illegale Angebotspalette hergebe.

Die Polizeibeamten hätten ihn bei seiner Festnahme meist provoziert, deshalb sei er aggressiv geworden. An die einzelnen Vorgänge konnte er sich im Prozess ebenfalls nicht mehr erinnern: „Weiß nicht, kann möglich sein, bin ja paar Mal verhaftet worden.“ Bei der Schlägerei am Marktplatz habe er bei seinem Opfer Geldschulden eintreiben wollen. Er habe jedoch nicht gemeinsam mit der Frau auf diesen eingeschlagen.

Auf die Frage der Richterin , die den Angeklagten an seine vergangene fast 15-jährige Haftzeit mit 20 Eintragungen im Strafregister erinnerte, erklärte der 40-Jährige: „Ich will eine Drogentherapie, damit mein Leben in Gang kommt.“ „Wenn ich so weitermache, komme ich in die Geschlossene. Es geht doch immer wieder von vorne los, ständiger Kreislauf“, beschrieb er seine Ängste.

Keine positiven Aussichten

Die Richterin wollte schon im Vorfeld des Sachverständigengutachtens dessen Einschätzungen zu einer Therapie haben. „Der Knackpunkt ist der Erfolg, ist der gegeben?“, wollte sie wissen. Der befragte Mediziner meinte zwar, man könne nie gänzlich sagen, bei dem sei „Hopf und Malz verloren“.

Der Angeklagte bringe aber aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung keine wirklich positiven Aussichten mit, so die Einschätzung des Mediziners.

Die Verhandlung wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Das Urteil soll dann am Mittwoch, 24. November, gesprochen werden.