Wegen eines unangemeldeten Besuchs geriet ein Lichtenfelser in eine unangenehme Lage. Sollte er das Schäuferla samt Bratwürsten im Supermarkt lassen oder unbezahlt mitnehmen? Letzteres war seine Entscheidung und nun fand er sich am Mittwoch vor Gericht wieder.

Der Mann machte einen ruhigen Eindruck. Neben seiner Verteidigerin Anett Raumschüssel sitzend erzählte er davon, wie ihm das Leben zusetzte und zu Engpässen führte. Aus einem Engpass heraus habe sich dann in einem Lichtenfelser Supermarkt "eine völlig undurchdachte und schwachsinnige Tat" ergeben, wie er es gegenüber Staatsanwältin Jana Müller und Richterin Caroline Titze selbst nannte.

Was war geschehen? Es ging um den 9. April 2020, jenem Tag, an dem sich unverhoffter Besuch angekündigt habe. Das Problem dabei sei ein doppeltes gewesen, denn einem Gast bietet man etwas zu essen an. An dieser Stelle kam das Thema Geld ins Spiel: "Wir waren verzweifelt, denn wir hatten kein Geld zum Einkauf mehr", so der 52-jährige Angestellte. Der Grund, weshalb der Mann kein Geld mehr hatte, habe darin bestanden, dass es seinerzeit zu Schwierigkeiten bei Unterstützungsleistungen vom Amt kam. Auf dieses Argument ging Jana Müller nicht ein, sie betonte vielmehr, dass der Angeklagte ziemlich genau gewusst haben dürfte, welche Folgen ein Diebstahl der Waren für ihn bedeuten könnten, selbst wenn der Schadensbetrag nur bei 16,50 Euro liegt. Der Grund hierfür liegt in der Vergangenheit des Angeklagten und die ist randvoll mit Gesetzesübertretungen.

Öfters mit dem Gesetz im Konflikt

"Sie haben ja schon öfter Probleme mit dem Gesetz gehabt", so die Staatsanwältin und zählte 14 Vergehen auf. Mal wurde er wegen Beleidigung , Fahrens ohne Führerschein, Diebstahls oder Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz auffällig. An jenem 9. April jedenfalls stand er unter offener Bewährung. "Sie glauben gar nicht, wie ich mir dafür in den Arsch beißen könnte", erwiderte der Angeklagte und nannte sein Tun einen "Blackout". Dann ging er darauf ein, dass er eine Kehrtwende im Leben geschafft habe. Ab 2003 sei er alkoholkrank gewesen, was folgte, waren Therapien im Bezirksklinikum Hochstadt Selbst mit Crystal habe er Bekanntschaft gemacht und seit 2017 sei er "drogen- und alkoholfrei".

Seinem jetzigen Chef gegenüber scheint der 52-Jährige mit offenen Karten gespielt und von dem Verfahren erzählt zu haben. Zumindest deutete er das dem Gericht gegenüber an. Sollte es nämlich zu einer Haftstrafe ohne Bewährung kommen, würde dies für ihn laut Aussage seines Chefs zu einem beruflichen Aus führen. An dieser Stelle fragte Richterin Titze, wie er sich dann wohl eine Ahndung vorstelle, und ab da schienen Überlegungen in Richtung Geldstrafe zu gehen. Doch nicht bei Jana Müller. Sie plädierte für eine viermonatige Haftstrafe ohne Bewährung. "14 Vorstrafen - ist der Groschen immer noch nicht gefallen?", so die junge Frau in Richtung des Mannes. "Es gab Chancen noch und nöcher", meinte die Anklägerin, die auch in Erinnerung rief, dass der Angeklagte von Glück sprechen könne, stets mit Bewährung davongekommen zu sein.

Naturgemäß hatte Verteidigerin Anett Raumschüssel die Interessen ihres Mandanten im Blick. Der lebe von seiner Zukunft und die möge man ihm durch eine Haftstrafe ohne Bewährung "nicht versauen". An der von Müller geforderten Höhe einer Bewährungsstrafe rüttelte Raumschüssel nicht, bat das Gericht aber, "in sich zu gehen".

Angesichts all seiner Voreinträge räumte der Angeklagte in den ihm zustehenden letzten Worten selbst ein, dass er wisse, wie "unglaubwürdig es klingt", wenn er jetzt sagt, dass nicht noch mal etwas vorkäme. Aber er verwies darauf, dass ihm seine jetzige Arbeit Freude und Spaß bereite und ein Einkommen biete. Lange brauchte Titze nicht in sich zu gehen, das Urteil kam nahezu direkt im Anschluss und fiel auf 3600 Euro Geldstrafe aus. Ein Betrag, mit dem sich 218 Schäuferla samt Bratwürsten hätten kaufen lassen.