Die unendlichen Weiten des Alls – für den deutschen Astronauten Mathias Maurer blieben sie am Sonntag noch unerreicht. Wegen schlechter Wetterbedingungen musste sein Flug zur Weltraumstation ISS verschoben werden. In Altenkunstadt hingegen konnte die „ Rakete “ in der Alten Synagoge wie geplant abheben. Ein philosophierender und musikalisch versierter Raumfahrer reiste zum Mond und für die Gäste ging es per Anhalter durch die Galaxis , wo sie unter dem Motto „Mundsüchtig“ zwei erkenntnisreiche Stunden verlebten.

Mit Schallgeschwindigkeit gelang Florian Kaplick vom Fränkischen Theatersommer, der am Nürnberger Meistersinger-Konservatorium studiert hatte, ein Traumstart ins Universum. Mit einer fetzigen Science-Fiction-Melodie, bei der die Hände wieselflink über die Klaviertasten schwirrten, beamte er die Zuhörer auf eine tönerne Erinnerungsreise. „Sind sie gut abgehoben? Haben Sie es erkannt?“, fragte der Mondexperte in die Runde. Das Echo folgte auf dem Fuße: „Raumpatrouille Orion“.

Von Comic-Helden zu Beethoven

Der Redner, Sänger , Pianist und Rapper wusste jede Menge Geschichten über den Erdtrabanten zu erzählen. Passend zum Veranstaltungsort erinnerte Kaplick die Zuhörer daran, dass das jüdische Volk nicht zufällig mit dem Mond verglichen werde. „Im Laufe seiner Geschichte können wir die zu- und abnehmenden Phasen dieses Volkes beobachten.“ Zudem gewährte er Einblicke in den jüdischen Kalender, der am Mond orientiert ist.

Dem Reiseführer saß bei seinem Trip durchs Weltall der Schalk gehörig im Nacken. Kaplick behauptete doch allen Ernstes, dass vor den Amerikanern schon jemand anderes auf dem Mond gewesen sei. „Die belgischen Comicfiguren Tim und Struppi in ihrem Heft ‚Schritte auf den Mond‘“, verriet Kaplick den Zuhörern.

Musikalisch hatte der raumfahrende Tausendsassa einiges zu bieten. Beethovens romantische „Mondscheinsonate“ kontrastierte er kurzerhand mit pazifistischen Worten aus dem Munde des Schriftstellers Kurt Schwitters , die wie Parolen auf die Zuhörer herniederprasselten. In dem Text aus dem Jahre 1923 wurde der Mond zum extraterrestrischen Feind erklärt, damit die Menschheit nicht untereinander Krieg führt.

Doch damit nicht genug: Kaplick ging mit seinem Experiment in die Verlängerung. Mit dem dritten Satz von Beethovens Sonate ließ er die Töne im Fortissimo heranbrausen, die für den Zuhörer wie das klangliche Ebenbild eines Krieges anmuteten. Einen SUV kennt jeder, einen LRV hingegen nicht. Kaplick klärte auf: Bei letzterem handelt es sich um ein Lunar Roving Vehicle, ein Mondgeländefahrzeug. Er zeigte eine Bild des Wagens, mit dem Anfang der 70er Jahre Austronauten auf dem Himmelskörper herumfuhren. „Schlappe 38 Millionen Euro kostete das Mondmobil der Nasa “.

Kaplick mutierte mit einem Song („White’s On The Moon“) von Gil Scott Heron, dem Urvater des Rap , zum Reimeschmied, der sich fragt: „Braucht es solch kostspielige Unternehmungen angesichts der vielen irdischen Probleme, die wir haben?“

Ermüdend wirkte die Reise zum Mond, die Kaplick viel Applaus beschert hatte, zu keinem Zeitpunkt. Ganz im Gegenteil: Dank des Facettenreichtums keimte bei den Besuchern das Verlangen nach einer Fortsetzung auf.

Stoff dafür gäbe es jedenfalls reichlich. Man denke nur an das volkstümliche Paradoxon „Dunkel war’s, der Mond schien helle“.