Maschinenbau , Kfz-Teile, Gummi- und Kunststoffindustrie: Oberfranken ist geprägt durch produzierendes Gewerbe und hat die zweithöchste Industriedichte in ganz Europa. Die Stärke der Region liegt dabei in ihrer mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur – und diese unterstützt die Hochschule Coburg insbesondere auch durch den Transfer von Wissen.

Jetzt bekommt die Hochschule fast eine Million Euro aus dem Europäischen Sozialfonds für zwei Projekte, die Beschäftigte von kleinen und mittleren Unternehmen in der Region weiterqualifizieren. Das eine vermittelt Wissen zu nachhaltigen Lieferketten, das andere zu 3D-Druckverfahren. Und hier kommt Lichtenfels ins Spiel.

Lichtenfels gilt als Hochburg der additiven Fertigung, und deshalb wird ein neues Weiterbildungsangebot teilweise im Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien (FADZ) am künftigen Hochschulstandort Lichtenfels durchgeführt. Dabei geht es um „Wissenstransfer zur Fertigung von Prototypen aus nachhaltigen Materialien – Prozesskette in der additiven Fertigung“ unter Leitung von Prof . Markus Stark. Die Hochschule erhält dafür über das Wissenschaftsministerium bis zu 580 160 Euro aus den React-EU-Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds.

Die additive Fertigung – bekannt auch als 3D-Druck – ermöglicht, sehr schnell Bauteile zu fertigen und Prototypen zu erstellen. Da besondere Strukturen und komplexe Geometrien „gedruckt“ werden können, wird häufig weniger Material benötigt. Der sparsame Einsatz der Ressourcen trägt zur Nachhaltigkeit bei, und die Produkte werden gleichzeitig leichter und in der Anwendung energieeffizienter. Dabei geht es darum, praxisorientierte Qualifizierungsangebote vor allem für Beschäftigte der kleinen und mittelständischen Unternehmen anzubieten.

Das Lichtenfelser FADZ wird von der Hochschule Coburg gemeinsam mit Stadt und Landkreis Lichtenfels und dem Förderverein Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien Lichtenfels mit Leben erfüllt. Vorstandsvorsitzender des Fördervereins ist der Unternehmer und Gründer Frank Herzog. Er erklärt die Bedeutung des Projektes aus Sicht der Wirtschaft: „Das Ziel ist, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die technologischen Zukunftsfelder weiterzuqualifizieren, um dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken und vor allem die Arbeitsplätze in der Region zu halten.“

Die Kurse sollen im vierten Quartal 2022 starten. Die Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik und die Fakultät Design bringen dabei gemeinsam ihre Expertise ein, um theoretische Grundlagen und praxisorientierte Anwendung zu vermitteln. Geplant ist zum einen eine allgemeine Ausrichtung für Anwendungen mit metallischen, polymeren und keramischen Werkstoffen , zum anderen eine Ausrichtung speziell für Anwendungen in der Baubranche .

Auch das zweite Projekt richtet sich an Beschäftigte der regionalen Unternehmen richtet: Im Zertifikatskurs „Green Supply Network Management“ wird in Blockveranstaltungen vermittelt, wie „grüne“, also nachhaltige Liefernetzwerke aufgebaut werden können. Der ökologische Ansatz trägt sozialpolitischen Erfordernissen Rechnung. Er sichert aber auch die Wettbewerbsfähigkeit , denn der Aufbau sicherer Lieferketten verringert Ausfall-Risiken durch nicht-planbare Ereignisse wie die Corona-Pandemie. Das Projekt wird geleitet von Prof . Michael Hartmann und gefördert wird es durch den Europäischen Sozialfonds (ESF). Hierfür bekommt die Hochschule 2022 und 2023 bis zu 349 615 Euro. „Nachhaltigkeit ist für uns eines der wichtigen Zukunftsthemen“, sagt Hochschulpräsidentin Prof . Christiane Fritze. red