War es ein Diebstahl ? Aus Sicht des 39-jährigen Angeschuldigten bei weitem nicht. Wie falsch er damit zu dem von ihm verursachten Vorfall in einem Supermarkt lag, durfte er sich während der Verhandlung am Amtsgericht vor allem von Staatsanwalt Michael Koch anhören.

Der Mittwoch dürfte dem Enddreißiger aus Lichtenfels noch länger in Erinnerung bleiben. Zwar bekam er nicht die volle Härte des Gesetzes zu spüren, das aber nur darum nicht, weil er derzeit arbeitslos ist und die Höhe des gegen ihn ergangenen Strafbefehls heruntergesetzt wurde. Statt der ursprünglich festgelegten 1600 Euro, wird er 600 Euro zu zahlen haben. Die aber ganz bestimmt und alles nur wegen einer Packung Schokoriegel.

Eine solche habe er nämlich gegen 17 Uhr am 27. Februar des vergangenen Jahres in einem Supermarkt aus dem Regal genommen und in seine Tasche gesteckt. "Es kann sein, dass ich das in die Tasche getan habe, solche Späße mache ich ab und zu", so der Mann , der zudem behauptete, die Kasse nicht mit der Ware passiert zu haben. Vielmehr habe er die Schokoriegel lange vorher wieder in ein Regal zurückgelegt. Doch der Mann behauptete noch mehr. So auch, dass er weder im Laden noch beim Verlassen von Kassenpersonal wegen eines Diebstahls angesprochen worden sei.

Wann ist es ein Diebstahl?

Nun war es an Koch, dem derzeit arbeitslosen Mann , der zuvor im Bauhandwerk selbstständig war, zu erklären, ab wann ein Diebstahl als vollendet gilt. "Sobald etwas in eine Tasche gesteckt und kein anderer mehr Zugriff darauf hat, sprechen Juristen von vollendetem Diebstahl ."

Richterin Caroline Titze legte dem Angeschuldigten im Laufe der Verhandlung Lichtbildaufnahmen von ihm und der Frau vor, mit der er sich zum angeklagten Zeitpunkt im Supermarkt aufhielt. "Sie wissen, dass der Markt videoüberwacht wird?", so Titze an den Mann gewandt. Mittels dieser Aufnahme suchte sie der Frage nachzugehen, ob man nicht irgendwo entdecken könne, in welches Regal genau der Mann die an sich genommenen Riegel zurückgelegt haben wollte. Doch es fand sich kein solcher Hinweis. Bislang, so der Angeschuldigte, sei er immer nur davon ausgegangen, dass ein Ladendiebstahl erst dann als Ladendiebstahl gilt, wenn man mit der Ware die Kasse passiert. Doch da, so Koch, gelte eben "der alte Spruch, den Sie sicher auch kennen: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht". Und weiter: "Ein Freispruch wird hier nicht rauskommen." Richterin Titze merkte gegenüber dem Angeschuldigten auch an, dass dieser ja unter offener Bewährung steht und dass man in solchem Fall "nicht so 'nen Mist machen sollte". Doch wie kam es, dass die Anzeige gegen den Mann erstattet werden konnte, wo er doch eigenen Angaben zufolge am Tattag mit dem Marktpersonal nicht ins Gespräch gekommen sei? Woher sollte man also seinen Namen kennen? Wie sich im Nachgang der Verhandlung herausstellen sollte, hätte es schon darum keines Gesprächs bedurft, da er nicht erstmalig gestohlen habe und Videoaufnahmen seinem dadurch schon bekannten Namen zugeordnet werden konnten.