„Die trauen sich was, die Marktgraitzer“, war die Aussage der Dritten Weismainer Bürgermeisterin Julia Spörlein bei der 950-Jahr-Feier in der Marktgemeinde . Und recht hatte sie, war es doch das erste größere Fest mit Publikum in diesem Sommer im Landkreis Lichtenfels.

Wenn man von oben auf den Marktplatz zulief, war es eigentlich wie immer, lediglich wegen der abgerissenen Häuser war wesentlich mehr Platz da. Dieser war auch dringend nötig, um die über 80 Sitzgarnituren im gebührenden Abstand zueinander aufbauen zu können. Beim Eingang gab es eine schriftliche Personalisierung. Zugang gab es zum Marktplatz nur einen (alle anderen waren abgesperrt), um die Vorgaben genauestens einhalten zu können. Kontrolliert wurde das von einer Security-Truppe mit wachsamen Auge. So erfolgte auch die Besorgung von Speisen und Getränken per Selbstabholung.

Dass es hier zu Schwierigkeiten kommen könnte, verhehlte der Marktgraitzer Bürgermeister Jochen Partheymüller in seiner Begrüßung nicht. „Wir hatten fast eineinhalb Jahr Zeit, die Regelungen zu lernen, heute muss es klappen“, meinte er süffisant. Für seinen guten Kontakt zum Wettergott, es hatte am Vormittag noch geregnet und nun war der Marktplatz sonnenüberflutet, erntete er viel Applaus.

Mit toller Live-Musik begrüße das aus Marktgraitz stammende Musik-Duo Gitti und Frank, besser bekannt als „Wir sind Wir“ die ersten Besucher. Und sie hatten gleich einen Höhepunkt zu bieten. So hatten sie das „Graatzer-Hecht’n- Lied“ in einer eigenen Aufnahme neu aufgelegt und die meisten schunkelten im Dreivierteltakt mit. So war zu hören: „Er ist geschnitzt aus gutem Holz, ist wendig frech und gar net faul, das größte ist und bleibt sei Maul. Ja, ja in Stadt und Land ist er gar wohl bekannt, er frisst und säuft net schlecht – der Graatzer Hecht.“ Auch das „Graatzer Frankenlied“ spielte auf die Feierlust der Graatzer an. „Wir lieben Tradition und Brauch und feiern können wir auch. Als Gott die Welt erschuf machte er sich Gedanken, wo lebt sich am besten und so erschuf er Franken.“

Stellvertretender Landrat Helmut Fischer gratulierte den „Graatzern“ auch im Namen der Bürgermeisterkollegen zu ihrem Jubiläum und stellte die Bedeutung der kleinsten Kommune im Landkreis fest. So stammte der Vorgänger des jetzigen Landrats, Reinhard Leutner, aus Marktgraitz und auch der frühere Dekan Michael Schüpferling und der jetzige Dekan Lars Rebhan kämen aus Marktgraitz .

„Tiger-Rag“ und „Posaunenglanz“

Ein tolles Geburtstagsständchen spielte im Anschluss die Blasmusik ihrer Gemeinde Marktgraitz . Und die Besucher honorierten dies mit großem Beifall. Der dem Anlass gebührende „Frankenlied-Marsch“ und der Blasmusikklassiker „Auf der Vogelwiese“ wurden im Refrain von der Truppe um Dirigent Sebastian Gesslein mit Inbrunst gesungen. Ein toller Sound prägte das Stimmungspotpourri „Jetzt geht’s rund“. Viel Beifall gab es für das Trompetensolo „Oh mein Papa“ und dem „Posaunenglanz“ jeweils in einer modernen Form. Sehr stimmungsvoll der „Tiger-Rag“, bei dem alle begeistert mitklatschten und die Musiker ihren Auftritt abrundeten.

Teile aus der neu verfassten Festschrift zum 950. Jubiläum brachten in einer Art Frage- und Antwortspiel der Historiker Joachim Andraschke und Bürgermeister Jochen Partheymüller dar. Er erklärte, dass es leider wegen der Pandemie nicht möglich gewesen sei, ein Fest wie vor 25 Jahren auf die Beine zu stellen. Dennoch werde das Jubiläum mit der gleichen Begeisterung über die Bühne gehen.

Historiker Joachim Andraschke stellte fest, dass Marktgraitz schon viel älter als 950 Jahre ist. Bereits in der Jungsteinzeit vor 4000 bis 5000 Jahren hatten Menschen hier gesiedelt, was Ausgrabungen am Berglein belegen. Auch Kelten hatten hier schon 80 vor Christus bis 9 nach Christus gesiedelt, als es zu den großen Völkerwanderungen mit brutalen kriegerischen Auseinandersetzungen kam.

Nach diesem Fachvortrag gab es ein tolles Revival-Konzert. So hatte 1996 bei der 925-Jahr-Feier die Country-Band „Rebell-Heart“ die Gäste stimmungsvoll unterhalten. Diese trat nun in der Formation Stefan Sailer, Gitarre, Uwe Schindler, Keybord, Jochen Partheymüller , Bass, Sieglinde Hornung, Geige , aus der Formation von 1996 unterstützt von Schlagzeuger Matthias Berg auf. Besonders Sieglinde Hornung aus Marktgraitz bewies, dass sie immer noch ein Ass auf der Geige ist. Bei „Fiddle in the Band“ oder „Amarillo by Morning“ war das zu hören. Nach diesem außergewöhnlichen Gastspiel übernahmen die „Silhouettes“ mit Oldies wie „Eight days a week“ von den Beatles , „Who’ll stop the rain“ von CCR oder „It never rains in southern california“ von Albert Hammond . Bürgermeister Jochen Partheymüller dankte allen, die in einer nicht einfachen Zeit diese Jubiläumsveranstaltung auf die Beine gestellt oder unterstützt hatten.