Die rund 550 Gäste, die am Samstag um 17 Uhr vor den Toren des Kurparks standen, glichen eher den Teilnehmern einer Expedition ins Hochgebirge. Ausgestattet mit dicken Jacken, Winter- oder Wanderstiefeln, Decken, Kissen, Kopfbedeckungen und Regenumhängen warteten sie bei sehr herbstlicher Witterung voller Vorfreude auf ein ganz besonderes Festival: Die „ Lieder auf Banz light“.

Das Liedermacherfestival „ Lieder auf Banz – Ein Abend mit Freunden“ auf der Wiese vor Kloster Banz musste aufgrund der Corona-Pandemie auf 2022 verschoben werden. Aus diesem Grund hatte der Veranstaltungsservice Bamberg den Banz-Fans eine kleinere, aber feine Alternative angeboten. Ehemalige Preisträger des Nachwuchsförderpreises der Hanns-Seidel-Stiftung und auch alteingesessene Banz-Künstler standen auf der Bühne im Rosengarten. Die Moderation übernahm Bodo Wartke. Statt 4500 waren es rund 550 Gäste, die anstelle auf den in Banz gewohnten Wiesenplätzen und Sitzplatztribünen nun auf loser Bestuhlung mit ausreichend Platz zum Nachbarn saßen. „Das war eine logistische Herausforderung“, so Gaby Heyder von der Organisation.

Start frei und Regenpause pünktlich um 18 Uhr: Ein „Heimspiel“ gab es für den Liedermacher Erik Konietzko aus Bad Staffelstein . Er und seine Band (Lena Schmid an der Flöte und Leon Büttner an der Gitarre) eröffneten den Abend. 2022 wird Erik Konietzko sein erstes Album herausbringen.

Als Moderator sprach Bodo Wartke den Zuschauern ganz aus der Seele: „Ihr Banzianer seid auf alle Wetter vorbereitet – schön, euch auf den hierher outgesourcten Klosterwiesen zu sehen!“ Ganz in Rot gekleidet mit grünen Socken und weißen Turnschuhen konnte Bodo Wartke es sich dennoch nicht verkneifen, am Flügel ein Regenlied anzustimmen: „Der Regen hört nicht auf, mich auf-zu- regen.“

„Ich hab auf Banz begriffen, wie großartig die Liedermacherei ist“, gestand die nächste Liedermacherin . Sarah Straub, in bodenlangem grünen Overall , sie trat gemeinsam mit Andreas Ferra (Gitarre) auf und präsentierte Lieder ihres Albums „Tacheles“. Das „Schwalben-Lied“ – eine Hommage an pflegende Angehörige – drang tief ins Herz der Zuhörer.

Lennart Schilgen ist Singer-Songwriter , Dichter und Musik-kabarettist aus Berlin. Mit viel Schabernack parodierte er sein Vorbild Reinhard Mey bzw. erklärte, warum er es nicht mehr tun werde – oder auch doch nicht: „Am Tag, als ich Post von Reinhard Meys Anwalt bekam“ führte zu Lachsalven.

Powerfrau mit derben Texten

Gewöhnungsbedürftiger waren die Songs von Miss Allie: Mit ihren derben Texten rockte die kleine Powerfrau die Bühne. Barfuß, in Leder gekleidet und die blonde Mähne mit einem Band gezähmt, rief das Energiebündel seine Botschaften ins Publikum.

Werner Schmidbauers Auftritt nahte. Die Temperaturen im Rosengarten-Open-Air verabschiedeten sich in den knapp zweistelligen Bereich, leichter Nieselregen setzte ein. „Ich bewundere euch: Ihr seid so wetterresistent – in München wären die Leute jetzt schon alle auf dem Klo!“, galt sein Gruß der wetterfesten Fangemeinde. Der Fernsehmoderator , Musiker und Liedermacher ist seit Ende der 1970er Jahre auf den Bühnen. Man kennt ihn von der TV- Sendung Live aus dem Alabama, der Kinderreihe Dingsda und Talkshows im BR. Seit 2003 ist er Moderator der Reihe Gipfeltreffen im Bayerischen Fernsehen , bei der Schmidbauer mit einem Gesprächspartner eine Bergwanderung unternimmt. Von so einem Aufstieg zur Zugspitze erzählte sein Lied . Auch aktuelle Themen und kritische Töne kamen in den Texten vor: vertuschter Kindesmissbrauch durch Geistliche, Umweltzerstörung und Krieg, Klimaveränderungen und Missachtung der Menschenwürde. 

Es gab viel Applaus und stehende Ovationen zum Konzertende. Ein wunderbarer Abend mit guten Liedern blieb den Gästen auf dem Nachhauseweg im Herzen. Was braucht es schon 25 Grad? „Und jetzt trinken ma nen Grog!“, beschlossen zwei Damen aus Berlin.