Neulich, ich war wohl ein bisschen in versonnener Stimmung, da schnappte ich so auf, dass sich eine liebe Bekannte einen Sophatiker wünscht. Sie plauderte mit einer ihrer Freundinnen am Handy und dabei fiel eben dieser Begriff . Und ihre Augen leuchteten dabei.

Ich wusste ja, dass sie schon einige Männerbekanntschaften durch hatte und es dabei nie gut ausging. Mal waren die Typen trink­fest, mal waren sie verheiratet , mal waren sie beides und mal waren sie weder das eine noch das andere, dafür aber knausrig oder verklemmt oder knausrig und verklemmt. Einer war sogar mal knausrig, verklemmt und verheiratet , was man wirklich erst mal hinbekommen muss.

Eine philosophische Schule

Also warum es nicht mal mit einem Sophatiker probieren? Für mich klang das nur vernünftig, auch darum, weil das Wort selbst so klangvoll war. Es klang nach einer mir bis dato noch nicht geläufigen philosophischen Schule und in meiner Vorstellung (ich war immer noch in versonnener Stimmung) suchte diese Schule Weisheit und Pragmatismus miteinander zu vermählen. In meiner Fantasie malte ich mir aus, wie sich Stoiker, Kyniker, Aristoteliker und Epikuräer in Baumärkten in den Armen liegen, weil sie dort in der Werkzeug­abteilung die Zutaten für Respekt, ein gutes Miteinander und den Welt­frieden finden.

Zweifel­los würde sich all diese freundliche Reife dann ja auch wohlig auf das Führen einer liebevollen Partnerschaft auswirken. Ja, so einen Sophatiker hätte meine Bekannte wirklich mal verdient, einen Mann mit Niveau und Boden­haftung, einen, der Humor hat und Sinn für das Familiäre.

Denn schließlich wollte meine Bekannte ja auch noch Kinder. Leider musste ich nun feststellen, dass meine Bekannte mit den Männern und dem Kinder­kriegen gebrochen zu haben scheint. Sie hat jetzt eine Katze. Einen „Sofa-Tiger“, wie sie mir stolz erklärte.

Ich bin jetzt weniger versonnen und mehr so ein bisschen enttäuscht von meiner Bekannten. Sofa-Tiger sind mir hinlänglich bekannt und nichts Neues unter der Sonne. Aber einen Sophatiker hätte ich gerne mal kennengelernt. Um ihretwillen.