Markus Häggberg

Also es war so, dass ich neulich von meinem Fenster aus sah, wie zwei etwa 14-jährige Jungs beinahe eine Rauferei miteinander gehabt hätten. Hach ja, da kommen Erinnerungen an die eigene Kindheit hoch – wir spielten im Wald, kletterten auf die höchsten Bäume, bauten uns Hütten, fingen Bären, machten uns Lagerfeuer und dann und wann rauften wir uns auch.

Aber eine Rauferei von damals ist mit einer heutigen Rauferei nicht mehr zu vergleichen. Das fängt schon bei der B-Note an. Wir hatten Haltung, wir ahmten unsere Kung-Fu-Helden nach oder wenigstens Batmans Dresche, wir rauften auch Szenen aus dem Fernsehen nach.

Die beiden Jungs unter meinem Fenster hingegen schienen beim Raufen irgendwie ratlos, da fehlte jede Raffinesse. Eben deshalb kam die ganze Sache ja auch nicht so recht in Schwung. Immer wieder suchte der eine Junge dem anderen Jungen eine mitzugeben, immer wieder aber blieb diese Bemühung irgendwie ungelenk und ohne Schmackes. Ich möchte fast von Leidenschaftslosigkeit sprechen.

Der andere Junge jedenfalls war aber auch nicht besser, denn auch er war fast nahe dran, seinen Gegner beinahe mal zu treffen. Doch im letzten Moment war das mit dem Schwung passé, weil schon die Richtung nicht mehr so ganz stimmte.

Immerhin sah man beiden Jungs richtig an, dass sie ordentlich Wut aufeinander hatten, also so etwas wie Leidenschaft schien grundsätzlich vorhanden. Die beiden Jungen blickten auch mit gehörigem Grimm auf den jeweils anderen, noch längst nicht mit Hass , aber schon auf der Höhe der Verabscheuung. Immer wieder nahmen sie neue Anläufe zum Raufen, immer wieder aber verpassten sie sich irgendwie.

Passiert ist bei alledem – Gott sei Dank – nichts. Keiner der Jungs verletzte sich selbst. An der „guten“ Absicht für eine Rauferei hatte es jedenfalls nicht gemangelt. Es war halt eher diese Sache mit der B-Note. Denn hätten die Jungs nur ein einziges Mal ihre Handys aus ihren jeweils anderen Fäusten gelegt, so hätte das Ganze auch anders ablaufen können. Mit mehr Schmackes und so.

Aber wenn man sich selbst beim Prügeln unbedingt mit dem Handy filmen muss, dann ist das halt alles wirklich nicht so einfach.