Markus Häggberg

Wenn Kinder ganz frisch auf die Welt kommen, dann fragt die Welt einen immer nach einer Meinung. Es ist dann zwar eine ernst gemeinte Frage, aber sie wird nie in der Absicht gestellt, ergebnisoffen, ehrlich oder verneinend beantwortet zu werden.

Und dann geht’s los: „Die Augen – ganz die Mutter .“ Oder: „Hach, das Näschen – wie vom Papa .“ Dann ist die Reihe auch schon bald an einem selbst und man muss noch etwas möglichst Nachvollziehbares draufpacken. Nachvollziehbar und freundlich . Mir ist dann bei diesen Gelegenheiten immer nix Gescheites eingefallen und die Wahrheit verkraften frischgebackene Eltern ja auch nicht immer. Einmal sagte ich so etwas wie „Und die Beinchen erst – wie von der Marlene Charell, gell?“, danach hat mich die Welt nie mehr um meine Meinung zu frisch geborenen Kindern gebeten. Das arbeitete in mir und ich machte mir heftige Vorwürfe wegen meiner mangelnden Zenzibili ..., Senzipili ..., na wegen des Einfühlungsvermögens eben, oder wie das heißt. So kam es jedenfalls, dass ich über Jahre hinweg schon nicht mehr um meine Meinung gefragt wurde.

Da wird man irgendwann natürlich stutzig und wünscht sich schon beinahe, mal wieder um eine Meinung angefragt zu werden. Und nun, vor Tagen, da wurde mir diese Last von den Schultern genommen. Jüngst, ich radle so vor mich hin, da komme ich an einem Haus vorbei, wo eine junge Frau überraschend Oma geworden ist. Bitte, solche Fälle soll’s ja geben. Ihr Lebensgefährte stand draußen vor der Tür und verwickelte mich dazu in einen Plausch. In solchen Fällen ist Vorsicht geboten, denn wie schnell ist das Handy gezückt und dann darf man schauen, wo man schmeichelhafte Vergleiche herbekommt.

Aber dieser Mensch war anders, aufrechter, ehrlicher und frei von Heuchelei. Er sagte auf das Neugeborene bezogen: „Für mich sehen die alle aus wie ein Stück Holz.“

Selbstverständlich tat ich zunächst entrüstet. Das war ich der Welt schuldig. Beseelt fuhr ich dann weiter.