Wem der Führerschein entzogen wurde, der darf auch nicht mit dem Auto fahren. Einen 23-jährigen Lichtenfelser störte das im Herbst 2020 wenig. Stolze acht unerlaubte Fahrten warf ihm die Staatsanwaltschaft am Dienstag vor.

„Ich möchte sagen, dass ich das wissentlich und willentlich gemacht haben soll, das steht auf zwei verschiedenen Blättern“, eröffnete der Angeklagte seine Einlassungen zu den Vorfällen, die sich zwischen dem 23. September und dem 8. Oktober abgespielt haben sollen. Mehr noch: „Das ist von den Beamten ( Polizeibeamten ) an den Haaren herbeigezogen, die angeklagten Zeiten gebe ich nicht zu, das sage ich gleich.“

Was der Mann zugab, war, dass er „einmal in den Baumarkt gefahren“ sei. Zudem führte er an, wegen eines Umzugs die Post bezüglich des Fahrverbotes verspätet erhalten zu haben, schon während des ergangenen Fahrverbots also nicht auf dem aktuellen Stand gewesen zu sein. So wie es die Staatsanwaltschaft sah, unternahm der derzeit arbeitslose Mann, der sich mit der Absicht trägt, eine Langzeittherapie wegen eines aus seiner Sicht „kleinen Drogenproblems“ anzugehen, acht Fahrten zwischen Innenstadt und Mistelfeld bzw. Innenstadt und Schney.

Baumarktverkäufer mit Klartext

Der Angeklagte , zu dem sich im Bundeszentralregister auch zwei Einträge wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und Urkundenfälschung finden, wirkte zu Beginn der Verhandlung forsch. Das sollte sich legen, als ein Baumarktverkäufer gegen ihn aussagte. Der Mann sprach von Abholungen und Lieferscheinen, die ganz klar ein Datum benennen: den 23. September, den 29. September, den 1. Oktober, den 2. Oktober und so fort. Unterschreiber der Lieferscheine war der Angeklagte . Der entgegnete, dass er ab und zu mit seinem damaligen „Schwiegervater“ zum Baumarkt fuhr, und holte sich von Richter Matthias Huber eine Rüge ab, als er begann, Gegenfragen zu stellen. „Meinen Sie, das ist zielführend, Ihre Rumeierei?“ Denn drei Fahrten, das machte Huber ihm deutlich, seien mindestens „unproblematisch“ nachzuweisen. Und ob es nun „drei Fahrten oder acht Fahrten waren, ist relativ schnurz“; versicherte dem Angeklagten auch Staatsanwalt Johannes Tränkle. Der bescheinigte dem Angeklagten „mäßig einsichtig“ zu sein und hielt eine Geldstrafe für „nicht mehr sachgemäß“. Wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis forderte er neun Monate Haft zur Bewährung, wobei die Bewährungszeit drei Jahre zu betragen habe und einen Bewährungshelfer erfordere. Überdies habe ein weiteres dreimonatiges Fahrverbot zu ergehen.

„Drei nachgewiesene Fälle ist der kleinste gemeinsame Nenner, ich bin ja auch davon überzeugt, dass Sie öfter gefahren sind“, erklärte Richter Huber dem 23-Jährigen. Der erfuhr noch einmal Gnade und erhielt eine Geldstrafe in Höhe von 2250 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot. Dem vom Angeklagten vorgebrachten Argument, die Post verspätet erhalten zu haben, schenkte das Gericht nur bedingt Glauben.