Um es gleich vorweg zu sagen, es war: ein ganz starker Auftritt“, den viele in dem beschaulichen Stadtteil Weidnitz und in der gesamten fränkischen Region in dieser Form sicherlich noch nie zu sehen bekamen, ein „Boss-Hoss“-Dreiländertreffen. Hinter alledem verbargen sich natürlich die liebevoll gepflegten und chromglänzenden Motorräder mit ihren Achtzylinder-Motoren.

Chevrolet-Motoren

Bei „Boss Hoss“ handelt es sich um ein Unternehmen mit Sitz in Dyersburg im amerikanischen Bundesstaat Tennessee, das sich darauf spezialisiert hat, individuelle Motorräder zu bauen. Besondere Kennzeichen dieser Maschinen sind die verwendeten Chevrolet-Achtzylindermotoren, die, wie es der Name schon erahnen lässt, aus den gleichnamigen Automodellen stammen.

Alle Boss Hoss werden in den USA größtenteils noch per Hand gefertigt und sind mit Motoren , deren Hubraum zwischen 5,7 Litern und 8,2 Litern liegt, erhältlich. Dementsprechend liegen deren Leistungen auch zwischen 350 PS und über 500 PS. Letzterer ist ein „Big Block“ mit einem Zwei-Gang-Halbautomatikgetriebe, mit dessen erstem Gang, der als „Fahrgang“ bezeichnet wird, man locker bis 220 km/h fahren kann, während der zweite Gang ein Schongang (Overdrive) ist und für das gemütliche Dahingleiten gedacht ist. Zu den besonderen Kennzeichen der Boss-Hoss-Motorräder, die um die 500 Kilogramm wiegen, gehört außerdem ihre unglaubliche Leistung, die einen „Sprint“ von 0 auf 200 Stundenkilometer in sechs Sekunden ermöglichet.

Nur 200 in Deutschland

Obwohl es in Deutschland nur rund 200 dieser Motorräder gibt, haben die Liebhaber nach und nach zueinander gefunden und es gab regelmäßige Treffen, wie beispielsweise in der Westernstadt Pullmanncity in Hasselfelde. Hier kam dann der Gedanke bei den Teilnehmern aus Sachsen, Thüringen und Bayern auf, eine sogenanntes Dreiländertreffen zu arrangieren. Diese Entscheidung stieß auf eine breite Zustimmung und seitdem auch eine lebhafte Beteiligung.

Nachdem diesmal die Region am Obermain ausgewählt worden war, übernahm Michael (Lönn) Schmölzing, Marktgraitz, die Aufgaben des Organisationsteams und der Tourenplanungen. Schon beim Eintreffen der Maschinen im Umfeld des Landgasthofes „Zum Anker“ im Burgkunstadter Stadtteil Weidnitz , zeigte er sich von der Resonanz überwältigt, denn obwohl es eigentlich nur eine regionale Veranstaltungen sein sollte, kamen Teilnehmer bis aus Schwerin und legten dabei für die Anfahrt rund 530 Kilometer zurück. Ähnliches gilt für Besucher aus der Tschechischen Republik; sie alle wurden gleichermaßen herzlich begrüßt.

Nach dem ersten gemeinsamen Abend, wobei sich alle Teilnehmer von der Gastlichkeit und dem guten Essen überwältigt zeigten, stand am nächsten Morgen die erste Ausfahrt bevor, die über Strössendorf in Richtung Stadelhofen, nach Ebensfeld und Sonnefeld ging, wobei entsprechende Pausen, sei es zu einer gemütlichen Kaffeerunde oder einer kurzen Besichtigung der Landschaft , eingelegt wurden.

Am zweiten Tag wies Michael Schmölzing mit seiner leuchten grünen Boss-Hoss-Maschine ebenfalls den Weg zu einer beschaulichen Tour, die diesmal in das Fichtelgebirge, nach Münchberg und zur Burgruine Uprode im kleinen Ort Oppenroth führt. Er hatte die Touren so ausgesucht, dass sie meist über Nebenstrecken gingen und möglichst wenige Ampelanlagen passiert werden mussten.

Satter Motorenklang

Schmölzing achtete dabei auch peinlich genau auf die Einhaltung der Geschwindigkeit, denn das Genießen der Natur sollte im Vordergrund stehen. Andererseits bot sich auch den vielen anderen Verkehrsteilnehmern ein einmaliger Anblick, wenn rund 20 Boss-Hoss-Maschinen und einige Trikes, Letztere mit ihren nahezu künstlerischen Designs, gemütlich und mit sattem Motorenklang vorbeiblubberten.

Nach der Rückkehr von den Touren ließen alle Teilnehmer, nachdem sie die fränkische Küche einmal mehr genossen hatten, die gemütlichen Stunden bei Lagerfeueratmosphäre ausklingen.

Einziger Wermutstropfen bei alledem dürfte die Tatsache sein, dass aufgrund der strengen Abgasvorschriften Boss-Hoss-Maschinen aus den Vereinigten Staaten nicht mehr nach Europa exportiert werden dürften, so dass alle, die heute ein derartiges Motorrad besitzen, dieses natürlich umso pfleglicher behandeln sollten.