Die Hoffnung auf einen Freispruch war zerstoben. Dennoch atmete der Verurteilte auf: Nach dem Einbruch bei einem Lichtenfelser Unternehmen kam der 34-jährige Koch mit Bewährung davon. Zu erwarten war das lange Zeit nicht.

„Dann arbeitete er sich vorwärts“, erklärte ein Polizeibeamter die Art und Weise, in der ein Einbrecher zwischen dem 6. und dem 8. September 2020 eine Werkzeugbaufirma unsicher machte. Erst stieg dieser laut Spurensicherung durch das Fenster, dann streifte er durch Büroräume und richtete auf dieser Tour 2500 Euro Schaden an. Entwendet hat er auch etwas, nämlich Bargeld von Mitarbeitern und ein bisschen von ihrer weiteren persönlichen Habe, zum Beispiel Taschenmesser. Den Entwendungsschaden bezifferte der Staatsanwalt Mario Geyer mit 360 Euro.

Doch war der Mann aus Wirsberg, der neben Rechtsanwalt Matthias Egger saß, auch wirklich der Täter ? Immerhin sollte Egger im Verlauf des Prozesses auf Freispruch plädieren. Der Grund war eine DNA-Spur, die eine Mischspur war, von der er annahm, dass sie von seinem unschuldigen Mandanten an einen Mitarbeiter des Hauses übertragen wurde. Per Zufallsbegegnung wohl, denn während der Zeit des Einbruchs hielt sich der 34-jährige Wirsberger zur Drogenentwöhnung im Bezirksklinikum in Hochstadt auf.

Die Tat geleugnet

Der Angeklagte selbst gab sich schockiert und ratlos über die Vorwürfe: „Ich habe wirklich bis zum Tag, an dem ich die Anklage bekommen habe, noch nie von der Firma gehört. Ich war nie in der Firma, habe keinen Bezug zu ihr.“ Richter Matthias Huber, der dem Schöffengericht vorstand, fand schnell deutliche Worte dazu: „Ich sage es Ihnen offen und ehrlich: Die Einlassung, wonach Sie nicht in der Firma gewesen sind, ist eher fernliegend.“ Ab hier hatte der Angeklagte jeden Anlass, mit einer Verurteilung zu rechnen.

Er lamentierte: „Meine Beziehung geht den Bach runter, es ist alles kaputt und ich weiß verdammt noch mal nicht, warum.“ Zudem hielt er fest, dass er ja nicht in Hochstadt gewesen sei, um Ferien zu machen, sondern um an sich zu arbeiten. Dem hielt Huber entgegen, dass es im Bezirksklinikum Hochstadt keine Ausgangssperre gebe.

War die Tendenz ohnehin schon die, dass die am Tatort an einem Laptop gefundene DNA-Spur als Beweis ausreichen würde, so sollte das Verlesen des Vorstrafenregisters noch den Eindruck verstärken, dass man es bei dem Angeklagten wirklich mit dem Dieb zu tun hatte. Zwölf Einträge fanden sich darin, sieben allein wegen Diebstahls , ein Eintrag wegen Raubes und einmal hatte er wegen eines Diebstahls sogar einen Prozess an einem Landgericht. Hafterfahren war der Wirsberger zudem.

Doch es gab auch ein Aber. Denn so positiv wie ein Gutachten ihn schilderte, charakterisierte wohl selten eines einen Problemkandidaten. Ein Umstand, der in der Urteilsbegründung Würdigung erfahren sollte.

Staatsanwalt hatte keine Zweifel

Staatsanwalt Geyer plädierte auf einen Schuldspruch und sprach ganz klar von einer Überführung durch die Spurensicherung: „Es gibt keinen Zweifel, dass es der Angeklagte war.“ Was Geyer zudem bemerkte, war der Umstand, wonach der Wirsberger während einer noch offenen Bewährung eingebrochen und gestohlen hatte. Letztlich stützte sich Geyer aber auch auf den positiven Bericht eines Bewährungshelfers. Demnach nimmt der Wirsberger auch nach Ablauf der Therapie noch Hilfe zur Entwöhnung in Anspruch, hat eine verlässliche Lebensgefährtin sowie eine feste Anstellung. Aufgrund dieser Fortschritte plädierte Geyer auf 22 Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Die Bewährungszeit sei auf fünf Jahre festzulegen und während der gesamten Zeit solle ein Bewährungshelfer dem Angeklagten zur Seite stehen. Eine „spürbare Strafe“ solle es auch geben, etwa in Höhe eines Monatsgehalts, also um die 1000 Euro.

Rechtsanwalt Eggert beharrte auf Freispruch. Er hielt viel von der Möglichkeit einer Mischspur, die in die Firma übertragen wurde. Das Schöffengericht hielt davon jedoch nichts: Zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilte es den Mittdreißiger und folgte in Bezug auf Bewährungszeit und Bewährungshilfe dem Antrag Geyers. Jedoch nahm es Abstand von einer Geldauflage, denn der Verurteilte wisse ganz genau, was auf dem Spiel steht.