Zum Artikel "Dreimal Nein zu Bürgeranträgen" im FT am 25. Januar ging eine Stellungnahme der Interessengemeinschaft Eigentümer und Landwirte pro Alternativen Kontra Südumgehung - kurz Igel - in der Redaktion ein.
Die Mehrheit des Planungsausschusses in Herzogenaurach habe die Anträge der Bürger über fortschrittliche Lösungen der Verkehrsprobleme allesamt abgebügelt, schreibt Robert Erhardt im Auftrag von Igel.
"Lesen denn unsere Stadträte keine Zeitung?", fragt er. Jeden Tag werde der Flächenfraß angeprangert. Die Politik gelobe Besserung: "Und was macht unser Stadtrat: Baut statt eines verkehrlich hocheffizienten Lohhoftunnels (Studie von 2007) eine kilometerlange, flächenfressende Südumfahrung. Schlimmer noch, man leistet sich eine 160 650 Euro teure Ausarbeitung einer bereits abgehakten Aurachtalstraße, statt das von uns beantragte Verkehrsgutachten zum Lohhoftunnel für 16 690 Euro."
Moderne, fortschrittliche Städte setzen längst auf Tunnel, um ihren Bürgern hässliche Brücken, tiefe Einschnitte in die Natur und kilometerlange Asphaltpisten zu ersparen, argumentiert Erhardt. Die Machbarkeit des Lohhoftunnels sei bereits vor fast elf Jahren durch ein von der Stadt Herzogenaurach in Auftrag gegebenes Gutachten nachgewiesen worden.
Wie weitblickend dieses Gutachten war, beweise die Tatsache, dass damals bereits ein Betrieb der StUB auf dem Tunnel als realisierbar bezeichnet worden sei. Das Gutachten weise ferner auf die vergleichsweise wenige Entlastung der heute geplanten Südumfahrung hin.
Innenminister Herrmann kündigte diese Woche das "Radverkehrsprogramm 2025" an, durch das in Zukunft 20 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. "Und was tut die Stadt: Baut eine Werkszufahrt, getarnt als Südumfahrung, die alle verkehrlichen Alternativen konterkariert und neuen Gewerbegebieten Tür und Tor öffnet", schimpft Erhardt weiter: "Bei der Debatte um die Reaktivierung der alten Bahntrasse im Aurachtal habe ich mich fremdgeschämt."


Studie war bekannt

Ulrich Bogen habe die Stadträte im Vorfeld über die Existenz einer Studie zu einer S-Bahn von Erlangen nach Herzogenaurach informiert: "Dann zu sagen, die Studie interessiert uns nicht, obwohl die Stadträte 2014 einem Energiewendekonzept zugestimmt haben, ist geradezu absurd." Die Studie zur S-Bahn prognostiziere täglich 5000 Fahrgäste und beschreibe einen Betrieb mit modernsten, akkubetriebenen S-Bahnzügen. Andere Kommunen würden sich die Finger danach lecken.
Damit nicht genug: Die Erlanger SPD habe eine 180-Grad- Wende hingelegt und lege keinen Widerspruch gegen die Überbauung der Schiene durch die Südumfahrung ein, obwohl der Erlanger Stadtrat vorher mit 37:4 Stimmen gegen eine Überbauung war.
"Haben sich die Herzogenauracher Genossen einmal überlegt, wie die angedachten Ziele des Energiewendekonzepts ohne eine hochrentable, kurze Schienenanbindung nach Erlangen und stattdessen mit einem nicht mehr zeitgemäßen Straßenbau erreicht werden können?", fragt der Igel-Beauftragte sich.
Über den Fortschritt des Energiewendekonzepts muss bereits nächstes Jahr Rechenschaft abgelegt werden. Man stelle sich die Ziele bis 2030 einmal vor: Die Nutzung des Pkw soll von heute fast 70 auf weniger als 35 Prozent reduziert werden. Wer solle da noch die Südumfahrung benutzen, will Erhardt weiter von den Genossen wissen. Gleichzeitig solle der Fußgänger- , Fahrrad- und ÖPNV-Verkehr von heute 15 auf sage und schreibe 70 Prozent erhöht werden. Ohne den sofortigen Beginn einer Umsetzung der S- Bahn undenkbar.


Ohne roten Faden

"Vielleicht sollten sich unsere Stadträte einmal klar machen, was sie im Lauf der Zeit so alles auf den Weg gebracht haben", findet der Igel-Vetreter. So interessant die Diskussion über die Bürgeranträge auch gewesen sei, letztlich bestimme doch nur der Bürgermeister, was passiert. Ob das alles noch einem roten Faden folgt oder längst in einem gordischen Knoten verstrickt ist, sollte doch der ein oder andere ernsthaft hinterfragen. red