von unserem Redaktionsmitglied 
Michael Memmel

Gößweinstein — Auf einmal steht ein moderner Höhlenmensch vor den FT-Lesern - auf dem Schädel einen schlammverkrusteten Schutzhelm mit Taschenlampe, gekleidet in einen Ganzkörperanzug aus Gummi, versehen mit verschiedenen Seilen und Haken. Florian Schwarz macht sich gerade am Waldrand daran, mit seiner Frau Dorothea in einen Schacht hinunter zur Fellner-Doline zu klettern. Die knapp 40 köpfige Wandergruppe ist fasziniert. Schon prasseln Fragen auf die Höhlenforscher ein. Florian Schwarz erklärt bereitwillig und sorgt dafür, dass die FT-Leser bei der Entdeckerwochen-Wanderung am gestrigen Sonntagvormittag wirklich Außergewöhnliches aus erster Hand erfahren.
"Rund 100 Meter steigen wir jetzt in die Tiefe", erzählt der Mann aus Rettern. Rund 40 Minuten werde das dauern und durch ein paar Engstellen müssten sie sich dafür drücken. Unten werde sich das Ehepaar Schwarz etwa sechs Stunden aufhalten und für ein Projekt der Gemeinde und der Forschungsgruppe Fränkischer Karst (FFK) die 300 bis 400 Meter lange Doline vermessen.
Die Wanderer staunen nicht schlecht. "Warum steigen Sie bei dem tollen Wetter in ein dunkles Loch?", wundert sich eine Frau, die sich sichtlich über die warmen Temperaturen weit jenseits der 20 Grad freut. Dorothea Schwarz denkt nur kurz nach: "Mich reizt die Möglichkeit, Neuland zu entdecken." Dann dauert es auch nicht lange und die beiden Höhlenforscher sind im schwarzen Schacht verschwunden - ein Deckel verschließt nun den Einstieg.

Auch Hund Gustl wandert mit

Ferdinand Haselmeier, einer der Stützen der FFK, würde normalerweise mit ihnen kommen, doch an diesem Sonntag hat er die Aufgabe übernommen, die FT-Leser inklusive Hund Gustl über den gut neun Kilometer langen "Geologischen Rundwanderweg" von Gößweinstein zu führen. Vom Friedhof aus lenkt er die Gruppe über Felsentor und Zigeunerloch zum Dolinen-Schacht. Weiter geht es zum Höhenschwimmbad, wo eine kleine Stärkung auf die Wanderer wartet, hinab nach Behringersmühle, an der Wiesent entlang zur Stempfermühle und wieder steil nach oben ins Zentrum von Gößweinstein. Auf den Felsenpfaden wird den Wanderern bald klar, warum der Weg mit dem Schwierigkeitsgrad mittel ausgezeichnet ist.
An der Stempfermühle schlägt Haselmeier wieder den Bogen zu den Höhlenforschern. In den drei hier austretenden Quellen schießen insgesamt 1000 Liter pro Sekunde aus dem Gestein. Das Einzugsgebiet für diese Quellen wird auf 64 Quadratkilometer geschätzt. Die FFK glaubt, dass "ein Zusammenhang zwischen der Quelle und der Fellner-Doline besteht". Diesen zu finden, sei eines der Ziele des Vereins. "Das ist auch hochinteressant für die Wasserwirtschaft", betont Haselmeier, "denn wenn wir den Zusammenhang herstellen, wissen wir auch, wo das Wasser herkommt." Bisher könne das nur vermutet und indirekt nachgewiesen werden.
Die Höhlenforschung in der Fränkischen Schweiz begeistert den 66-Jährigen augenscheinlich. In den Spalten unter der Erde kennt er sich ebenso gut aus wie im eigenen Landhaus "Fränkischer Hahn". Kaum eine Woche vergeht, in der er nicht hinabsteigt. Dabei weiß er sehr wohl um die Gefahren.

Zwei Mal in die Tiefe gefallen

Schon zwei Mal ist er abgestürzt - sechs Meter und 13 Meter tief. Gebrochene Rippen und eine verletzte Lunge trug er davon. Trotzdem kann er nicht davon lassen. "Bis 70 will ich noch weitermachen", erzählt er zum Abschluss und freut sich, dass den wandernden FT-Lesern nicht nur das sonnige Wetter, sondern auch seine Ausführungen gefallen haben.
Der Applaus am Ende bestätigt ihm das. Und Lobesworte wie: "Das war eine wunderbare Wanderung."