"Wo ist der Pogo? Ich muss tanzen", ruft ein junger Mann am Samstagabend in der Burgkunstadter Kleinkunstkneipe "Rösla" fast schon gebetsmühlenartig. Mit weit ausladenden Armen zappelt er vor den Musikern herum. Diese erteilen dem Publikum eine anspruchsvolle Poplektion nach der anderen, und dem Jüngling beginnt es zu dämmern, dass das nicht das laute, wilde und aus drei Akkorden gestrickte Punkkonzert ist, nach dem er sich sehnt. Er macht die Fliege, während die Gruppe Mellosheen weiterhin an ihrem erstklassigen Popsound strickt.
Für die vier Akteure aus Burgkunstadt, Unterneuses und Bamberg ist das Gastspiel in der ehemaligen Schuhstadt ein ganz besonderes: Die Songs ihres aktuellen Albums "Pinpricks" feiern ihre Live-Premiere. Die 40 Fans sind begeistert vom facettenreichen Sound des Abends. Gut Ding will Weile haben. Ein Jahr lang hat sich die Produktion des Albums im Tonstudio von Volker Hofmann in Unterneuses hingezogen. Darauf angesprochen, ob ihm jetzt ein Stein vom Herzen falle, sagt Sänger Guido Apel aus Bamberg: "Aber sicherlich. Irgendwann gelangt man an einen Punkt, wo es nichts mehr zu verbessern gibt. Wir spürten: Jetzt ist die CD so, wie sie uns gefällt."
Mit Herz und Hand erzeugen die Musikanten Lieder, die wie aus einem Guss klingen. Sie bescheren dem Zuhörer nicht nur geistige Erbauung, sondern lösen in ihm auch höchst unterschiedliche Gefühlsregungen aus: Ein gefühlvoller Walzer ("Don't Believe Me") erweicht das Herz, ein fröhlich dahingeschmettertes "Hello Mrs. Sunshine" erfreut das selbige und das rhythmisch pulsierende Stück "Suicidal Dancers" aus der Kategorie Disco-Pop lässt es rasen.


Witzioge Wseise "To Go"

Volker Hofmann aus Unterneuses (Bass und Trompete), Dominik Tremel aus Burgkunstadt (Piano und Posaune), Jens Kußmann aus Bamberg (Schlagzeug) und Guido Apel (Gesang und Gitarre), der einst viele Jahre in der Kunstadter Musikszene gewirkt hatte und jetzt in Bamberg wohnt, geben nicht nur musikalisch alles. Die Musiker geben auch - man höre und staune - jede Menge Bestellungen auf. "Espresso To Go, Latte To Go, Cappucino To Go, Coffee To Go", schallt es lautstark durch die kleine Musikkneipe. Die Jungs haben keinen Durst, sondern tragen nur eine witzige Weise vor. Wollen die Musiker mit ihrem Lied "Coffee To Go" den Leuten einen Spiegel vorhalten? "Es ist eine Beobachtung aus dem Alltag, die wir in dem Song ironisch und überspitzt verarbeitet haben. Den Spiegel vorhalten hat etwas Lehrmeisterliches, Rechthaberisches, bei dem man sich selbst über andere erheben würde, getreu dem Motto: "Seht her, ich weiß es besser", erklärt Hofmann. Apel, der den Text verfasst hat, ergänzt, dass es ihm darum gegangen sei, die in den letzten Jahren überpräsente Formulierung "To Go" auf die Schippe zu nehmen. Man könne alles mögliche "To Go" haben und zählt auf: Coffee, Pizza, Burger ...


Scheiden tut weh

"Over now" heißt ein anderer Song, der gegen Ende des Konzertes erklingt und allen Zuhörern signalisiert: Jetzt neigt sich das Konzert dem Ende zu. Hofmann und Tremel geben mit der vollen Emotionswucht ihrer Bläser den Zuhörern noch einmal die Hallo-Wach-Pille.
Doch damit lassen es die vier Akteure nicht bewenden: Mit der packend-kraftvollen Ballade "Distant Voices" als Zugabe wird auf wohltuende Weise das "Scheiden-tut-weh-Syndrom" der Besucher gelindert.