Forchheim — Auf große Resonanz stieß der Vortragsabend mit Prof. Dr. Dieter Belohlavek beim Männerkreis Don Bosco. Belohlavek sprach über Neuerungen bei der Patientenverfügung. Vorsitzender Eduard Nöth hieß zahlreiche Pfarrangehörige willkommen und dankte dem Referenten, der auch seit acht Jahren erfolgreich den Hospizverein im Landkreis Forchheim führe, für sein "großartiges Engagement".
Ausgangspunkt der gesetzlichen Neuerungen sei, so Belohlavek, der Streit unter Geschwistern über die Patientenverfügung der Mutter gewesen. Eine Tochter, die die Vorsorgevollmacht hatte, behauptete, dass ihre Mutter so aber nicht sterben wolle. Daraufhin habe der Bundesgerichtshof entschieden: Patientenverfügungen müssen ganz genau festlegen, welche Maßnahmen der Patient am Lebensende wünscht und welche nicht. Der Referent nannte hier als Beispiele die künstliche Beatmung, die Wiederbelebung, gezielte Schmerz- und Symptombekämpfung, künstliche Flüssigkeitszufuhr und Ernährung.


Strengere Anforderungen

Diese Neuregelungen haben natürlich zu Verunsicherungen bei vielen Menschen geführt, ob ihre eigenen Verfügungen genau genug sind.
Viele Patientenverfügungen enthalten nämlich völlig untaugliche Formulierungen. Der Gesetzgeber fordert daher seit August 2016 strengere Anforderungen, die juristisch nicht mehr anfechtbar sind. So soll festgelegt werden, welche medizinischen Maßnahmen gewünscht werden oder nicht erfolgen sollen. Belohlavek empfahl daher dringend, Patientenverfügungen nicht allein anzufertigen, sondern sich qualifizierte Beratung einzuholen.
Hier nannte er den Hausarzt, der einen am besten kennt und fachlich beurteilen kann, ob die Formulierungen unmissverständlich sind. Auch der Hospizverein im Landkreis biete solche Beratungen an. Eines Notars bedürfe es hierzu nicht.
Heute verfügen insgesamt 28 Prozent aller Erwachsenen und 44 Prozent aller über 60-Jährigen über eine Patientenverfügung. Es sei zudem ratsam, je nach der Zeit des Abfassens und veränderter Gesundheitslage Patientenverfügungen zu aktualisieren.
Eine Patientenverfügung ist, so der Referent, für Ärzte, Betreuer, Pflegekräfte, Bevollmächtigte und Gerichte bindend. Neben der Patientenverfügung sei auch eine Vorsorgevollmacht zu empfehlen.


Grenzenloses Vertrauen

Darin bestimmt man eine Vertrauensperson und erklärt schriftlich, dass diese Person einen im Rechtsverkehr vertreten darf und für einen handelt, wenn man nicht mehr in der Lage ist, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Sie setzt also grenzenloses und unkontrolliertes Vertrauen voraus.
Man kann dabei selbst festlegen, für welche Bereiche die Vorsorgevollmacht Gültigkeit haben soll. Im Allgemeinen wird sie ab dem Zeitpunkt des Eintretens der bestimmten Bedingungen wirksam. Auf Rückfrage antwortete Dieter Belohlavek, dass der Ehepartner nicht automatisch diese Vorsorgevollmacht besitze.
Des Weiteren gäbe es die Betreuungsverfügung, Hier empfiehlt sich wie bei der Vorsorgevollmacht der Gang zum Notar. Sie wird jedoch erst dann wirksam, wenn es das Betreuungsgericht aufgrund der Umstände für erforderlich hält.
Natürlich ergab sich aus dem Vortrag ein großer Nachfragebedarf, den Dr. Belohlavek aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen als Leiter der Inneren Abteilung im Klinikum Forchheim praxisbezogen beantworten konnte. Mit einer Spendenübergabe für den Hospizverein endete ein hoch informativer Vortragsabend. red