36 Jahre lang hat Studiendirektorin i.R. Hannelore Gehrle das Johann-Philipp-von Schönborn Gymnasium Münnerstadt mitgeprägt und beherzt begleitet. Am 1. September ist die Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Katholische Religionslehre nun verstorben, teilt die Schulleitung des Gymnasiums in einer Pressemeldung mit. Am 5. September wäre sie 91 Jahre alt geworden.

Wer Hannelore Gehrle als Lehrerin erleben durfte - und es waren Generationen von Schülerinnen und Schülern - erinnert sich vor allem auch an die formvollendete und formbedachte Pädagogin, deren Auftrag nicht an der Klassenzimmertür endete. Für Fräulein Gehrle - auf diese Anrede legte sie durchaus wert - ging es im Schulalltag immer auch um die Anleitung der jungen Menschen zu höflichem und zivilisiertem Umgang, zu Achtsamkeit und Rücksichtnahme im Miteinander, zur Stärkung der Persönlichkeit auch durch die Vermittlung des Angemessenen und Statthaften. Kulturelle Bildung, Entfaltung einer selbstkompetenten Individualität, dabei aber auch der Sinn für die sozial anschlussfähige Reifung waren ihr ein tieferes Anliegen, heißt es weiter.

Vorbildliche Haltung im Unterricht, als Leitfigur ging sie dabei voran, und darüber hinaus, war Zielpunkt. Wer sich als Gymnasiast, als Gymnasiastin an der Schule bewegte, sollte in ihren Augen darauf achten, dass er oder sie es selbstreflektiert und in Rücksichtnahme auf andere tat. Wenn man so will, war dies auch ein markantes und anstrengendes, aber auch lohnendes Anliegen: Schule als Wertegemeinschaft und als stilbildende Instanz. Trittsicherheit in Sprache und im Auftreten konnte man bei ihr lernen, oft auch in den kleinen Dingen, eingefordert wurde sie jedenfalls alltäglich.

Dieser Ansatz passte zu ihrem breiten Fächerportfolio. In den Fächern Deutsch, Geschichte und vor allem in katholischer Religionslehre ging es ihr immer um grundsätzliche Fragen des Miteinanders, entlang der Richtschnur einer humanistisch-christlichen Sichtweise.

Im besten Sinne werteverhaftet, lenkte sie auch lange Jahre bis zu ihrem Ausscheiden als Studiendirektorin unaufgeregt und höchst kollegial die Geschicke der für ein Gymnasium besonders zentralen Fachschaft Deutsch, achtete auf Qualitätsmaßstäbe und setzte gerade für Schülerinnen und Schüler der Unter- und Mittelstufe Akzente und Anregungen, die eine Begegnung mit dem Fach erleichtern und anstiften konnten.

In großer Treue zu ihrer Schule, dem humanistisch-sprachlichen Gymnasium in Münnerstadt, stand sie in all den Jahren zwischen 1959 und 1993 als feste Größe für Stetigkeit und Berechenbarkeit dieser Bildungsinstitution.

Hannelore Gehrle erlebte, zunächst noch mit der Titulatur als "Gymnasialprofessorin", wie dies damals hieß, später als Studiendirektorin, die neuen Wege der Oberstufenreform und weiterer Schulreformen und begleitete alle nötigen Neuerungen des gymnasialen Schulwesens zuverlässig und loyal mit, heißt es weiter. red