Andreas Scheuerer Reglinde Fösel war gerne Lehrerin. Ein halbes Jahrhundert lang hat die geborene Oberpfälzerin an der Volkshochschule in Höchstadt zahlreiche Keramikkurse angeboten und damit viele Menschen für das Kunsthandwerk begeistert, zudem unterrichtete sie an der Hauptschule der Stadt. Nun hört die 76 Jahre alte Fachlehrerin auf. Über die Zeit in der VHS sagte sie am vergangenen Donnerstag bei ihrer Verabschiedung: "Den Job kann ich nur wärmstens weiterempfehlen."

Ihr Chef holte sie an die VHS

Angefangen hat Fösel an der VHS kurz nachdem sie zusammen mit ihrem Mann 1967 an die Hauptschule in Höchstadt versetzt worden war. Ihr Chef, der frühere Hauptschulleiter und Gründer des Bildungswerks, Willi Salomon, suchte damals nach Kunstlehrern. Und weil sich Fösel in Höchstadt niederlassen wollte und ihr Wissen über Keramik gerne weitergab, übernahm sie die Abendkurse.

Seither leitete die Fachlehrerin für Kunsterziehung und Werken Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an der VHS. Dabei legte Fösel Wert darauf, ihren Schülern wichtige Techniken beim Töpfern beizubringen. "Die Seele" ihrer Kurse sei aber immer der Themenbezug gewesen, sagt sie. So habe sich Fösel bei ihren Keramikarbeiten beispielsweise mit den Hochkulturen von Peru oder mit den Formen und Farben Afrikas auseinandergesetzt. Dies sei bei den Teilnehmern gut angekommen, konstatiert die Lehrerin.

Relief als größtes Kunstwerk

Einen Lieblingskurs hatte Fösel in all den Jahren nicht, sagt sie. "Jeder Töpferkurs kann interessant sein." In Erinnerung geblieben ist ihr vor allem das Relief, das sie zusammen mit einem Kurs angefertig hat und das heute am Alten Kuhstall im Innenhof des Rathauses hängt. Bürgermeister Gerald Brehm (FW) bezeichnete das Werk bei Fösels Verabschiedung als "großes Kunstwerk" und als "Werbung für die Kurse an der VHS". Es sei selten, dass jemand den Prozess der Erwachsenenbildung so lange begleitet wie Fösel. Mit ihrem Wissen und ihrer Kreativität habe sie nicht nur Schülern, sondern auch der Stadt einen besonderen Dienst erwiesen, sagte Brehm in seiner Dankesrede.

Weniger Teilnehmer

Obwohl Fösels Keramikkurse sehr beliebt waren, haben die Teilnehmerzahlen in den letzten Jahren abgenommen, erzählt sie. Vieles sei inzwischen im Internet zu erlernen. Mancher Kursteilnehmer habe sich einen eigenen Backofen angeschafft, um selbst zu töpfern. Fösel verurteilt das nicht. "So ist das eben."

Wer die Lehrerin fragt, ob sie lieber an der Hauptschule oder an der VHS lehrte, muss nicht lange warten. "Ganz klar VHS. Alle Schüler sind interessiert und diszipliniert. Man kann sich nur auf das Fach konzentrieren." Das sei an der Hauptschule, die inzwischen Mittelschule heißt, nicht möglich gewesen, da man mit anderen pädagogischen Aufgaben beschäftigt gewesen sei. "Die VHS ist die Königsdisziplin für Lehrer", sagt Fösel.

Haus als Museum

Ein Leben als Künstlerin hat Fösel nicht gereizt. Gerade im Keramikbereich sei die Konkurrenz sehr stark, ein Künstlerleben nur schwer zu bestreiten. Auch deshalb habe sie nie etwas ausgestellt oder eines ihrer Werke verkaufen wollen.

Ihr Haus sei dafür "ein kleines Museum", erzählt sie. Hier bewahrt Reglinde Fösel ihre Werke auf. Genauso wie auch die Erinnerungen an den Lehrerberuf. "Ich habe den Job gerne gemacht", sagt sie.