Die Lebenshilfe Kronach blickt bei ihrer Mitglieder-Versammlung am Dienstag auf ein ebenso ereignisreiches wie erfreuliches Jahr zurück. In ihrem Bericht ließ Ulrike von Prince ihr erstes Jahr als Vorsitzende des Vereins "Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Kronach" Revue passieren. Gefeiert wurde die "Taufe" des Wohnheims Innerer Ring 84 a auf den Namen Horst-Frenzel-Haus zu Ehren des Leierkasten-Mannes. Sorgen bereite die Frühförder-Außenstelle in Steinbach am Wald. "Das Haus mit den Räumlichkeiten unserer Außenstelle steht zum Verkauf. Zudem läuft der Mietvertrag im Juni 2017 aus", bedauerte die Vorsitzende. Bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten in Steinbach sei man leider noch nicht fündig geworden. Schon seit Jahren drohe die Heizung auszufallen, die das Schulzentrum sowie das Horst-Frenzel-Haus versorgt. Von vier Heizkesseln sei nur noch einer funktionstüchtig. Wann die Sanierung erfolgt, sei noch nicht bekannt. "Die verschiedenen Kostenträger streiten sich noch über die Zuständigkeit", bedauerte sie.
Auch der Heizverteiler im Keller des Hauses müsse dringend saniert werden. Der Vorstand habe über die Abkopplung der Heizung des Horst-Frenzel-Hauses vom Schulzentrum nachgedacht. Es wurde beschlossen, beim Bezirk Antrag auf eine Kostenübernahme beziehungsweise eine Bezuschussung zu stellen. Dies soll den Einbau einer Gastherme im Keller des Horst-Frenzel-Hauses ermöglichen.


Man würde ins Minus geraten

Von Prince berichtete von drei sehr wichtigen Themen des Landesmitglieder-Treffens. "Mit dem Bundesteilhabegesetz steht die größte Reform seit Jahren an", informierte sie. Damit solle die Unterstützung für Menschen mit Behinderung, um in der Mitte der Gesellschaft leben zu können, neu geregelt werden. Das Gesetz soll vor Weihnachten beschlossen werden und zum 1. Januar 2017 in Kraft treten. Bereits in Kraft getreten sei das neue Schulfinanzierungsgesetz. Im Raum stehe dabei die Überlegung einer Pauschalberechnung. Demnach sollen die Unterdeckungen der Jahre 2013, 2014 und 2015 gemittelt und auch für künftige Jahre hin ausgezahlt werden. Weiter habe der Landesverband einen Antrag auf Erhöhung der Mitgliedsbeiträge um 25 Prozent gestellt, wodurch die Rechnung der Lebenshilfe Kronach ins Minus gerate. Eine eventuelle Erhöhung der eigenen Mitgliedsbeiträge könne man derzeit nicht ausschließen.
"Wir stehen vor einem Riesenumbruch", bestätigte auch Geschäftsführer Wolfgang Palm in seinem Jahresbericht. Die neuen Gesetzespläne, insbesondere das Bundesteilhabegesetz, stelle die Lebenshilfe vor große Herausforderungen - ebenso wie das neue Wohn- und Pflegequalitätsgesetz, welches das Horst-Frenzel-Haus treffen werde. Aufgrund der vorgeschriebenen Zimmergrößen werde man wohl die Anzahl der Plätze reduzieren müssen.
Palm informierte über die jeweiligen Fachbereiche. Die Leitung der Frühförderstelle Kronach mit der Zweigstelle in Steinbach am Wald hat Elisabeth Naß inne. Derzeit betreut man in der Frühförderung 125 Kinder - davon 100 in Kronach und 25 in Steinbach; im Fachdienst Integration zwölf Kinder sowie in der mobilen sonderpädagogischen Hilfe (msH) 17 Kinder.
In der von Marion Schönborn geleiteten Petra-Döring-Schule werden 81 Kinder und Jugendliche in der Förderschule betreut, davon 22 Kinder in drei SvE-Gruppen sowie 69 Kinder und Jugendliche in sieben Schulklassen. Von den 22 Kindern stehen 14 zur Einschulung an. Der Erhalt der drei Gruppen für das Schuljahr 2017/18 ist nicht garantiert. Im Schulbereich sind die Zahlen ebenfalls deutlich rückläufig. Nach dem aktuellen Schuljahr verlassen elf Schüler die Einrichtung. Die Schließung einer Klasse kann nicht ausgeschlossen werden. Die Heilpädagogische Tagesstätte wird geleitet von Marina Kremer. Derzeit bestehen drei Gruppen mit 22 Kindern sowie sechs Gruppen mit 56 Schülern. Durch die vielen Entlass-Schüler und Beginn der Schulpflicht im Kiga-Bereich sei der Erhalt der momentan neun Gruppen nicht garantiert.
Seit dem 1. Mai ist Sebastian Spichal neuer Leiter des derzeit 130 Klienten betreuenden Fachbereichs Offene Hilfen. Erneut sei ein weiterer Rückgang bei der Kurzzeitunterbringung zu verzeichnen. Seit 2013 hätten sich die Übernachtungszahlen um circa 80 Prozent reduziert.
Die Beratungsstelle für Mitglieder der Lebenshilfe wird durch Susanne Gerstner vertreten. Derzeit hat man 120 Klienten im Bereich Beratungseinsätze/Beratung. Im Fachbereich "Ambulant Betreutes Wohnen" werden 18 Klienten betreut. Die Leitung hat Hilmar Hader inne, während Julia Böhnlein für die beiden Wohnheime verantwortlich zeichnet. Das Horst-Frenzel-Haus zählt 28, das neue Wohnheim 24 Bewohner. Laut Palm liegt die Schlussabrechnung des neuen Wohnheims bei rund 3,3 Millionen Euro - eine Kostenmehrung von 462 000 Euro zu den ursprünglichen Planungen aus dem Jahr 2011 von rund 2,8 Millionen Euro. Hierfür gebe es verschiedene Gründe - wie vermehrte Kosten insbesondere im Bereich der Statik aber auch allgemein in der Baubranche. Ein Antrag auf Nachfinanzierung bei der Regierung und beim Bezirk sei gestellt worden.


Knapp 307 000 Euro im Plus

Nachdem die Lebenshilfe Kronach bereits im Geschäftsjahr 2014 einen Überschuss von knapp 45 000 Euro erreicht hatte, dürfe man sich dieses Mal - so Oskar Heß von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Union AG, Bayreuth - über ein positives Jahresergebnis von knapp 307 000 Euro freuen. Dieses basiere auf einmaligen Gegebenheiten. Insgesamt beträgt die Bilanzsumme knapp 8,2 Millionen Euro. Der Verein zählte zum Jahreswechsel 352 Mitglieder.
Heinz Stengel dankte namens der Eltern den Verantwortlichen und Mitarbeitern der Lebenshilfe für ihr großes Engagement. "Uns muss vor der Zukunft nicht bange sein", meinte Heinz Hausmann, der an die bescheidenen Anfänge in den Räumlichkeiten der Kreishandwerkerschaft erinnerte und die so erfolgreiche Entwicklung würdigte.
Bei der Versammlung stand die Ehrung langjähriger Mitglieder an. 25 Jahre gehören der Lebenshilfe Edgar Kraus aus Friesen und Marga Murrmann aus Weißenbrunn-Eichenbühl an sowie 30 Jahre Prof. Hans Otto Lenel aus Mainz. Stolze 40 Jahre halten der Lebenshilfe Robert Ruß aus Steinbach am Wald und der langjährige Kassier Heinz Stengel aus Ziegelerden die Treue. Von den Geehrten war lediglich Stengel anwesend. Ihm gebühre - so Palm - größter Dank für seine Treue wie auch großes Engagement.
Heike Schülein