Pünktlich zum Beginn der Urlaubssaison bringt die mallorquinische Gemeinde Artà in Zusammenarbeit mit dem Verlag Edicions Documenta Balear das Bändchen "Skizzen aus meiner Wahlheimat Artà" des langjährigen Dorfpfarrers Rafel Ginard Bauçà (1899-1976) heraus. Die deutsche Fassung der 17 Texte hat der Lappacher Literaturübersetzer Volker Glab besorgt.

Rafel Ginard Bauçà war von den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bis kurz vor seinem Tod 1976 Pfarrer der Kleinstadt Artà, die rund 75 Kilometer nordwestlich von Palma de Mallorca liegt. In dieser Zeit unternahm er zahlreiche Wanderungen und Spaziergänge rund um den Ort und hielt seine Eindrücke in stimmungsvollen Beschreibungen der Landschaft und des Brauchtums der Gegend fest. Daneben machte er sich auch einen Namen als Sammler und Bewahrer mallorquinischen Volksliedguts und wurde dafür auch mehrfach ausgezeichnet.

Bereits 1929 brachte er erstmals einen Band mit dem Titel Croquis artanencs (Skizzen aus Artà) heraus, in dem er einige seiner Texte zusammentrug, die er über die Jahre in diversen Zeitschriften Mallorcas veröffentlicht hatte. Daran knüpft die Gemeinde Artà an und präsentiert insgesamt 17 Stimmungsbilder aus den Jahren 1927 bis 1964, die Jaume Guiscafrè, Professor für katalanische Sprache und Literatur an der Universität Palma, liebevoll ausgewählt und mit einer informativen Einleitung versehen hat.

Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos von Pere Sanxo Cusí runden die durch die Texte vermittelten Eindrücke ab.

Im Mittelpunkt der Miniaturen stehen Ginards Liebe zu seiner Wahlheimat Artà und seine feste Verankerung als Franziskanermönch im katholischen Glauben. Folgerichtig gehören die ersten beiden Texte auch der "Muttergottes von Sant Salvador", und auch drei weitere Geschichten befassen sich mit dem "Fest des Heiligen Antonius Abbas".

Aber auch wenn er "Das Dorf", "Die Bucht von Betlem" oder "Die Zypressen von Sant Salvador" beschreibt, beschwört Ginard immer wieder seine tiefe Überzeugung, dass alles, was ihm begegne, Gottes Werk sei.

Neben eindrucksvollen Landschaftsbildern kommen auch Bauwerke, Wohn- und Lebensverhältnisse sowie Brauchtum der Menschen in und um Artà ausführlich zur Sprache. So erfährt man, dass zur Kirchweih die Häuser herausgeputzt werden, um bei den nach Palma abgewanderten Dorfkindern Eindruck zu schinden, oder von Bänkelsängern, die musikalisch eine Art Dorfchronik gestalten.

Ginard spart auch nicht mit Kritik über den Verlust alter Bräuche oder an der Verschandelung des ländlich-idyllischen Gesamtbildes. Verfallene Klöster und Herrschaftshäuser werden in seinen Beschreibungen ebenso lebendig wie Sagen und Legenden, die sich um Bäche, Berggipfel und Küstenstreifen ranken.

Insgesamt sind die "Skizzen aus meiner Wahlheimat Artà" geeignet, interessierten Touristen ein stimmiges Bild von einer Insel zu vermitteln, die sie sonst nur als Ferienparadies mit Sonne, Strand und Spaß erfahren.

"Die Übersetzung dieser Texte stellte für mich eine besondere Herausforderung dar", sagt Volker Glab. Zwar habe er inzwischen 30 Jahre Erfahrung im Übersetzen von Literatur aus dem Katalanischen und Spanischen ins Deutsche, aber Ginards sehr persönlicher, bisweilen auch etwas "altmodischer" Stil verlange neben der "selbstverständlichen Treue zum Original" auch nach einer behutsamen Aktualisierung, "um auch dem Leser des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden". red