Zum Bericht "Kritik an Verbot wächst" (Rundschau vom 24. Februar) erreichte die Redaktion folgende Lesermeinung:

Es ist schon eigenartig, wenn die Bauern immer betonen, dass man sie an den Pranger stellt. Außer ihnen selbst sieht das wohl kaum einer so, im Gegenteil.

Den "über 1000 Studien (...) der gesundheitlichen Unbedenklichkeit bezüglich Glyphosat" (Rundschau vom 24. Februar) stehen 125 000 Klagen im Klagewert von 63 Milliarden Dollar gegen Bayer Leverkusen, das Monsanto gekauft hat, wegen gerichtlich festgestellter krebserzeugender Wirkung gegenüber. In einem Vergleich zahlte Bayer 10,9 Milliarden Dollar (laut "Zeit" vom 25. Juni 2020). Was also an den Pranger gestellt wird, sind nicht die Landwirte.

Dass Pharmakonzerne ihre Mittel als unbedenklich betiteln, ist nachvollziehbar. Wer sich aber als unabhängiger Berater betitelt und dann nur die eine Seite darstellt,  macht sich fragwürdig. Deshalb verwundert einen so manche Aussage in dem Bericht, und man fragt sich, welche Rolle die Kulmbacher Fakultät in diesem Zusammenhang spielt. Gibt es da möglicherweise Sponsoren in der Großindustrie?

Es ist für den mitdenkenden Verbraucher schon eine Beruhigung, zu lesen, dass der Landwirt Günther Sachs in den vergangenen vier Jahren nur einmal und nur auf einem Feld das Herbizid angewendet habe.  Warum aber ist es dann so eine große Sache, so ein großes Problem, wenn es ab 2024 verboten werden soll?

Wie viele Nahrungsmittelzusätze sind in Deutschland schon verboten worden, nachdem herausgekommen war, dass sie dem Menschen schaden? Und unsere Nahrungsmittel sind deshalb nicht schlechter als vorher. Nur die Großindustrie für (billige!) Nahrungsmittel hat das bedauert.

Warum bedauert ein Professor Stephan Clemens dieses neue Gesetz, anstatt sich dafür einzusetzen,  wie den Landwirten auch ohne dieses Gift geholfen werden kann?

Steht diese Verharmlosung vielleicht auch in einem Zusammenhang mit seinem Bedauern zu dem europäischen Beschluss (Bericht in der Rundschau vom 17. November 2020), über "Farm to fork" bis 2030 europaweit 25 Prozent der Landwirtschaft auf Bio umzustellen?

Den Landwirten möchten wir zurufen: Macht euch unabhängig von der Marktstrategie der Pharmakonzerne, befreit euch vom Billiganbieter-Dasein. Ihr werdet damit zu Opfern in einer Zeit, die Hoffnung macht, dass die Verbraucher bereit sind, für gute Lebensmittel auch mehr zu bezahlen und die Umkehr zur Biolandwirtschaft zunehmend zu unterstützen. Befreit euch aus dem verhexten Kreislauf der Agrarindustrie und der Pharmawirtschaft!

Franziska Bartels

Langenstadt