Die Europaabgeordnete Ulrike Müller (Freie Wähler) traf sich zu einem Gedankenaustausch mit den Vertretern des Bauernverbandes Kronach und örtlichen Vertretern der Freien Wähler auf dem Hof von stellvertretendem Kreisobmann Klaus Siegelin in Tiefenklein. Dieser sprach insbesondere die derzeit herrschende Rechtsunsicherheit für die Schweinemastbetriebe an. Hier sei zwar bei der Ferkelkastration geregelt, dass diese nicht mehr in der bisherigen Form erfolgen darf - die Politik halte aber keine tragbare Alternativen vor. Seiner Ansicht nach führe dies dazu, dass viele Mastbetriebe ihre Ferkel zukünftig aus dem Ausland beziehen würden, was nicht im Sinne der Ökologie und Tierwohls sein könne.

Den Landwirten werde es derzeit alles andere als leicht gemacht, sagte Ulrike Müller, welche selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb im Allgäu besitzt. Sie verwies auch auf den bürokratischen Aufwand beim Vollzug der Düngeverordnung. Oftmals würden Vorgaben der EU in den Mitgliedsstaaten unterschiedlich umgesetzt, wobei in Deutschland oftmals strengere und umfangreichere Regelungen getroffen würden, als von der EU gefordert. Für die Schweinemastbetriebe sei zwar eine Fristverlängerung angekündigt worden, eine endgültige tragbare Lösung müsse jedoch dringend gefunden werden.

Von den Vertretern des Bauernverbandes wurde auf die negative Stimmungsmache gegen die bäuerliche Landwirtschaft hingewiesen. Gerade Tierschutz- und Umweltverbände würden in ihrer Kritik bäuerliche Landwirtschaften mit der nahezu industriellen Produktion von Großmastbetrieben gleichstellen. Die Landwirtschaft sehe sich somit immer mehr dem Vorwurf des Umweltfrevlers oder Tierquälers ausgesetzt.

Hier müssten seitens des Staates deutlich mehr Anstrengungen unternommen werden, das Image der bäuerlichen Landwirtschaft zu verbessern, ist sich FW-Kreisgeschäftsführer Michael Zwingmann sicher.

Als wichtiges lokales Thema wurde der Erhalt der Außenstelle des Amtes für Landwirtschaft in Kronach angesprochen. Diese Behörde sei in den letzten Jahren bewusst "ausgedünnt" worden, und nun drohe die Schließung und Angliederung an ein geplantes "Grünes Zentrum" in Kulmbach. FW-Fraktionsvorsitzender Stefan Wicklein erläutert hierzu, dass man schon mehrere Vorstöße unternommen habe. Ein Schreiben des Landrates an das Staatsministerium zum weiteren Bestand der Behörde bleibt seit mindestens einem Jahr unbeantwortet.

Dass es sich lohne, hier vehementer aufzutreten, zeige das Beispiel Stadtsteinach: Hier habe man durch starken politischen Druck erreicht, dass deren Forstamt eine Bestandsgarantie erhalten habe. red