Ab Samstag, 11. September, präsentieren die Kunstsammlungen der Veste Coburg eine neue Ausstellung im Studio, die mit "Kunststücken aus der herzoglichen Gewehrkammer" einen besonderen Aspekt fürstlichen Sammelns zeigt.

Kuriose und kostbare Objekte faszinierten Menschen zu allen Zeiten. In der Renaissance und dem Barock hatte die Vereinigung dieser beiden Aspekte ihren festen Platz im Universalmuseum der Kunstkammern. Dort wurden die Wunder der Natur neben menschgemachten Kunstwerken gesammelt. Malereien und Skulpturen im weitesten Sinne gehörten ebenso zu dieser Gruppe wie handwerkliche und mechanische Meisterstücke, bei denen die kunstvolle Verarbeitung auch einfache Materialien in kostbare Sammlerstücke verwandeln konnte.

Neben dem Sammeln war die Jagd die zweite große Passion damaliger Fürsten. Hier konnten sie ihren Rang und Status, aber auch den natürlichen Reichtum ihres Landes in prunkvollen Hofjagden inszenieren. In der Selbstdarstellung der Fürsten als Jäger kam prächtigen und außergewöhnlichen Waffen ein besonderer Rang zu. So überrascht es nicht, dass die Gewehrkammern wie ein Spiegel der Kunstkammern erscheinen. In beiden Sammlungen lassen sich Gruppen bilden, in denen das Hauptaugenmerk auf wertvollen Materialien, besonderer künstlerischer Gestaltung oder außergewöhnlicher technischer Meisterschaft liegt. Sind die Beispiele der ersten beiden Gruppen stets Gemeinschaftswerke unterschiedlichster Künstler und Handwerker, so zeigt sich in letzterer in besonderer Weise die Kunst ihrer Konstrukteure, der Büchsenmacher. Auch in Coburg existierte stets eine reich ausgestattete Gewehrkammer. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sie ihren Platz im Zeughaus, dem heutigen Staatsarchiv. Die Sammlung umfasste schließlich Hunderte von Waffen, von denen jedoch nur ein kleiner Teil für eine regelmäßige praktische Benutzung vorgesehen war. So standen Jagdflinten für den Gebrauch ganz selbstverständlich neben kostbaren Stücken aus früheren Jahrhunderten.

Mit der Entstehung der Kunstsammlungen gelangte der historische Bestand der herzoglichen Gewehrkammer schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Veste Coburg.

Die Ausstellung im Studio der Kunstsammlungen präsentiert nun eine Auswahl wertvoller Stücke aus der ehemals herzoglichen Gewehrkammer im Kontext barocker Sammelfreude. Neben aufwendig verzierten Pistolen und Gewehren aus kostbaren Materialien werden auch experimentelle technische Innovationen gezeigt. Während manche von diesen wohl schon von den Zeitgenossen eher als Kuriositäten gesammelt wurden, sollten sich andere "Inventionen" der Büchsenmacherkunst als zukunftsträchtige Entwicklungen erweisen. red