Seit Monaten kann Marion Kotyba die Pforten ihrer kleinen Kunstgalerie im Oberhacken nicht öffnen. Keine Vernissagen, keine Veranstaltungen. Nicht nur der Galeristin selbst fehlt der Rummel, sondern auch den Künstlern, die Kotyba unter Vertrag hat. Denn Kunst wird nur verkauft, wenn sie auch öffentlich angeschaut werden kann.

Jetzt hat die Galeristin eine Möglichkeit gefunden, ihre eigenen und die Werke anderer Künstler öffentlich zu präsentieren. "Ich habe mir gedacht, wenn die Menschen nicht in die Galerie kommen können, dann kommt eben die Galerie ins Wohnzimmer", sagt Kotyba.

Mit Akribie hat sie die große Werkschau virtuell entwickelt. "Es war natürlich im Vorfeld richtig viel Arbeit. Alle Bilder mussten fotografiert werden, ich musste viel Informationstext über die 23 Künstler und ihre Werke eingeben. Doch jetzt habe ich eine virtuelle Ausstellung, die man anschauen kann."

Navigation per Mausklick

Alle Interessierten können einfach mit einem Klick durch die Ausstellung navigieren - an Handy, Tablet oder Computer. Am einfachsten ist es, sich direkt über den QR-Code einzuloggen. Man kann an einer virtuellen Führung teilnehmen oder selbstständig von Bild zu Bild wandern.

"Mir war es wichtig, dass die Kunstinteressierten den Eindruck haben, sich in einem großen Raum zu befinden. Ich mag es auch live nicht, wenn die Bilder dicht an dicht hängen. Deshalb habe ich zwei Räume gewählt", sagt Kotyba zur Konzeption. Sie hat viel ausprobiert. Die Interessierten können sich ganz nah ans Bild heranklicken. Auch Größe, Interpretationen, Preis und Informationen zum Künstler sind abrufbar.

Gleich zu Beginn stößt man auf das Bild "Verwoben" von Doris Bocka, gebürtig im Landkreis Kulmbach, jetzt in Bindlach lebend. Das Werk ist in Mischtechnik auf Leinwand erstellt. "Es zeichnet sich durch zurückhaltende Farbigkeit und konzentrierte Umsetzung aus", erklärt der Infotext.

Martin Minier präsentiert ein abstrahiertes Marilyn-Porträt in Acryltechnik. Inspiriert haben ihn Pablo Picasso, Roy Lichtenstein, Andy Warhol und andere Künstler der Pop-Art-Bewegung. Kunst der besonderen Art steuert Klaus Klein mit seinem Bild "Das blaue Kleid" bei. Denn er malt mit Acryl und Buntstift auf Birkenfurnier.

Ganz besonderen Wert legt Marion Kotyba auf die Vielfältigkeit ihrer Künstler. So zeigt Natalia Simonenko Stillleben in Öl, Martin Rehm und Philip Wieder präsentieren Fotografien - und Veronika Spleiss aus Passau hat sich mit ihrem Werken dem Chaos verschrieben.

Viel Arbeit und viel Freude

Diese neue Art der Kunst-Präsentation hat der Galeristin zwar viel Arbeit, aber auch viel Freude gemacht. "Ich denke, Corona wird uns noch länger beschäftigen. Auf diese Weise kann man Kunst öffentlich präsentieren. Ich hoffe, dass sich viele Leute die Bilder anschauen."

Kotyba kann sich auch gut vorstellen, dass die virtuellen Vernissagen nach dem Lockdown fortgeführt und zu einem festen Element im Kulturleben werden.

Sie selbst nutzt den Lockdown, um die ganze Galerie als Atelier zu nutzen. "Ich habe im Sommer noch zwei Ausstellungen, für dies fertige ich gerade Bilder", verrät sie und hofft natürlich, dass Mitte des Jahres kulturelles Leben wieder möglich sein wird.