Schweinfurt — Wenn das auch alles sehr traurig ist, so hat dieser Prozess auch seine heiteren Seiten: Auf der Anklagebank sitzt ein 29-Jähriger, dessen Lebensgeschichte der traurige Teil ist. Mit 14 erster Drogenkontakt mit Cannabis.
Mit 15 Amphetamine und Ecstasy, die letzten drei Jahre Crystal Meth. Hauptschule ohne Abschluss, keine Ausbildung, kein Beruf. Zum Prozess wird er aus der Justizvollzugsanstalt Würzburg gebracht, wo er seit Februar drei Jahre wegen des 17-fachen Handelns mit Betäubungsmitteln absitzt.
Die Staatsanwältin verliest vier neue Anklagen, darunter Einbruch, Diebstahl, Sachbeschädigung, Computerbetrug. Zwei Fälle veranlassen jeden Prozessbeobachter zum Schmunzeln. Bei einem feucht-fröhlichen Treffen im November 2012 gibt einer aus der Clique aus Rhön-Grabfeld und Schweinfurt den Tipp, den Tresor seines Vaters zu knacken. Da seien bestimmt 50 000 Euro drin. Damit, so die Idee, könnte man für immer nach Spanien auswandern. Gesagt, getan.

Der Tresor wehrt sich

Doch mit einem Brecheisen allein ließ sich der Tresor nicht öffnen. Also schleppte das Quintett, der Angeklagte darunter, den Tresor nach draußen auf eine Brücke an der Bundesstraße 279 bei Bad Neustadt. Sie werfen das gute Stück solange nach unten, bis der Tresor offen ist.
Aber: "Es war kein Geld drin, nur Scheckkarten", lächelt der 29-Jährige. Sie heben - die PIN-Nummern lagen dabei - 500 Euro ab, zahlen ein Länderticket der Bahn, kaufen am Frankfurter Flughafen fünf Tickets für 78 Euro pro Nase und landen in Palma de Mallorca. Blöd nur: Nach nur zwei Tagen werden die fünf Freunde am Strand ausgeraubt. Drei Eltern ließen ihren unreifen Söhnen Flugtickets über die Deutsche Botschaft hinterlegen. Einer musste neun Monate teils als Obdachloser ausharren. Der nun Angeklagte kehrte nach einer Woche zurück und setzte seine kriminelle Karriere nahtlos fort, teils mit den verhinderten "Auswanderern".
Sie haben ein Jugend- und mehrere Vereinsheime, eine Bäckerei und einen Getränkemarkt in den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen heimgesucht. Immer auf die gleiche Weise: Steinwurf ins Fenster und rein. Bargeld fand sich nicht immer, die Schäden waren hoch.
Einmal lag der Schaden bei 3000 Euro. Beute: ein Eis für zehn Euro, gesteht der Angeklagte ein - wieder schmunzelnd. Dann verlegt er den Wohnsitz von Bad Neustadt nach Schweinfurt und macht weiter, vor allem mit Drogengeschäften. Im September 2013 verkauft er einem "Kunden" in der Innenstadt Speed für 250 Euro. Er weiß nicht, dass es sich um einen Scheinkäufer handelt. Insgesamt verkauft er diesem von der Polizei instuierten Käufer Drogen, die dreimal gar keine Drogen sind.

Gras als Marihuana verkauft

Das Landeskriminalamt und das Institut für Rechtsmedizin der Uni Würzburg haben in ihren Gutachten dazu lediglich festgestellt, dass es sich dreimal um "Falschware" handelte. Freimütig räumt der Angeklagte auch hier ein, dass er dem Polizisten Speisesalz angedreht hatte. Beim ersten Mal als Test, und als der Käufer weiter Interesse gehabt habe und kaufte, "weil er der Dumme war", sagt er. "1200 Euro für 20 Gramm Speisesalz", ergänzt der Vorsitzende. Der Angeklagte nickt und alle im Sitzungssaal müssen grinsen, als der Vorsitzende von einem ähnlichen Fall berichtet. Dieser Angeklagte hatte erfolgreich das Gras einer Wiese als Marihuana an den Mann gebracht.
Der vollgeständige 29-Jährige wird vom Jugendschöffengericht zu weiteren zwei Jahren verurteilt. Wegen der vielen Vorstrafen ohne Bewährung. Er nimmt das Urteil sofort an.
Es wird nun zu einer Gesamtstrafenbildung von fünf Jahren kommen. Sehr genau registrierte der Angeklagte den Hinweis des Vorsitzenden, dass er nach Verbüßen der Hälfte - also zweieinhalb Jahre - eine Therapie beantragen kann, um von Drogen wegzukommen. Ob er diese vielleicht letzte Chance nutzt, wird sich weisen. Die Mittäter erhielten in einem früheren Prozess Bewährungsstrafen. hh