Im Januar 2014 hat sich der Verein "Kulturtafel Schweinfurt" auf Initiative von Birgit Lommatzsch gegründet. Es dauerte danach einige Zeit, bis es richtig losging. Aber ab April 2014 legten Lommatzsch und eine Handvoll Mitstreiter los. Über 2050 Karten wurden seitdem vermittelt. Das sind rein rechnerisch fast drei Karten täglich. Immer mehr Menschen mit geringem Einkommen, bei der Kultur Tafel "Gäste" genannt, nutzen den Service regelmäßig. Zurzeit sind 100 feste "Gäste" und 45 Kinder in einer Registrierliste notiert.
Den zweiten Geburtstag nimmt Lommatzsch zum Anlass für das Gespräch mit der Redaktion. Sie will eigentlich das Positive hervorheben, geht dann doch zunächst auf Post aus dem Rathaus ein, die sie nicht loslässt. Der Vorstand der Kulturtafel hat im Herbst an die Stadt und den Landkreis geschrieben, um einen Zuschuss in Höhe von 900 Euro für die Kulturtafel gebeten.
Die Reaktionen sind völlig konträr und beschäftigen den fünfköpfigen Vorstand mit der Vorsitzenden Lommatzsch und ihrem Stellvertreter Jochen Keßler-Rosa an der Spitze. Landrat Florian Töpper (SPD) nannte die "Ziele unterstützenswert", die Teilhabe von finanziell nicht auf Rosen gebetteten Bürgern sei auch "mir ein Anliegen". Er ließ 500 Euro überweisen, um diese "wichtige Arbeit in Stadt und Landkreis" zu unterstützen. Umso niederschmetternder demgegenüber die Antwort von Sebastian Remelé, die Lommatzsch vor allem wegen ihrer Rigorosität "erstaunt und enttäuscht".Als Oberbürgermeister und Kulturreferent lehne er den Antrag "aus grundsätzlichen Erwägungen ab". Er wolle ihn auch "nicht weiter verfolgen", schreibt Remelé.


Harte Linie des Rathauses

Die Stadt biete Vergünstigungen für den Besuch kultureller Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft breit gefächert an, womit allen Mitbürgern die Teilhabe möglich sein sollte. Ihm sei außerdem bekannt, dass wohlmeinende Bürger von ihnen nicht benötigte Karten für Kulturveranstaltungen "ohne großes Aufhebens weitergeben".
Auf diese Weise würden eventuell noch vorhandene Lücken geschlossen. "Im buchstäblichen Wortsinn sehe ich deshalb keine Notwendigkeit, Ihren Antrag zu befürworten", schreibt der OB. Also: kein Cent für die Kulturtafel. Das Verständnis, um das der OB wirbt, hat der Kulturtafel-Vorstand aber nicht.
Lommatzsch kann die harte Linie, die das Rathaus fährt, auch deshalb nicht verstehen, weil sie einzigartig ist. Beim Regionaltreffen aller nordbayerischen Kulturtafeln im letzten Jahr berichteten andere Vereine - darunter Würzburg und Bamberg - von im Gegenteil großer Unterstützung der Städte. Schweinfurt wird laut Protokoll als "einziger Standort" genannt, "an dem die Zusammenarbeit mit der Stadt kompliziert ist oder gar nicht läuft".
30 Vereine, Veranstalter, Organisationen oder Einrichtungen sind mittlerweile als Förderer auf der Homepage (www.kulturtafel-sw.de) eingetragen. Darunter übrigens auch das Theater der Stadt. Es stellt nicht grundsätzlich Karten zur Verfügung, unterstützt die Tafel aber bei Karten, die Privatpersonen zurückgegeben haben. hh