In normalen Jahren gibt es in Bad Kissingen eine Veranstaltung nach der anderen anzukündigen. Das ist im ersten Jahr Corona ganz anders. Da geht es eher darum, eine Veranstaltung nach der anderen abzusagen. Das aktuellste Beispiel dafür heißt Minnesang und Schwerterklang, im Volksmund gern Burgfest genannt.

Das Burgfest wäre an diesem Wochenende begangen worden, sogar größer als sonst. Denn 1220 ist Graf Otto von Botenlauben auf seine Burg zurückgekehrt und hat dabei seine Gemahlin Beatrix mit nach Franken gebracht. Dieses 800-Jahr-Jubiläum hätte der Heimatverein Reiterswiesen bei der Veranstaltung besonders gewürdigt, wenn das Burgfest nicht wegen der Corona-Pandemie für dieses Jahr hätte abgesagt werden müssen.

Trotz der Absage: Das Jubiläum an sich setzt einen wichtigen historischen Markstein für Bad Kissingen und noch mehr für den Stadtteil Reiterswiesen. Es unterstreicht den Bezug der Stadt zu Otto, dem Minnesänger, Kreuzfahrer und Klostergründer, einer der nicht allzu häufigen Personen aus dem Mittelalter, deren Andenken sich über die Jahrhunderte erhalten hat.

Leichte Unschärfen

Ottos Lebensdaten stehen nicht auf den Tag genau fest. Bad Kissingens Kulturreferent Peter Weidisch verortet in den vor knapp 20 Jahren zum 1200-Jährigen der Stadt erschienenen Facetten einer Stadtgeschichte seine Geburt "um 1175", der Heimatverein legt sich auf 1175 fest, in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia ist von "wahrscheinlich 1177" die Rede.

Otto, dessen Stammburg zunächst in Henneberg war, kam 1197 als Teilnehmer eines Kreuzzugs nach Palästina. Um 1200 heiratete er dort Beatrix von Courtenay. Bis 1220, schreibt Weidisch, habe Otto sich mit ihr in Palästina aufgehalten. Der Abschied der beiden von dort wird mit Regesten, das sind Zusammenfassungen der Inhalte historischer Urkunden, in "Otto von Botenlauben, Minnesänger, Kreuzfahrer, Klostergründer", dem ersten Band der Bad Kissinger Archivschriften, belegt.

Urkunden dokumentieren Verkauf

Für das Jahr 1220 sind dort drei Urkunden beschrieben, die mit dem Verkauf der von Beatrix im Königreich Jerusalem ererbten Besitztümer an den Deutschen Orden zu tun haben. Die Summe von 7000 Silbermark und 2000 sarazenischen Byzantinern sowie die Begleichung einer Schuld von 3250 Byzantinern habe der Verkauf erbracht, steht da zu lesen. Otto und Beatrix, so Weidisch, seien somit "als sehr wohlhabende Menschen" in Ottos Heimat gekommen.

Auf diese Rückkehr nimmt der Heimatverein beim Burgfest vor allem mit einem historisierenden Schauspiel Bezug. Der Vogt von Botenlauben heißt es und beschreibt laut Programm "wie der gütige Burgherr mit seiner schönen Gemahlin die Not der Fronbauern lindert".

Ein bedeutender Dichter

Der Erinnerung der Nachwelt erhalten blieb Otto nicht nur durch Erwähnung in den genannten und später in fränkischen Urkunden, sondern auch als Dichter. Seine Minnelieder sind nur in kleiner Zahl erhalten. Doch unter Zeitgenossen und in den Jahrzehnten und Jahrhunderten nach seinem Tod muss sein Name als Minnesänger einen guten Klang gehabt haben. Der Graf von Botenlauben gehört nicht nur zu den im Codex Manesse aufgeführten Minnesängern. Texte von ihm stehen laut Wikipedia in der Weingartner Liederhandschrift, in der Kleinen Heidelberger Liederhandschrift sowie in den Carmina Burana.

Zu Klostergründern wurden Otto und Beatrix gut zehn Jahre nach der Ankunft in Franken. Eine Urkunde vom November 1231 belegt, dass der "nobilis vir Otto senior comes de Botenlouben" und seine Frau Beatrix ein Nonnenkloster stiften wollten, das in Frauenroth entstand. Das Kloster selbst wurde längst zerstört, das steinerne Grabmal des Paares ist in der Klosterkirche Frauenroth noch zu sehen. Die Burg Botenlauben verkauften Beatrix und Otto 1234 für 1200 Silbermark an Bischof Hermann von Würzburg, schreibt Weidisch. 1525, während des Bauernkrieges, habe der Auraer Haufen die Burg geplündert und sie in Brand gesetzt. Ihren Lebensabend verbrachten Otto und Beatrix in Frauenroth und vielleicht auch Würzburg, schreibt Weidisch. Gestorben sei Otto 1244. "Letztmals urkundlich bezeugt" ist er laut Weidisch am 31. Juli 1244. Vermutlich sei er noch im selben Jahr gestorben, wahrscheinlich im Oktober. Seine Frau habe ihn nicht lange überlebt.