Das 50-jährige Bestehen der Raiffeisenbank Oberland, das am Freitag im Landgasthof Hermes gebührend gefeiert wurde, ist eine Erfolgsgeschichte. Aus den vier ehemals selbstständigen Raiffeisenbanken Marktleugast, Presseck, Enchenreuth und Marienweiher, deren Wurzeln mehr als 133 Jahre zurückreichen, erfolgte 1972 mit der Raiffeisenbank Oberland auf freiwilliger Basis ein mutiger und entscheidender Schritt, um mit einer größeren Betriebseinheit weiterhin selbstständig zu bleiben, sagte Vorstandsvorsitzender Ralph Goller. Er dankte bei der Feier besonders den Gründervätern mit Karl-Heinz Flügel aus Presseck an der Spitze. Derzeit hat die Bank 34 Mitarbeiter und 3370 Mitglieder. Den Mitarbeitern bescheinigte Bürgermeister Franz Uome: „Man spürt, dass hier die Arbeit am Kunden gelebt und geliebt wird.“

Aufsichtsratsvorsitzender Frank Wunner ging auf die Entwicklung der Raiffeisenbank Oberland ein. So begann am Ende der 60er Jahre mit der Gebietsreform der Bayerischen Staatsregierung auch in der Raiffeisenorganisation ein langer Konzentrationsprozess: „Um größere Betriebseinheiten zu erreichen und um die aufsichtsrechtlichen Vorgaben noch umsetzen zu können, wurde durch den Bayerischen Raiffeisenverband im Jahre 1971 ein sogenannter Verschmelzungsplan für die Landkreise Kulmbach und Stadtsteinach vorgestellt.“ In diesem Entwurf war vorgesehen, die Raiffeisenbanken Marktleugast und Presseck nach Untersteinach einzugliedern, die Raiffeisenkasse Enchenreuth war für eine Fusion mit Helmbrechts vorgesehen, und die Raiffeisenkasse Marienweiher sollte Stammbach zugeordnet werden.

Stadtsteinachern gefiel der Plan nicht

Dieser Plan fand im nördlichen Landkreis Stadtsteinach wenig Gegenliebe. Frank Wunner: „Deshalb wurden von den damaligen Geschäftsleitern Verhandlungen aufgenommen, mit dem Ziel, im Stadtsteinacher Oberland eine gemeinsame Raiffeisenbank zu gründen.“ Im Herbst 1972 wurden von den Mitgliedern der Raiffeisenbank Marktleugast, Presseck und Enchenreuth die entsprechenden Beschlüsse durch die Generalversammlungen gefasst, und am 19. Dezember 1972 wurde schließlich auf einer gemeinsamen Generalversammlung im Schützenhaus Presseck die Fusion zur neuen Raiffeisenbank Oberland vollzogen. Aufsichtsratsvorsitzender Frank Wunner: „Die Bilanzsumme betrug bei der Gründung 7,6 Millionen Euro, zum 31. Dezember 2021 belief sie sich auf stolze 153 Millionen Euro - das Zwanzigfache.“ Ein Jahr später schloss sich auch die Raiffeisenkasse Marienweiher der neu gegründeten Raiffeisenbank Oberland an. Damit war der Fusionsprozess abgeschlossen.

Vorstandsvorsitzender Ralph Goller zeigte die Entwicklung der Raiffeisenbank Oberland in den letzten 25 Jahren auf. Dabei stellte er zunächst fest, dass der Zusammenschluss ungewöhnlich war, weil er über Konfessions- und politische Grenzen hinweg zustande kam: „Die Verantwortlichen hatten in erster Linie ihr Unternehmen, die Region und die beteiligten Mitglieder im Blick. Kirchturmdenken gab und gibt es in der Raiffeisenbank Oberland auch heute nicht.“ Die Bank sei heute nicht nur einer der größten Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber vor Ort, sondern man habe auch viel für die Infrastruktur im ganzen Oberland getan und die Vereine und sonstige Institutionen überdurchschnittlich mit Spenden unterstützt. Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Peter Girndt machte deutlich, was aus den einzelnen Banken geworden wäre, wenn die Raiffeisenbank Oberland damals nicht gegründet worden wäre.

Maximal eine Filiale

„Wenn die damaligen Verantwortlichen den Vorschlag des Genossenschaftsverbandes realisiert hätten, würde wahrscheinlich von unserer gesamten Bank heute maximal noch Marktleugast als Filiale mit drei Angestellten existieren. Die heutige Kundennähe und Filialstruktur wären für immer verloren gewesen“, sagte er

Landrat Klaus Peter Söllner sprach von einer Erfolgsbilanz, die von Weitblick geprägt sei: „Über kommunale Grenzen hinweg wurde für das Oberland eine wegweisende Entscheidung getroffen, auf die die Gründerväter stolz sein können.“

Für die katholische Pfarrgemeinde Enchenreuth/Presseck und Wartenfels sprach Monsignore Rüdiger Feulner . Er ging besonders auf den Gründer des Genossenschaftssystems, Friedrich Wilhelm Raiffeisen ein. Bürgermeister Franz Uome stellte fest, dass die Raiffeisenbank Oberland sehr wichtig für die Region in ihrem Einzugsgebiet sei: „Die genossenschaftlichen Attribute solidarisch, fair, partnerschaftlich und regional sind auch heute noch die Grundlage für vertrauensvolles, persönliches Miteinander der Menschen, der Unternehmen und der Institutionen.“ Pfarrerin Heidrun Hemme überbrachte die Glückwünsche für die evangelische Kirchengemeinde Grafengehaig.