Lässt sich Gründergeist messen? Die Statistik sagt Ja und nimmt die Gewerbeanmeldungen und die Bevölkerung als Maßstab.

Bezogen auf die Gewerbeanmeldungen hatte der Kreis Kulmbach bis Ende 2017 rund 67 Firmengründer je 10 000 Einwohner. Das ist Platz 288 in der Gründerbundesliga unter 403 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen.

Bundesweit schrumpft die Lust am Unternehmertum: 2017 wurden in Deutschland 80 394 weniger Gewerbeanmeldungen abgegeben als noch 2012.

Die jüngste Entwicklung zeigt im Kreis Kulmbach, dass die Zahl der Gewerbeanmeldungen bis Ende 2017 mit 485 Anmeldungen um 27 gegenüber 2016 wieder nach oben ging, die Gründer im Kreis Kulmbach derzeit also gegen den Trend schwimmen.

Es muss auch nicht jeder unbedingt ein neues Unternehmen gründen. Nicht nur Chinesen kaufen Firmen auf. Deswegen müssen auch die Gewerbeabmeldungen genauer angeschaut werden. Nur 381 waren 2017 "echte Aufgaben", aber von diesen wiederum waren nur 83 sogenannte "Betriebsaufgaben", bei denen auch von größeren Arbeitsplatzverlusten auszugehen ist.

Dagegen steckten in den Abmeldungen auch 29 Betriebe, die an Nachfolger oder Käufer übergeben wurden, also bei den Anmeldungen in der Zahl der Übernahmen mit 42 größtenteils wieder auftauchen und bei denen unterm Strich die Arbeitsplätze nicht unbedingt verloren gegangen sind.

Bleibt ein letzter Indikator für das lokale Gründungsgeschehen: Ziehen wir die 461 Gewerbeabmeldungen von den Gewerbeanmeldungen ab, blieb 2017 ein Gründersaldo von plus 24 Gründern, die Hoffnung auf zusätzliche Jobs machen.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Die Überschrift des KfW-Gründungsmonitors 2017 lautet "Beschäftigungsrekord mit Nebenwirkung: So wenige Gründer wie nie." Oder: Wenn die Menschen satt sind, sind sie nicht hungrig auf Selbstständigkeit. Und je weniger neue Chefs, desto weniger Chancen auf künftige Arbeitsplätze. red