2006 gab es noch 880 Krankenhäuser mit Entbindungsstation in Deutschland, 2016 waren es nur noch 690. Ab dem 1. April 2021 wird es wieder eine weniger sein: Der Regiomed-Konzern sieht sich gezwungen, die Geburtshilfestation und die Abteilung Gynäkologie im Klinikum Hildburghausen zu schließen.

Der Grund: Fachkräftemangel. Der wiederum könnte etwas damit zu tun haben, dass in den ländlichen Regionen die Zahl der Geburten und der gynäkologischen Eingriffe zurückgeht, auch, weil es eine Bewegung zu Geburtszentren gibt. Im Falle Hildburghausen hat Chefarzt Olaf Stefanski zum 30. Juni gekündigt, der Ober- und der Assistenzarzt wollen auch gehen, und ein Nachfolger für den Chefarzt ist nicht zu finden. Ein Headhunter, den Regiomed beauftragen wollte, habe abgewunken, sagt der zuständige Geschäftsführer Michael Musick: "Er hat uns gleich gesagt: Es gibt keine Chance für kleine Geburtshilfen unter 700 Geburten jemand zu finden." In Hildburghausen habe die Zahl der Geburten pro Jahr zuletzt bei rund 260 gelegen.

Dennoch habe die Geschäftsführung nicht daran gedacht, die Geburtenstation zu schließen, betonen Musick und Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke. Aber nachdem es für die Chefarztstelle überhaupt nur vier Bewerbungen gab (und vier Absagen von den Bewerbern), nachdem auch die sechs Beleghebammen ihre Verträge zum 31. März gekündigt haben, sieht die Geschäftsführung keine andere Möglichkeit mehr. Die Bewerber, sagt Musick, hätten kein Interesse an einer Tätigkeit "in einer kleinen Abteilung ohne komplexe Fälle" gehabt, trotz all der Hinweise auf die Möglichkeiten, die sich innerhalb des Regiomed-Verbunds ergeben könnten.

Den Mitarbeitern, die nicht gekündigt haben, sollen innerhalb von Regiomed Angebote gemacht werden: Entweder in anderen medizinischen Abteilungen in Hildburghausen oder in den gynäkologischen Abteilungen an anderen Standorten. Schließlich hoffen Musick und Schmidtke, dass künftig viele Hildburghäuser Kinder in anderen Regiomed-Häusern zur Welt kommen werden. Deshalb wird der Regiomed-Konzern im Landkreis ein "Storchenmobil" etablieren: Gespräche mit dem Deutschen Roten Kreuz als Dienstleister laufen. Über eine eigene Nummer sollen werdende Eltern dann künftig dieses "Storchenmobil" rufen können, das sie in ein geeignetes Regiomed-Klinikum bringt, also entweder nach Sonneberg, Coburg oder Lichtenfels.

Auch in Sonneberg hat die Entbindungsstation derzeit keine höheren Zahlen als zuletzt Hildburghausen, sagt Musick. In Sonneberg übernehme Regiomed aber auch die ambulante Versorgung der Frauen, während es in Hildburghäuser mehr niedergelassene Ärzte gebe.

Rund 700 Geburten müsste eine Klinik pro Jahr betreuen, um wirtschaftlich zu sein. Bayern gewähre einen Defizit-Ausgleich, verlange aber auch mindestens 500 Geburten im Jahr, sagt Schmidtke. Für Hildburghausen setzt die Regiomed-Geschäftsführung nun auf ein Belegmodell, so dass wenigstens die gynäkologische Versorgung im Klinikum sichergestellt ist. Verhandlungen dafür laufen. Geburten wird es nach dem 31. März in Hildburghausen nur noch in Ausnahmefällen geben.