„Mariä Geburt ziehen die Schwalben furt“, so heißt die alte Bauernregel zum Geburtstag der Gottesmutter Maria am heutigen 8. September. Ein Quäntchen Wehmut ist schon dabei beim Abschied der lieb gewonnenen Frühlingsboten. Der Aufmunterung dienen soll ein Anflug von Poesie: „Die Schwalben haben sich geschart über den Dächern am Dorfplatz. Sie rüsten sich zum langen Flug ins Land der Sonne. Schon fahren sie auf, eine schwirrende Wolke zielgerichteter Zuversicht. Auch du selber, zweifle nicht, wirst das Land der Sonne finden.“

Kein anderer Vogel ist dem Menschen näher als die Schwalbe. „Wo die Schwalbe nistet im Haus, geht der Segen niemals aus“, heißt es. Ihr plaudernder Gesang gehört zum Sommer wie das Summen der Bienen. Ihr eleganter Flug ist pfeilschnell und von ständiger Richtungsänderung geprägt. Bei schlechtem Wetter fliegt sie bodennah, bei schönem himmelhoch. Kaum ein Vogel spielt im Volksglauben eine solche Rolle wie die Schwalbe. In Dichtung und Musik hat sie Eingang gefunden. Erinnert sei an den Walzer „Dorfschwalben aus Österreich“ von Josef Strauß oder an das Duett „Machen wir’s den Schwalben nach“ aus dem „Zigeunerbaron“. In Evergreens und beseelten Volksliedern wird sie besungen. Sprichwörter und alte Bauernregeln erzählen über sie im Jahreskreis.

Auch wenn die Schwalben aus ihrem Winterquartier südlich der Sahara im Frühjahr zurückkehren, so macht „eine Schwalbe noch keinen Sommer“. Der Bauer sah es früher gerne, wenn sie im Stall ihre Nester bauten, denn „Schwalben bringen Glück“. Als Insektenjäger sorgten sie für einen ungezieferfreien Stall und damit für einen gesunden Viehbestand. Für die gefiederten Freunde ließ er immer ein Schlupfloch offen, damit sie ungehindert ein- und ausfliegen konnten.

An Mariä Geburt wird an Aussaat und an Ernte gedacht. Der Tag ist, außer Weihnachten und Johanni, der einzige Geburtstag , der im Lauf des Kirchenjahres gefeiert wird. Es ist der beste Zeitpunkt für die Aussaat des Winterkorns. Am Fest „Mariä Na-men“ (12. September) war es im 19. Jahrhundert noch üblich, den Mädchen, die an diesem Datum geboren oder getauft wurden, den Namen Maria zu geben.

So wie die Schwalben zum Abschied, so versammeln sich Marienverehrer aus nah und fern zur letzten Wallfahrt des Jahres. Sie pilgern mit fliegenden Standarten zur Wallfahrtskirche Mariä Geburt nach Glosberg oder zum Gnadenort Marienweiher im Nachbarlandkreis Kulmbach, um dort der Königin des Friedens und Herzogin von Franken mit helltönendem Jubelgesang ein Geburtstagsständchen zu singen: „O himmlische Frau Königin , du aller Welten Herrscherin . Du willst uns allen Mutter sein. Wer dir vertraut, ist nie allein. Wir geben dir in deine Hand, die Heimat, unser Frankenland.“