Von den über 200 Martern und Bildstöcken im Landkreis Kronach stehen mehrere auf dem Gebiet der ehemaligen selbstständigen Gemeinde Grössau . „Jede dieser Martern erzählt ihre eigene Geschichte, die in unserer Pfarrei bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht“, bekundet die Vorsitzende des KAB-Ortsverbands Posseck-Gifting-Grössau, Adelheid Kotschenreuther, die auch vor zwei Jahren bereits einmal eine Marter-Wanderung rund um ihren Heimatort organisiert hatte. Ihre Informationen stammen vor allem aus dem Marternbuch des früheren Kreisheimatpflegers Roland Graf.

Bekannt sind die „Zeugnisse tiefer Volksfrömmigkeit“ jeweils insbesondere unter dem Hausnamen ihrer Eigentümer beziehungsweise Erbauer. Größten Respekt zollt Adelheid Kotschenreuther allen, die sich um die Pflege und den Erhalt der Denkmäler kümmern. Hier nur drei Beispiele für die Grössauer Martern:

Die Keimes-Marter: Die Sandsteinsäule aus dem Jahr 1750 ist sehr gut erhalten. Der Sockel trägt die Inschrift „Johannes Fehn Schultheiß in Grössau Anno 1750“. Der Korkenzieherschaft ist mit Weinranken und Trauben verziert. Die vier Reliefs sind die Marienkrönung, die hl. Barbara, der hl. Petrus sowie die hl. Familie . Die Marter steht auf dem Grundstück der Fam. Angermeier, Nr. 5. Nach der Überlieferung eggte auf dem angrenzenden Acker ein Bauer mit seinem Knecht den kargen Boden. Für diese leichte Arbeit hatte man die Jungtiere vor die Egge gespannt, um sie ans Arbeiten zu gewöhnen. Durch eine Schar auffliegender Krähen scheuten die Tiere und „gingen durch“. Der Knecht versuchte, das durchgehende Gespann aufzuhalten. Dabei wurde er von der schleudernden Egge erfasst und den spitzen Eisenzacken übel zugerichtet. Als er mit dem Leben davonkam, ließ der Bauer aus Dankbarkeit dieses Denkmal setzen.

Die Dielesch-Marter: Die Marter steht auf dem Grundstück der Fam. Pfadenhauer, Nr. 7. Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Sockel trägt eine verwitterte Inschrift, von der nur noch „Johann …“ zu lesen ist. Der Aufsatz zeigt die vier Reliefs: Die Marienkrönung, die hl. Katharina, die hl. Barbara und die Glosberger Muttergottes. Folgendes Unglück hat sich ereignet: Die schmalen, mit Eisenreifen beschlagenen Holzräder des voll beladenen Heuwagens gruben sich tief in den feuchten Wiesenboden ein. So musste der Wagenlenker zur Peitsche greifen, sollte die Tiere die große Last auf den Fuhrweg bringen. An der schrägen Auffahrt kippte plötzlich die ganze Fuhre um und begrub den neben den Wagen laufenden Lenker unter sich. Bis man das Fuder wieder aufrichten konnte, war der Mann bereits tot.

Die Kutschers-Marter (Ortseingang aus Richtung Posseck): Die neubarocke Sandsteinsäule aus dem Jahr 1885 steht auf dem Grundstück der Familie Greiner und stammt aus der Werkstatt des Matthäus Burger, Friesen. Auf dem Sockel ist zu lesen: „Gg. Diller 1885“. Die Marter wurde 2005 von Heinrich Bayer renoviert. Obwohl es die jüngste Marter in der Pfarrei ist, gibt es keine genauen Angaben über den Errichtungsgrund. Nach früheren Erzählungen alter Grössauer war die Fam. Diller beim Heueinfahren. Es war ein schwüler Sommertag und Bremsen belästigten die Ochsen, so dass diese scheuten und mit dem beladenen Heuwagen auf den steilen Abhang zurasten. Dem Bauern gelang es, die Ochsen aufzuhalten und somit ein Unglück zu verhindern. Aus Dankbarkeit darüber ließ er die Marter erreichten. hs