Wohl kein anderes Datum in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts hat derart die Emotionen geschürt und kontroverse Diskussionen hervorgerufen wie der 9. November. Der Fall der Berliner Mauer 1989, die Reichspogromnacht 1938, der Hitlerputsch 1923, die Novemberrevolution 1918 und das Scheitern der Märzrevolution 1848: Der „Schicksalstag“ 9. November symbolisiert die Hoffnungen der Deutschen, aber auch den Weg in die Verbrechen des „ Dritten Reiches “.

In der Kronacher Synagoge gedachte man der Reichspogromnacht . „Erinnerung für die Zukunft“ lautete das Leitmotiv der Gedenkveranstaltung, die vom Aktionskreis Kronacher Synagoge ausgerichtet wurde.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierten SA-Truppen und Angehörige der SS gewalttätige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Am Abend davor hatte Propagandaminister Joseph Goebbels auf einem Kameradschaftsabend im Alten Rathaus in München betont, Ausschreitungen gegen Juden seien „von der Partei weder vorzubereiten noch zu organisieren“. Allerdings sei ihnen „soweit sie spontan entstünden auch nicht entgegenzutreten“.

Eine schlimme Zeit

Die bei dieser Rede anwesende NS-Führung verständigte noch am selben Abend ihre Gauleitungen. Himmler befahl Heydrich: Die Staatspolizei solle Plünderungen verhindern, aber sonst nicht eingreifen. Brände sollten nur gelöscht werden, um umliegende Gebäude zu schützen. Gleichzeitig sollten in allen Bezirken so viele Juden wie möglich festgenommen werden.

Die Bilanz war verheerend: Etwa 7500 jüdische Geschäfte wurden zerstört, über 1200 Synagogen niedergebrannt sowie zahllose Wohnungen verwüstet. 91 Juden wurden erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt. In den Tagen darauf wurden im ganzen Deutschen Reich über 30.000 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Etwa 1300 Personen starben infolge der Novemberpogrome durch Gewalt, unmenschliche Haftbedingungen oder Suizid.

Die Kronacher Synagoge war zu dieser Zeit bereits profaniert und entging wegen ihrer Nutzung als Sanitätsdepot der Zerstörung. Dennoch kam es auch in Kronach zu Übergriffen auf die wenigen verbliebenen jüdischen Mitbürger, mit denen man vorher friedlich zusammengelebt hatte.

In der diesjährigen Gedenkveranstaltung wurde deutlich, dass der 9. November nicht nur ein Erinnerungsdatum für Fehlentwicklungen in Theologie, Kirche, Politik und Gesellschaft ist. Wie Domkapitular Thomas Teuchgräber und Dekanin Ulrike Schorn betonten, ist es wichtig, gerade in der heutigen Zeit, gemeinsam wach, mutig und verantwortungsvoll zu handeln. Vor dieser Aufgabe stünden alle Mitglieder unserer Gesellschaft, egal ob einheimisch oder fremd, egal welcher politischen Couleur. Musikalisch hervorragend begleitet wurde die Veranstaltung durch die St.-Georgs-Bläser aus Friesen unter der Leitung von Heiko Meusel und Marius Popp. jj